„In Heilbronn wird der Sport gesehen und unterstützt“
Wie sind Sie zur Leichtathletik gekommen und was hat Sie motiviert, damit anzufangen?
Ich habe sehr früh angefangen. Mein älterer Bruder hat im Nachbarort Leichtathletik gemacht, und ich wollte immer mit ins Training, obwohl ich damals noch zu jung war. Man durfte erst ab sechs Jahren in den Verein. Mit fünf durfte ich dann schon in die Gruppe. Am Anfang hat mir vor allem die Vielfalt gefallen – Springen, Laufen, Werfen, Schnelligkeit, ein bisschen Ausdauer. Das war abwechslungsreich und hat Spaß gemacht. Spezifischer wurde es dann erst mit etwa 12 oder 13 Jahren.
Leichtathletik ist eine sehr vielseitige Sportart mit vielen Disziplinen. Wieso haben Sie sich gerade für Weitsprung und Hürdenlauf entschieden?
Als Kind trainiert man alles ein bisschen, um die Vielfältigkeit zu stärken. Ich habe auch Siebenkampf gemacht. Mit 14 kam ich in den Kader, zunächst im Siebenkampf. Es hat sich aber schnell gezeigt, dass mir die schnellen Disziplinen – Sprint, Weitsprung, Hürden – besser liegen als Wurf oder Ausdauer. Deshalb habe ich mich auf Weitsprung und Hürden spezialisiert. Das sind bis heute meine Hauptdisziplinen.
Beim Weitsprung fasziniert mich, mit hoher Geschwindigkeit so weit wie möglich zu springen. Man kann ständig an technischen Details arbeiten – Absprung, Landung – und sich dadurch weiterentwickeln. Beim Hürdenlauf spielt der Kopf eine größere Rolle. Es geht darum, schnell und sauber über die Hürden zu kommen und sich mit anderen zu messen. Weitsprung ist eher individuell, Hürden ist ein direkter Wettkampf. Diese Mischung gefällt mir.
Haben Sie sportliche Vorbilder?
Ja, vor allem Malaika Mihambo. Ich habe sie als Kind bei den Deutschen Meisterschaften springen sehen, da war ich etwa zehn oder elf. Damals habe ich mir das Ziel gesetzt, dort auch einmal zu starten. Inzwischen durfte ich sogar schon mit ihr zusammen springen – bei World-Athletics-Meetings. Ich habe sie also auch persönlich kennengelernt.
Das war sicherlich ein besonderer Moment in Ihrer Karriere!
Es gab viele besondere Momente. Wenn man eine Bestleistung schafft, ist das immer etwas Besonderes, weil so viel Training dahintersteckt. Ein Highlight war, als ich letztes Jahr Süddeutsche Meisterin wurde. Und natürlich mein erster Start bei den Deutschen Aktiven – das war ein Kindheitstraum.
Was sind die größten Herausforderungen bei Weitsprung und Hürdenlauf?
Beim Weitsprung ist der Wind eine große Herausforderung. Man muss das Brett (den Absprungpunkt beim Weitsprung, Anm. der Redaktion) perfekt treffen – springt man 20 cm davor ab, verliert man 20 cm. In den letzten zwei Jahren hatte ich viele sehr gute Sprünge, aber oft das Brett nicht getroffen, sodass sie ungültig waren. Das möchte ich in den nächsten Jahren verbessern.
Wie sieht denn eine typische Wettkampfwoche während der Saison aus?
Ab Ende April beginnt die Wettkampfsaison. Bis Mitte Juni sind es vor allem Meetings, danach Meisterschaften wie Baden-Württembergische, Süddeutsche, Deutsche Hochschulmeisterschaften und Deutsche Meisterschaften. Montags machen wir Sprinttraining und Krafttraining. Dienstags trainiere ich Hürden, um Sicherheit und Technik zu verbessern. Mittwochs ist Weitsprungtechnik – Anlaufkontrolle, kurze Anläufe, Absprung, Landung. Donnerstag und Freitag wird es ruhiger, damit ich am Wochenende fit bin. Samstag und Sonntag sind dann meist Wettkämpfe, oft mit längeren Fahrten und Hotelübernachtungen.
Sprechen wir nun über Ihren akademischen Werdegang. An welchem Ort haben Sie Ihr Studium begonnen?
Meinen Bachelor habe ich in Furtwangen im Schwarzwald gemacht – Gesundheitswissenschaften mit Schwerpunkt Gesundheitsmanagement. Seit März 2025 arbeite ich in einem Gesundheitszentrum im Bereich Betriebliches Gesundheitsmanagement und Marketing. Für den Master wollte ich mich spezialisieren – Eventplanung macht mir viel Spaß, und durch meinen Sport kenne ich mich auch im Sportmanagement aus. Deshalb wollte ich mich breiter aufstellen und bin auf die Hochschule Heilbronn gestoßen.
Warum hat Sie die Hochschule Heilbronn als Studienort überzeugt?
Das Spitzensportprogramm war einer der Hauptgründe. Ich trainiere in Offenburg und habe eine volle Woche – da ist Unterstützung wichtig. Nur wenige Hochschulen bieten das an. Hier wird der Sport gesehen und unterstützt, was nicht selbstverständlich ist.
Gab es schon Situationen, in denen Ihnen das Stipendium geholfen hat?
Ja, sehr. Der Master ist eigentlich ein Vollzeitstudium. Da ich halbtags arbeite und in der Vorbereitung bis zu siebenmal pro Woche trainiere, könnte ich nicht Vollzeit studieren. Durch das Stipendium kann ich das Studium aufteilen und verlängern. Ohne diese Unterstützung wäre das nicht möglich.
Was essen Sie gerne vor dem Training oder einem Wettkampf?
Ich bin etwas abergläubisch – ich esse vor jedem Wettkampf dasselbe. Am Abend davor gibt es Nudeln. Am Wettkampfmorgen esse ich fast immer Porridge mit Nüssen und verschiedenen Toppings wie Banane, Apfel oder Beeren. Je nach Uhrzeit ist das manchmal die einzige Mahlzeit davor. Direkt vor dem Wettkampf esse ich meist eine Banane. Während des Wettkampfs nehme ich leichte Energie wie Gummibärchen oder Energy Gels zu mir.
Haben Sie gewisse Rituale vor einem Wettkampf?
Ja. Ich visualisiere den Sprung oder den Hürdenlauf im Kopf. Das Körperliche trainiert man vorher – im Wettkampf zählt das Mentale. Beim Aufwärmen höre ich Musik und rede mit anderen Athletinnen, die ich inzwischen gut kenne. Kurz vor dem Start gehe ich die Technik im Kopf durch und versuche, frei zu sein.
Gibt es einen Ort auf dem Campus, an dem Sie besonders gerne Zeit verbringen?
Einen speziellen Ort habe ich nicht. Die Räume und der Eingangsbereich sind sehr schön und modern. Man merkt, dass Wert auf eine gute Lernumgebung gelegt wird.
Sportlicher Lebenslauf
Katharina Flaig startet für die LG Offenburg und erzielt persönliche Bestleistungen im Weitsprung von 6,19 m sowie im 100-m-Hürdensprint von 13,62 s. Sie hat mehrfach Titel in der Altersklasse U23 bei den BaWü- und Süddeutschenmeisterschaften gewonnen. Ihre größten Erfolge waren 2025 der Start bei den Deutschen Meisterschaften im Halbfinale über 100 m Hürden sowie der 1. Platz bei den Süddeutschen Meisterschaften im Weitsprung.




