
Fünf Trainingstage pro Woche und am Wochenende schnell nach Frankreich oder Ungarn zum Spiel - so sieht Moritz Schreibers sportliches Pensum aus. Wie er das mit seinem Studium Wirtschaftsingeneurwesen vereinbart und welchen Beruf er anstrebt, erzählt er im Interview.
Moritz Schreiber spielt seit 19 Jahren American Football, mittlerweile in der European League of Football und in der deutschen Nationalmannschaft. An der Hochschule Heilbronn studiert er Wirtschaftsingenieurwesen am Standort Künzelsau. Wie sein Wochenpensum aussieht und was er nach dem Studium arbeiten möchte, erzählt er im Interview mit PR-Redakteurin Gila Hoch.
Als ich knapp zehn Jahre alt war. Ich bin im Dezember zehn geworden und im Januar habe ich angefangen, denn damals lag die Altersgrenze noch bei zehn Jahren (grinst). Meine Cousins haben alle American Football gespielt. Ich war sofort begeistert, als ich es ausprobiert habe.
Ich spiele in der Position des Offensive Lineman, das heißt, ich blocke eigentlich nur und habe mit dem Ball wenig zu tun. Ich erkläre das immer so: Ich bin derjenige, der den Ball am Anfang durch seine Beine wirft, zum Quarterback. Das haben die meisten schon mal gesehen. Wir sind fünf Jungs, die gemeinsam alles abblocken müssen. Da gefällt mir besonders gut der Teamaspekt dieses kleinen Teams im Team. Aber auch das Kontaktintensive an der Sportart, das Kräftemessen eins gegen eins, gefällt mir schon (grinst).
Also, ich klopfe mal auf Holz (klopft auf den Tisch). Bisher hatte ich noch keine richtig schlimme Verletzung, zum Beispiel am Knie. Ich habe mir mal die Hand gebrochen, aber zweieinhalb Wochen nach der Operation habe ich wieder gespielt, weil da das Finale war. Das Außenband vom Knie habe ich mir auch schon gerissen, aber das sind ja alles keine größeren Verletzungen. Dann muss man halt kurz Pause machen und wieder aufbauen.
Meine Mutter zu Anfang schon. Aber insgesamt überwiegt der Support. Meine Cousins spielen wie gesagt auch Football. Meine Tanten waren immer bei Spielen dabei und haben geholfen. Sogar meine Oma und mein Opa sind immer bei den Spielen dabei. Football ist bei uns ein Familienevent.
Im Sinne von persönlichem Erfolg würde ich sagen, die Mitgliedschaft in der deutschen Nationalmannschaft seit zwei Jahren. Wir stehen zum Beispiel dieses Jahr im Halbfinale der Europameisterschaft. Mit den Unicorns sind wir schon mehrfach Deutscher Meister geworden und in Stuttgart dieses Jahr Meister in der European League of Football.
Der Zeitaufwand in der European League ist schon Wahnsinn. Manchmal fährt man dann übers Wochenende nach Paris oder Ungarn und kommt erst Montagmorgen um fünf Uhr zurück. Da verpasst man natürlich auch mal eine Hochzeit oder einen Geburtstag. Das schmerzt dann manchmal. Aber bisher habe ich deswegen noch nicht ans Aufhören gedacht.
Nach dem Abitur habe ich zunächst ein Jahr lang einen Bundesfreiwilligendienst gemacht, im Hohenloher Freilandmuseum. Danach habe ich eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker gemacht, mit Schwerpunkt Heizungs- und Klimatechniker. Ich wusste gleich zu Beginn, dass ich noch weitermachen will. Entweder mit einem Meister oder einem Studium. Wirtschaftsingenieurwesen schließt direkt an das an, was ich gearbeitet habe. Den Fokus auf erneuerbare Energien und Innovationen fand ich gut. Ich war sowieso schon immer technikbegeistert. In Verbindung mit dem wirtschaftlichen Teil bin ich dann gut für die Arbeitswelt vorbereitet. Für den Standort Künzelsau habe ich mich auch deswegen entschieden, weil ich in Schwäbisch Hall wohne und bis vor Kurzem dort Football gespielt habe.
Ich war während des Studiums teilweise als Werkstudent in meinem Ausbildungsbetrieb tätig und habe dort kleinere Projekte geleitet. So in der Richtung könnte ich mir meinen späteren Beruf vorstellen: Projektleiter im Anlagenbereich.
Ich habe drei Mal in der Woche Teamtraining. Während der Saison von September bis Anfang Mai findet jedes Wochenende ein Spiel statt. Dann habe ich noch einen Trainingsplan, um mich selbst fit zu halten. Das sind so drei bis vier Einheiten die Woche. Beim Football macht man auch viel mit Gegneranalyse, um sich vorzubereiten. Das machen wir mindestens einmal in der Woche. Football ist also jeden Tag Thema.
Es ist sehr gut zu wissen, dass man jemanden hat, an den man sich jederzeit wenden kann, sollte es zu Terminüberschneidungen oder Problemen kommen. Das ist manchmal einfacher, als auf die Professoren direkt zuzugehen. Mir gefällt es auch gut, durch das Stipendium in den Austausch mit anderen Studenten und Athleten zu kommen. Da kann man sich manchmal noch ein Bisschen was von den anderen abschauen.
Nicht so wirklich. Außer Trikots vielleicht. Da habe ich von jeder Saison eines.
Wenn es weiter weg gehen muss, dann definitiv mit dem Auto. Ansonsten mache ich auch viel mit dem Fahrrad, wenn es gut zu erreichen ist.
In der Bundesliga war es noch etwas besser, weil da nicht jedes Wochenende ein Spiel ist. Während der Saison ist es in der European League etwas schwieriger. Aber wenn es klappt, dann mache ich auch mit Freunden gerne sportliche Dinge. Squash oder Pickleball spielen zum Beispiel. Und natürlich möchte ich auch mit meiner Freundin Zeit verbringen, zum Beispiel gemeinsam etwas Essen gehen.
Definitiv irgendwas von Oma, zum Beispiel Schnitzel, Spätzle und Kartoffelsalat. Das ist schon ziemlich hoch im Kurs (grinst).
Reiswaffeln und Studentenfutter oder andere Nüsse.
Moritz Schreiber spielt seit der letzten Saison bei den Stuttgart Surge American Football und gewann in der Saison 2025 mit seinem Team die European League of Football.
Zuvor spielte er für die Schwäbisch Hall Unicorns mit denen er 2017, 2018 und 2022 Deutscher Meister wurde.
2021 war er zum Footballspielen ein Jahr in Schweden, wo er schwedischer Vizemeister wurde.
2024 wurde er erstmalig in die Nationalmannschaft berufen. Sein Kader belegte bei der Europameisterschaft 2025 den 4. Platz.
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