Wann haben Sie angefangen, American Football zu spielen?
Ich habe als Kind zum ersten Mal so ungefähr 2013 oder 2014 Football im Fernsehen geschaut und wollte es seitdem immer selbst spielen. Ich hatte auch einen Freund, der zuerst bei den Stuttgart Scorpions Football gespielt hat und dann nach Oregon aufs College gegangen ist. Über ihn bin ich zum Football gekommen. Dann dauerte es fast ein Jahr bis ich meine Mutter überreden konnte. Sie meinte das ist zu gefährlich für mich und ich verletze mich nur die ganze Zeit.
Was macht Ihnen am American Football besonders viel Spaß?
Football ist einfach unique - und die Fans auch. Die Fans in Schwäbisch Hall sind unglaublich, also wirklich wow. Und auch in Stuttgart habe ich immer das Gefühl gehabt, Freunde zu haben, mit denen ich spiele und dieses einzigartige Erlebnis teilen kann.
Gibt es für dich eine*n Sportler*in, die*der für dich sowas wie ein Vorbild ist?
Früher ja – aber heute eigentlich nicht mehr. Als Kind war Odell Beckham Junior mein großes Vorbild. Den hatten damals ja viele zum Vorbild, weil er mit seinem Style und seiner Art in der National Football League einfach etwas komplett Neues reingebracht hat. Aber inzwischen habe ich tatsächlich kein richtiges Vorbild mehr.
Was ist die größte Herausforderung beim American Football?
Auf dem Feld musst du in Millisekunden reagieren und Entscheidungen treffen. Innerhalb von drei bis vier Sekunden musst du lesen können, wie der Quarterback sich entscheidet, wohin er schaut und was der Receiver in dieser Situation macht. Das erfordert unglaublich schnelle Reaktionen, eine starke Koordination und die Fähigkeit, sofort zu handeln. Genau das macht diesen Sport so herausfordernd.
Was war Ihr bisher größter Erfolg?
Im Sinne von persönlichem Erfolg würde ich sagen, die Mitgliedschaft in der deutschen Nationalmannschaft seit zwei Jahren. Wir stehen zum Beispiel dieses Jahr im Halbfinale der Europameisterschaft. Mit den Unicorns sind wir schon mehrfach Deutscher Meister geworden und in Stuttgart dieses Jahr Meister in der European League of Football.
Gibt es Momente in Ihrer Football-Karriere, auf die Sie wirklich stolz sind?
Ja, zum Beispiel 2023 – das letzte Spiel der Saison, in der ich für die Stuttgart Scorpions gespielt habe. Es war gleichzeitig mein erster Start in diesem Jahr und für mich ein richtig großer Moment. Da habe ich auch wirklich sehr gut gespielt. Und ich würde sagen bis heute ist das mein bestes Spiel gewesen in meiner bisherigen Football-Karriere.
Was sind die Eigenschaften, die ein American Football Player auf jeden Fall mitbringen sollte?
Ehrlich gesagt braucht man im Football von allem etwas – Kraft, Geschwindigkeit und Koordination. Was den Sport außerdem besonders macht, ist die Vielfalt der Menschen, die zusammenkommen: schwere Spieler, schnelle Spieler, große, dünne – jeder Typ findet seinen Platz im Team. Das macht Football einzigartig und zeigt, wie unterschiedliche Menschen gemeinsam erfolgreich sein können.
Wie sieht eine typische Trainingswoche bei Ihnen aus?
Aktuell sieht mein Wochenplan so aus: Montags und mittwochs habe ich Training Dienstags und donnerstags bin ich meistens im Gym. Freitags mache ich entweder meine letzte Gym-Session in der Woche oder gehe noch einmal auf den Platz, um an meiner Technik zu arbeiten. Samstags mache ich Pause, weil wir sonntags unser Spiel haben.
Sie studieren Betriebswirtschaft und Unternehmensführung an der Hochschule Heilbronn. Warum haben Sie sich für die HHN und für diesen Studiengang entschieden?
Tatsächlich habe ich den Studienort gewechselt. Zuvor habe ich in Aalen studiert. Ich kannte jedoch viele Leute, die in Heilbronn studieren und dort ein Sportstipendium haben. Mit ihnen habe ich darüber gesprochen, wie die Hochschule Heilbronn ist und wie es sich anfühlt, dort zu studieren. Das hat mich überzeugt. Dadurch habe ich mich schließlich entschieden, ebenfalls nach Heilbronn zu wechseln.
Sie haben sich für das Studium, Betriebswirtschaft und Unternehmensführung entschieden. Warum und mit welchen Berufszielen?
Ich arbeite gerne in großen Unternehmen, besonders in Bereichen wie Finanzen oder Controlling. Momentan bin ich in einem Unternehmen tätig, das im Sales- und Marketingbereich aktiv ist, und auch das finde ich unglaublich spannend. Schon als Kind wollte ich in einem großen Unternehmen arbeiten, im Anzug ins Büro gehen und dieses typische „Wolf-of-Wall-Street“-Feeling haben. Diese Vorstellung hat mich immer motiviert, und genau deshalb finde ich diesen Weg für mich so cool.
Studium und Spitzensport parallel zu betreiben, ist nicht immer einfach. Gibt es konkrete Situationen, wo Ihnen das Stipendium besonders geholfen hat, beides zu vereinen?
Gerade im letzten Jahr hat mir das Stipendium enorm geholfen. Ich konnte mich viel stärker auf Football konzentrieren. Als ich noch in Aalen studiert habe, hatte ich wirklich das Problem, mein Training mit den Vorlesungen und all den Nachholterminen zu vereinbaren. Das war wirklich anstrengend, und oft habe ich dort nicht die Unterstützung bekommen, die ich gebraucht hätte.
Durch das Spitzensportstipendium der Heilbronner Hochschulen bekomme ich deutlich mehr Unterstützung – zum Beispiel einen Tutor, der mir hilft, wenn ich in bestimmten Fächern Schwierigkeiten habe. Das hat mir wirklich weitergeholfen. Ich finde es auch super, dass die Hochschule Heilbronn so auf uns Sportler schaut und uns dabei unterstützt, dass wir alles unter einen Hut bekommen.
Man braucht ja richtig viel Energie, wenn man trainiert oder ein Spieltag hat. Welches Essen gibt Ihnen vor einem Spiel oder vor dem Training so richtig Kraft?
Auf jeden Fall Mamas Küche. Meine Mom macht mir vor jedem Spiel das Essen – meistens irgendetwas mit Eiern, zum Beispiel Omelett oder auch rohe Eier. Sie achtet immer darauf, dass ich vor den Spielen die richtigen Sachen esse. Ich vertraue da komplett auf sie, denn einmal habe ich etwas Falsches gegessen und das Spiel lief überhaupt nicht gut. Also ich vertraue nur noch Mamas Küche.
Wo verbringen Sie auf dem Campus am liebsten Ihre Zeit, wenn Sie keine Vorlesungen haben?
In der Bibliothek. Ich mag es tatsächlich so, meine Kopfhörer aufzuhaben und Musik zu hören und dann entweder zu lernen oder Bücher zu lesen. Das ist immer sehr gut.
Haben Sie eine Routine oder ein Ritual um sich auf Wettkämpfe vorzubereiten?
In unserem Team haben wir die Tradition, dass wir beim Rausgehen noch ein bestimmtes Lied hören. Meine persönliche Routine sieht so aus, dass ich zwei- bis dreimal hin- und herlaufe und mich ganz am Ende, kurz bevor das Spiel beginnt, ganz rechts aufstelle. Dann spreche ich noch ein Gebet – das ist mir sehr wichtig.