„Fechten ist wie Schach auf Formel-1-Geschwindigkeit"
Wie sind Sie zu dieser Sportart gekommen und was hat Sie damals motiviert, damit anzufangen?
Meine Mutter hat schon seit sie zwölf ist gefochten. Ich war als kleiner Junge immer dabei und habe früh selbst angefangen – mit sechs oder sieben Jahren in Mainz. Seitdem mache ich den Sport und habe ihn unabhängig von meiner Mutter lieben gelernt. Es war kein Druck dahinter, ich fand es einfach toll. Es gab eine Phase, in der ich mit meiner Familie im Ausland war, da war das Training schwierig. Aber ich habe weiter trainiert, auch wenn es manchmal nur einmal im Monat möglich war. 2020, während Corona, bin ich zurück nach Deutschland gekommen und habe gesagt: Ich konzentriere mich voll aufs Fechten. Seitdem bin ich im Leistungssport.
Was fasziniert Sie am Fechten?
Es ist ein sehr komplexer Sport – ab einem gewissen Niveau ist es wie Schach auf Formel-1-Geschwindigkeit. Man muss blitzschnell Entscheidungen treffen und darf keine Sekunde unaufmerksam sein. Ich liebe die Taktik dahinter. Selbst wenn man technisch nicht perfekt ist, kann man taktisch viel wettmachen. Später kam die Liebe zum Sport und die Möglichkeit, international zu starten. Letztes Wochenende war ich zum Beispiel beim Weltcup in Budapest.
Gibt es Sportler, die Vorbilder für Sie sind?
Ja, in Budapest durfte ich gegen Olympiateilnehmer antreten. Olympia ist für mich noch weit weg, aber es ist inspirierend, mit solchen Leuten auf dem gleichen Turnier zu stehen. Besonders beeindruckt mich Rıza Kayaalp, ein türkischer Fechter, der sich als letzter Europäer für Olympia qualifiziert hat. Und der junge Colin Heathcock, früher Deutscher, jetzt für die USA – ein Supertalent, zwei Jahre jünger als ich, schon Weltcup-Sieger und Weltranglistenplatz vier.
Was sind die größten Herausforderungen im Fechtsport?
Konzentration und Fokus. Man muss jederzeit bereit sein, auf die Reaktion des Gegners zu reagieren. Wenn man glaubt, man trifft, und der Gegner pariert im letzten Moment, darf man nicht den Kopf verlieren. Das trainiere ich intensiv. Fechten ist extrem schnell – blinzelt man, verliert man Zeit. Es ist ein Sport mit langer Tradition, bis ins Mittelalter zurück. Viele Regeln stammen aus dieser Zeit, etwa die Begrüßung vor dem Kampf oder der Ehrenkodex. Die Sprache im Fechten ist Französisch, was auf die Musketierzeit zurückgeht.
Wie sieht eine typische Trainingswoche bei Ihnen aus?
Ich habe vormittags Vorlesungen und trainiere fast jeden Abend drei bis vier Stunden. Donnerstags mache ich zusätzlich Krafttraining, freitags zwei Einheiten, samstags vormittags Training, und am Wochenende sind oft Turniere. Die Woche ist durchgeplant – Studium und Sport, das klappt gut und macht Spaß.
Wie hat Ihnen das Spitzensport-Stipendium geholfen?
Ja, sehr. Es hilft, Studium und Sport zu balancieren. Ich kann mit Herrn Jan Willner immer sprechen, wenn etwas ist. Zuletzt wurde ich mittwochs kurzfristig für die U23 Europameisterschaft nachnominiert, die freitags begonnen hatte. Da mussten wir schnell mit den DozentInnen in Kontakt treten. Auch finanziell ist es eine große Hilfe – Fechten ist teuer, Material und Reisen kosten viel. Das Stipendium deckt einen Teil davon.
Sie sind also über das Fechten nach Künzelsau gekommen?
Genau. Der Verein hat die Verbindung zu Jan Willner hergestellt mit dem ich dann über die Studienmöglichkeiten an der HHN gesprochen habe. Zunächst habe ich ein Orientierungssemester am Campus Künzelsau gemacht. Ich war der erste Fechter, der das Sportstipendium genutzt hat. Wir hoffen, dass weitere junge Fechter nachkommen.
Haben Sie ein Lieblingsessen vor Wettkämpfen?
Morgens immer Haferflocken mit Milch und Früchten – das gibt Energie. Auch bei Turnieren, wenn möglich, esse ich das.
Haben Sie ein Ritual vor Wettkämpfen?
Ja, ich wärme mich lange auf, etwa anderthalb Stunden. Ich fechte vorher mit Trainingspartnern, die besser sind, lasse mich quasi „verprügeln“, um Fehler zu erkennen und im Turnier zu vermeiden. Musik hilft mir, den Fokus zu finden.
Wo ist Ihr Lieblingsort auf dem Campus Künzelsau?
Die Mensa – gutes Essen, entspannte Atmosphäre, nette Leute. Im Sommer auch der Biergarten am Kocher, das ist perfekt zum Abschalten.
Sportlicher Lebenslauf
Simon Thomé ist ein Säbelfechter, der 2025 zum FC Würth Künzelsau wechselte. Aktuell belegt er Platz 15 in der Deutschen Rangliste im Einzel. Zu seinen größten Erfolgen zählen die Teilnahme an der U23-Europameisterschaft in Antalya 2026, der 2. Platz bei der Deutschen Meisterschaft mit der Mannschaft 2025 sowie der 3. Platz beim Boston World Cup mit der Mannschaft 2023.






