Gleichstellungsstarke Hochschule

Geschlecht ist indviduell, Gerechtigkeit universell

Gleichstellung ist ein zentraler Bestandteil einer starken und zukunftsfähigen Hochschule. Unser Ziel ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, die gleiche Zugänge und Teilhabe nicht nur formal garantieren, sondern im Hochschulalltag tatsächlich ermöglichen. 

Dabei zeigen sich unterschiedliche Herausforderungen: Männer stehen oftmals unter dem Druck traditioneller Männlichkeitsbilder, die ihre Studien- und Berufsentscheidungen, ihr Gesundheitsverhalten oder die Übernahme von Fürsorgeverantwortung beeinflussen. Frauen sind weiterhin häufiger von strukturellen und ökonomischen Benachteiligungen betroffen und erleben antifeministische Angriffe. Queere Menschen erleben vielfach mangelnde Anerkennung ihrer Lebensrealität sowie Diskriminierung und haben häufig nur eingeschränkten Zugang zu unterstützenden Netzwerken.

Eine gleichstellungsstarke Hochschule nimmt diese unterschiedlichen Ausgangslagen ernst. Sie schafft Räume, in denen alle Geschlechter ihre Potenziale entfalten und vielfältige Lebensentwürfe verwirklichen können.

Das Bild zeigt die Prädikatsplakette zur Auszeichnung Gleichstellungsstarke Hochschule
Gleichstellungsstarke Hochschule: enge Zusammenarbeit als Erfolgsrezept

Die starke Gleichstellungsarbeit ist das Ergebnis der engen Zusammenarbeit verschiedener Akteur*innen: der Gleichstellungsbeauftragten, der Beauftragten für Chancengleichheit und dem Referat für Gleichstellung und Diversität als Stabsstelle des Prorektorats Internationales und Diversität. In kontinuierlicher Abstimmung bündeln wir unsere Expertise, um die Chancengleichheit der Geschlechter intersektional zu denken und strategisch weiterzuentwickeln. 

Strukturelle Maßnahmen

Die Senatskommission für Gleichstellung und Diversität fungiert als beratender Ausschuss für den Senat, dem zentralen Entscheidungsgremium der Hochschule. Mit dem Ziel einer vielfaltssensiblen, weltoffenen Hochschulkultur unterstützt die Kommission dabei, die gleichberechtigte Teilhabe aller an Lehre, Forschung und Wissenschaft zu fördern. Sie erarbeitet Vorschläge, berät bei strategischen Fragestellungen und ist Anlaufstelle bei Konflikten, in denen Vielfaltsthemen eine Rolle spielen.

Vereinbarkeit von Studium, Beruf und privaten Sorgeverpflichtungen ist ein zentraler Baustein gelebter Gleichstellung. Wir verstehen sie als strategische Grundlage für Chancengerechtigkeit und nachhaltige Personalentwicklung. Verlässliche Rahmenbedingungen für Elternschaft, Kinderbetreuung und die Pflege von Angehörigen tragen dazu bei, dass Karrierewege nicht unterbrochen oder eingeschränkt werden müssen.

Der Schutz vor Diskriminierung sowie vor sexualisierter und queerfeindlicher Gewalt ist eine zentrale strategische Aufgabe der Gleichstellungsarbeit. Wir bieten verbindliche Strukturen, transparente Verfahren und niedrigschwellige Beratungsangebote, um Betroffene zu unterstützen und Vorfälle konsequent aufzuarbeiten. Prävention, Sensibilisierung und eine klare Haltung gegen jede Form von Grenzverletzung sind dabei ebenso wichtig wie der wirksame Schutz und die Stärkung der Betroffenen.

Der Gleichstellungsplan ist Teil des Struktur- und Entwicklungsplans der HHN und dient dazu, Fortschritte im Bereich der Gleichstellung zu evaluieren sowie Ziele und Maßnahmen für die kommende Planungsperiode zu festzuhalten. Er bildet damit das zentrale Strategiepapier und Bekenntnis zu noch mehr Chancengleichheit für Frauen und Männer. 

Bereits seit 2008 sind wir Teil des Professorinnenprogramms, dem bedeutendsten Förderprogramm für mehr Frauen in Wissenschaft und Forschung. Unser Engagement und die langjährige Erfahrung wurden in der neuesten Förderrunde belohnt: Als einzige Hochschule in ganz Baden-Württemberg wurden wir für unser Gleichstellungskonzept mit dem Prädikat "Gleichstellungsstarke Hochschule" ausgeichnet. 

Die Mittel ermöglichen es uns, die Karriere- und Nachwuchsförderung von Frauen langfristig zu denken und einen echten Kulturwandel anzustoßen, der sämtliche Akteurinnen von Studentin bis Professorin mitnimmt.

Das Bild zeigt die Prädikatsplakette zur Auszeichnung Gleichstellungsstarke Hochschule

Initiativen und Projekte

Von der HHN entwickelt und nun als große Kooperation: WoMent ist DAS Mentoring-Programm für Heilbronner Studentinnen, um die eigene Karriere voranzubringen und Teil eines tollen Netzwerks zu werden. Darüber hinaus bietet WoMent eine vom Mentoringprogramm unabhängige Karriereberatung und eine eigene Plattform für die Vernetzung von Expertinnen und Führungskräften.

Nur 16% der Beschäftigten im MINT-Bereich sind weiblich. In einem derart zukunftsentscheidendem Sektor brauchen wir Frauen, um die Zukunft gleichberechtigt zu gestalten. Wir setzen daher früh in den Schulen an und begleiten Mädchen und junge Frauen bis in das MINT-Studium hinein mit Sensibilisierungs- und Netzwerkformaten, um Frauen in MINT langfristig zu stärken und zu halten. 

Mit doctora ermutigen wir Frauen dazu, den wissenschaftlichen Karriereweg einzuschlagen. Wir bieten Unterstützung bei der Vorbereitung einer Promotion und geben während den verschiedenen Arbeitsphasen Rückenwind durch ein stärkendes Netzwerk und verschiedene Co-Working-Events. Mit dem Ursula-Ida-Lapp-Stipendium ermöglichen wir zudem die Förderung von MINT-Promovendinnen. 

Während für Frauen trotz vieler Hürden inzwischen viele Entwicklungswege sichtbar werden, ist das Bild von Männlichkeit nach wie vor sehr eindimensional. Die Rolle des starken Mannes dominiert nach wie vor und erfährt in den letzten Jahren Auftrieb. Wir möchten alle Geschlechter auf dem Weg in eine chancengerechte Zukunft mitnehmen und dafür auf die ganz eigenen Herausforderungen von Männern aufmerksam machen.

You can´t be what you can´t see. Frauen sind zwar auf vielen Studien‑ und Einstiegsebenen stark vertreten, aber in Spitzenpositionen der Wissenschaft (und Wirtschaft) noch deutlich unterrepräsentiert. 

Anlässlich des Internationalen Tags der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft wurde eine große Interviewreihe ins Leben gerufen, in der sich Wissenschaftlerinnen der HHN vorstellen, Einblicke in ihre Arbeit geben und Lust auf eine wissenschaftliche Karriere machen.

Unter "Queer@HHN" bündeln wir Informationen, Ressourcen und Vernetzungsmöglichkeiten für LGBTQIA*-Studierende, Mitarbeitende und deren Alleys. Denn wir setzen uns aktiv für ein diskriminierungsfreies Umfeld ein, fördern Sichtbarkeit und schaffen Räume für Austausch und Empowerment.

eqUAlity connect verbindet die HHN mit der State Biotechnological University (SBTU) in Kharkiv, Ukraine. Die HHN unterstützt bei der Entwicklung und Umsetzung eines Gleichstellungsplans als zentrale Voraussetzung, um die SBTU und weitere ukrainische Hochschulen künftig für europäische Forschungsprojekte zu qualifizieren.

Zwei Männer und zwei Frauen im Freien mit einer Tafel mit der Aufschrift "Gleichstellungsstarke Hochschule"

Gleichstellungsstark mit Auszeichnung

Als eine von zwei Hochschulen in Baden-Württemberg wurde die HHN im Rahmen des Professorinnen Programms 2030 als "gleichstellungsstarke Hochschule" besonders ausgezeichnet.
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Zum Weltfrauentag: Unser Imagevideo "Gleichstellungsstarke Hochschule. Ich bin Matilda" 

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Stellen Sie sich vor: Eine brillante Entdeckung wird gemacht, bahnbrechende Forschung veröffentlicht – und die Anerkennung geht an jemand anderen. Nicht wegen mangelnder Qualität der Arbeit, sondern wegen des Geschlechts der Forscherin. Dieses Phänomen hat einen Namen: den Matilda-Effekt. Und genau dieser steht im Zentrum unseres Imagevideos.

Im Video ist Matilda die Stimme, die unsere Vision von Chancengleichheit und Sichtbarkeit von Frauen in der Wissenschaft und Bildung verkörpert. Der Name „Matilda" wurde bewusst gewählt, um an den Matilda-Effekt zu erinnern.

Der Matilda-Effekt wurde nach der Frauenrechtlerin und Soziologin Matilda Joslyn Gage benannt, die 1870 in ihrem Essay „Woman as Inventor" die weit verbreitete Vorstellung infrage stellte, dass Frauen kein wissenschaftliches Talent besäßen. Sie kritisierte die systematische Unsichtbarmachung der Leistungen von Frauen in der Wissenschaft. Mehr als ein Jahrhundert später prägte die Wissenschaftshistorikerin Margaret W. Rossiter den Begriff des „Matilda-Effekts", um genau diese Benachteiligung zu beschreiben: die Tendenz, Frauen für ihre wissenschaftlichen Beiträge weniger Anerkennung zu geben oder ihre Arbeiten gar Männern zuzuschreiben.

Ein prominentes Beispiel für den Matilda-Effekt ist die Geschichte von Lise Meitner, die entscheidend zur Entdeckung der Kernspaltung beitrug, aber keinen Nobelpreis erhielt – dieser wurde ihrem Kollegen Otto Hahn zuerkannt. Leider zeigt sich der Matilda-Effekt auch heute noch: Wissenschaftlerinnen werden oft weniger zitiert und ihre Arbeiten erhalten weniger Aufmerksamkeit, was ihre Karrieremöglichkeiten einschränkt.

Matilda in unserem Video träumt davon, eines Tages zum Mars zu fliegen oder Professorin zu werden – wie ihre Mutter. Doch selbst im Jahr 2025 ist der Weg dorthin für Frauen noch immer mit Hindernissen gepflastert. An der Hochschule Heilbronn arbeiten wir aktiv daran, diese Barrieren abzubauen.

Während die ersten Menschen möglicherweise schon 2030 zum Mars fliegen werden, haben wir uns ein ebenso ambitioniertes Ziel gesetzt: Bis dahin sollen mindestens 30% der Professuren an unserer Hochschule von Frauen besetzt sein – eine besondere Herausforderung in den Bereichen Technik, Wirtschaft und Informatik. Bis 2050 streben wir sogar 50% an.

Unser Video zum Weltfrauentag 2025 ist das Ergebnis einer intensiven Zusammenarbeit vieler engagierter Menschen an der Hochschule Heilbronn. Entstanden im Rahmen des Professorinnenprogramms III, zeigt es nicht nur unsere Vision für die Zukunft, sondern auch die bereits bestehenden Strukturen, Projekte und Akteure im Bereich Chancengleichheit und Gleichstellung.

Die Protagonistinnen

Im Mittelpunkt des Videos stehen starke Frauen der Hochschule Heilbronn, die die Gleichstellungsarbeit täglich vorantreiben:

Jede dieser Protagonistinnen repräsentiert einen wichtigen Aspekt unserer Gleichstellungsarbeit – von der Forschung über die Lehre bis hin zu speziellen Förderprogrammen.

Unser Dank

Ein besonderer Dank gilt allen Beteiligten, die vor und hinter der Kamera zum Gelingen dieses Projekts beigetragen haben. Die Produktion des Videos wäre ohne die Unterstützung des Professorinnenprogramms III, das Engagement unserer Gleichstellungsbeauftragten, der Mitwirkenden aus den Programmen WoMent und doctora sowie aller Protagonistinnen nicht möglich gewesen.

Auch dem Produktionsteam, das mit technischem Know-how und kreativem Gespür unsere Vision umgesetzt hat, möchten wir herzlich danken. Das Ergebnis übertraf alle Erwartungen und zeigt eindrucksvoll, wie vielfältig und innovativ die Gleichstellungsarbeit an der Hochschule Heilbronn ist.