"In einer Mannschaft motiviert und pusht man sich gegenseitig"
Wie sind Sie zu Ihrer Sportart gekommen?
Eigentlich haben meine Eltern den Stein ins Rollen gebracht. Mein älterer Bruder hat damals schon Fußball gespielt, und meine Eltern haben mich dann einfach mitgeschickt. Was als kleiner Junge so angefangen hat, hat mich nie wieder losgelassen – ich bin bis heute mit derselben Leidenschaft dabei wie am ersten Tag.
Was fasziniert Sie heute noch wie am ersten Tag?
Das Team-Gefühl! In einer Mannschaft motiviert und pusht man sich gegenseitig. Dieser Zusammenhalt ist für mich der Kern des Sports.
Gibt es Vorbilder für Sie?
Kadir Tatar. Ich kenne ihn schon ewig, und vor ein paar Jahren durfte ich sogar mit ihm zusammenspielen. Das war eine riesige Ehre für mich.
Was sind die größten Herausforderungen?
Im Mannschaftssport reicht es nicht, nur „gut“ zu sein. Die größte Herausforderung ist es, in jedem Spiel noch diesen einen Schritt mehr zu machen als der Gegner. Man muss bereit sein, mehr Einsatz zu zeigen und als Team über die eigenen Grenzen hinauszugehen, um am Ende als Sieger vom Platz zu gehen.
Auf welchen Moment sind Sie besonders stolz?
Ganz klar auf das Jahr 2016: Wir sind damals nach Italien gereist und haben uns mit der Nationalmannschaft bis ins Finale gekämpft. Am Ende als Vize-Weltmeister bei der Weltmeisterschaft im Gehörlosenfußball dazustehen, war ein unbeschreibliches Gefühl und der bisherige Höhepunkt meiner sportlichen Laufbahn.
Ein weiterer besonderer Meilenstein kam erst vor Kurzem hinzu: Mitte Juni habe ich mit meiner Mannschaft, dem GSV Karlsruhe, nach 13 Jahren und zahlreichen Finaleinzügen den 10. Deutschen Meistertitel im Großfeld gewonnen. Dieser Erfolg ist das Ergebnis jahrelanger harter Arbeit, intensiver Trainingseinheiten, großer Disziplin und eines starken Teamzusammenhalts. Darauf bin ich besonders stolz, denn mit diesem Titel konnten wir unsere Stellung als deutscher Rekordmeister weiter ausbauen.
Über welche Eigenschaften sollte man verfügen?
Man braucht Teamgeist, Durchhaltevermögen und den Biss, sich auch in schwierigen Phasen durchzukämpfen.
Wie sieht eine typische Trainingswoche aus?
Mein Alltag ist stark vom Sport getaktet: Unter der Woche stehen jeweils zwei bis drei intensive Trainingseinheiten von meinen hörenden und gehörlosen Sportvereinen an. Das Wochenende gehört dann voll dem Wettkampf – meistens habe ich zwei Spiele, aber mindestens ein Einsatz ist immer fest eingeplant.
Was hat Sie an der HHN überzeugt?
Ich bin hier in der Region aufgewachsen und habe gesehen, wie schnell Heilbronn wächst – die Hochschule hat einen richtig guten Ruf. Maschinenbau passt perfekt, weil ich Technik schon immer geliebt habe. Mich begeistern komplexe mathematische Lösungen.
Wie hilft Ihnen das Stipendium konkret?
Es hält mir den Rücken frei. Durch die Unterstützung kann ich mich voll auf meine sportlichen Leistungen und das Studium konzentrieren. Wenn es mal hakt, habe ich zudem immer einen festen Ansprechpartner.
Welches Essen gibt Ihnen Energie?
Ehrlich gesagt wechselt das oft, je nachdem, was mein Körper gerade braucht. Aber eine Sache ist absolut wichtig: Wasser. Ohne Trinken geht gar nichts!
Wo sind Sie am liebsten auf dem Campus?
Im CAD-Raum. Dort ist es schön kühl und ich finde die nötige Ruhe zum Arbeiten. Außerdem mag ich CAD.
Haben Sie ein Wettkampf-Ritual?
Ich versuche immer, eine lockere und positive Stimmung zu bewahren. Das hilft mir, nicht zu verkrampfen. Aber sobald es losgeht, schaltet sich ein Schalter um: Dann zählt nur noch die volle Konzentration auf das Spiel.
Sportlicher Lebenslauf
Marlon Seeburger spielt in der Deutschen Gehörlosen-Nationalmannschaft . Darüber hinaus spielt in zwei Vereinen: im Gehörlosen-Sportverein Karlsruhe sowie beim SV Sülzbach, wo er auch mit hörenden Menschen zusammen auf dem Platz steht. Zu seinen größten Erfolgen zählen der 5. Platz bei der Gehörlosen-Weltmeisterschaft 2023 und der 2. Platz bei der Gehörlosen-Weltmeisterschaft 2016. Zudem wurde er mehrfach Deutscher Meister mit dem GSV Karlsruhe und ist vor kurzem als deutscher Rekordmeister mit dem 10. Titel im Großfeld ausgezeichnet worden. Im Februar 2026 schloss er sein Studium an der HHN erfolgreich ab.







