
Mia Scharpf wollte unbedingt ein Studium mit besten Berufsaussichten. Daher hat sie sich für Angewandte Künstliche Intelligenz entschieden. Wenn sie nicht im Hörsaal ist, findet man sie auf dem Footballfeld in Schwäbisch Hall. Dort spielt sie bei den Unicorns in der 1. Bundesliga. Was ihr daran besonders gut gefällt, verrät die 20-Jährige im Interview.
Ein zukunftsfähiges Studium mit guten Berufsperspektiven und die Gemeinschaft in ihrem Team, das sind Dinge, die Mia Scharpf wichtig sind. Sie spielt bei den Unicorns in Schwäbisch Hall in der 1. Bundeliga American Football und studiert Angewandte Künstliche Intelligenz. Wie sie nebenher auch noch ihr Englisch verbessert und was sie am liebsten isst, darüber hat sie mit HHN-PR Redakteurin Gila Hoch gesprochen. (Titelbild: Mia Scharpf. Foto: Nico Kurth / Spitzensport-Stipendium)
Vor 2 Jahren, als ich 18 Jahre alt war, habe ich damit angefangen. Davor habe ich ungefähr 15 Jahre lang geturnt. Das mache ich auch immer noch parallel.
American Football ist in Schwäbisch Hall sehr groß. Aber zunächst gab es nur Herrenmannschaften. Als es dann ein Probetraining für die erste Damenmannschaft gab, dachte ich, ich schaue es mir einfach mal an. Das lief dann ganz gut (lacht). Danach bin ich dabei geblieben.
Seit ich Football spiele, nicht mehr. Davor habe ich auch im Turnen bei Wettkämpfen auf Kreisliga-Ebene mitgemacht. Seit ich Football spiele, gehe ich aber nur noch 1 Mal in der Woche zum Turnen. Das ist mittlerweile mehr ein Ausgleich zum Football geworden, besonders dann, wenn keine Football-Saison ist.
Vor allem die Gemeinschaft mit den anderen Spielerinnen. Dass alle ein gemeinsames Ziel verfolgen. Und das Gefühl, für die Mannschaft Punkte zu holen, weil man den Ball fängt oder einen Touchdown macht, ist einfach unbeschreiblich. Es freuen sich dann wirklich alle mit einem und sind stolz. Das möchte ich nicht mehr missen.
Ich bin Receiver in der Offence. Das heißt, ich versuche die gegnerischen Spielerinnen zu blocken, damit unsere nicht umgehauen werden. Oder ich laufe eine vorgeplante Route und bekomme den Ball vom Quaterback zugeworfen, um damit hinter der Goalline Punkte zu machen.
Wir haben die Deutsche Meisterschaft 2024 gewonnen. Davor mussten wir als neue Mannschaft in der 2. Bundeliga anfangen. Von dort sind wir ungeschlagen in die 1. Bundeliga aufgestiegen und haben dort auch die Deutsche Meisterschaft ungeschlagen gewonnen.
Im Vergleich zum Fußball gibt es natürlich noch wenige Mannschaften. Aber trotzdem schon einige. In der 1. Bundeliga gibt es aktuell 7 Teams, die gegeneinander antreten. In den Teams spielen immer 11 gegen 11 Frauen.
Ich würde eher das Turnen aufhören als Football-Spielen. Mit dem Football habe ich eben erst angefangen. Der Zeitpunkt ist für mich noch nicht erreicht, dass ich es schon wieder aufhören möchte. Mich motiviert vor allem auch die Gemeinschaft.
Im Training reden wir nur Englisch, da unsere Trainer extra aus Amerika hergeholt wurden. Wenn wir uns unter den Spielerinnen auf Deutsch unterhalten und der Name eines Trainers fällt, dann ist es immer lustig, weil sie nervös werden (lacht). Wir sagen ja aber nichts Schlimmes.
Total. Es hat sich auch wirklich verbessert. Das hat sogar meine Englischlehrerin in der Schule schon gesagt. Und ich habe Hemmungen abgebaut. Am Anfang habe ich mich nicht traut, mitzusprechen.
Meine Familie ist generell sehr sportbegeistert. Meine Eltern sagen zwar vor jedem Spiel, ich solle auf mich aufpassen. Aber eigentlich sind sie sehr locker. Mein Vater sagt immer „Wenn was gebrochen ist, merkst du`s. Das ist auch nicht das Schlimmste“ (lacht). Ich hatte schon öfter Kapselrisse und ich habe immer ganz viele blaue Flecken (lacht). Aber ich habe nie Angst vor einem Spiel.
Die meisten sind eher begeistert und wollen mehr darüber wissen. Ich habe noch von niemanden gehört, das sei nichts für Frauen.
Mir war es ganz wichtig, etwas Zukunftsfähiges zu studieren. Ich wollte auf keinen Fall etwas studieren, bei dem ich mir später Sorgen machen muss, ob ich einen sicheren Job finde. Außerdem mag ich Mathe und logisches Denken. Der Studiengang gefällt mir bisher sehr gut.
Ja. Ich habe mich auch für die Hochschule Heilbronn entschieden, damit ich weiterhin bei den Schwäbisch Hall Unicorns spielen kann.
Ich habe mir aber immer gesagt, wenn ich das Abitur schaffe, dann versuche ich auch, zu studieren. Für`s Abitur habe ich mich ganz schön ins Zeug gelegt und es war schön zu erleben, dass die Arbeit zum Erfolg führt.
Nein, das halte ich mir noch offen. Angewandte Künstliche Intelligenz ist ein sehr breites Feld. Meine Großeltern beispielsweise fragen mich immer, was genau man damit eigentlich macht. Es ist schwierig, das zu erklären. Wenn man Medizin studiert, wird man Arzt. Mit meinem Studium kann ich dagegen viele verschiedene Tätigkeiten ausüben. Ich denke, durch das Praxissemester und die Anwendungsfächer finde ich aber bestimmt noch die passende Richtung für mich.
Ja schon. Wenn, dann aber Sport auf Lehramt. Alles andere war mir zu unsicher. Und vom American Football kann man nicht leben. Damit verdient meines Wissens nach niemand in Deutschland seinen Lebensunterhalt.
Ich trainiere zwei Mal die Woche Football mit der Mannschaft, zwei bis vier Mal trainiere ich im Gym. Außerdem gibt es Sondertrainings, zum Beispiel für die Receiver. Treffen für die Spielanalyse haben wir auch. Dazu einmal in der Woche weiterhin Turnen.
Bisher hatte ich in der Organisation meines Studiums und mit den Inhalten wenig Probleme. Ich bekomme aber bei anderen mit, wie hilfreich es sein kann. Es beruhigt mich sehr, dass da jemand hinter mir stehen würde, wenn was wäre. Ich bin zudem eine der Einzigen in meinem Studiengang, die nicht nebenher arbeiten geht, weil ich so viel trainiere. Die finanzielle Unterstützung durch das Stipendium hilft da natürlich schon. Aber auch, dass ich noch bei meinen Eltern wohne. Ohne ihre Unterstützung würde es nicht funktionieren. Ich bin sehr dankbar, dass ich das alles erleben kann. Ohne Unterstützung wäre es nicht möglich.
Mein Freundeskreis ist schon sehr durch den Football-Verein geprägt. Ich sehe viele Freunde beim Training. Wir besuchen auch die Spiele der Männermannschaften und umgekehrt. Aber ich habe auch beim Studieren Freunde gefunden und wenn ich in Heilbronn bin, treffe ich mich mit denen. Es ist wichtig, sich Zeit für Freunde zu nehmen.
Darüber habe ich mich neulich erst mit einem Import-Spieler unterhalten (lacht). Nudelauflauf, mit Schinken und Sahne.
Diese Fruchtriegel mit Esspapier drum herum, die normalerweise kleine Kinder immer essen (lacht). Schokolade geht aber auch immer.
Eigentlich bin ich eher ein ordentlicher Mensch und sortiere gerne aus und werfe Dinge weg. Allerdings nicht, was Football-Handschuhe angeht. Da musste ich neulich verhindern, dass meine Mutter alte wegwirft (lacht).
Bevor Mia Scharpf 2023 mit dem American Football begonnen hat, war sie im Turnen aktiv und hat an Wettkämpfen teilgenommen. Zum Training geht sie – sofern neben dem American Football und dem Studium noch Zeit bleibt – auch heute noch nebenbei.
Sie ist seit der Gründung der ersten Frauenmannschaft bei den Schwäbisch Hall Unicorns mit im Team. Bereits nach einer Saison stieg die Mannschaft in die 1. Bundesliga auf und gewann die Deutsche Meisterschaft.
Mias nächstes Ziel ist die Nominierung für die deutsche Nationalmannschaft.
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