Ein junger Mann in American-Football-Ausrüstung.

„Auf solche Momente arbeitet man jahrelang hin“

Luca Dirscherl studiert Betriebswirtschaft und Unternehmensführung an der HHN und ist gleichzeitig als Footballer im Leistungssport tätig. Wie er beides im Alltag vereint und was ihn beim Training motiviert, hat er uns im Interview erzählt. 
Kai Hartmann|09.08.2026

„Auf solche Momente arbeitet man jahrelang hin“

Wie sind Sie zu American Football gekommen, und was hat Sie damals motiviert, anzufangen?

Der Sport hat mich schon immer fasziniert. Ich habe mein ganzes Leben lang Sport gemacht und wollte schon mit 14 oder 15 anfangen, aber es gab keinen Verein in der Nähe. Mit 18 wollte ich dann starten, habe mir aber die Kniescheibe ausgekugelt und war ein Jahr verletzt. Mit 19 habe ich dann in Ludwigsburg mit American Football angefangen, also relativ spät. Ich habe vorher Handball, Judo und Fußball betrieben, war überall gut, aber nie war es „mein“ Sport. Beim ersten Football-Training wusste ich sofort: Das ist meine Sportart, hier kann ich meine Stärken ausspielen.

Ich habe mich schnell auf die Position des Cornerback festgelegt. In meiner ersten Saison habe ich ab dem zweiten Spiel gestartet, weil sich der Starter verletzt hat. Die Saison lief gut. Zwischen der ersten und zweiten Saison habe ich körperlich einen großen Sprung gemacht – 15 Kilo zugenommen, von 70 auf etwa 85 Kilo. Ich wollte nicht mehr auf dem Spielfeld „umgerannt“ werden und habe gemerkt, dass ich Talent habe. Nach einer guten zweiten Saison kam die Einladung der Stuttgart Surge (European League of Football). Ich war im Trainingscamp und habe viel gelernt. Danach wusste ich: Ich kann höher spielen. Nach einer weiteren Saison in Ludwigsburg bin ich schließlich zu den Schwäbisch Hall Unicorns gewechselt und habe dort meine erste Bundesliga-Saison gespielt – eine super Erfahrung mit einer der besten Organisationen in Europa. Jetzt bereite mich auf meine zweite Bundesliga-Saison vor.

Was fasziniert Sie heute noch genauso wie am ersten Tag?

Die Athletik. Es gibt wenige Sportarten, in denen Athletik so wichtig ist. Wenn sich ein 120-Kilo-Typ crazy athletisch bewegt, ist das beeindruckend. Außerdem die Aggressivität des Sports – es macht extrem viel Spaß, auf dem Feld alles zu geben. Und: die Diversität. Man hat Spieler aus vielen Regionen der Welt und mit völlig unterschiedlichen Körpertypen – vom 85-Kilo-Speedster bis zum 140-Kilo-Lineman. Jede Position ist fast eine eigene Sportart.

Gibt es Sportler*innen, die für Sie ein Vorbild sind?

Richard Sherman von den Seattle Seahawks. Die „Legion of Doom“ war groß, als ich angefangen habe, mich für Football zu interessieren. Er war immer mein sportliches Vorbild.

Auf welche Momente in Ihrer Karriere sind Sie besonders stolz?

Mein größtes Highlight war definitiv mein erster Touchdown in Ludwigsburg – darauf haben wir wirklich lange hingearbeitet. Letztes Jahr gab es gleich zwei besondere Momente: Zum einen das Spiel in Aalen beim Pink Bowl vor 4.500 Zuschauer*innen, in dem ich gestartet bin und sogar ein Forced Fumble hatte – also einen Spielzug, bei dem ich dem gegnerischen Ballträger den Ball aktiv aus der Hand schlagen konnte, sodass er frei wurde. Zum anderen mein erster Einlauf im Optima Sportpark in Schwäbisch Hall – vor heimischem Publikum, der eigene Name wird aufgerufen, 2.000 Leute feiern das. Auf solche Momente arbeitet man jahrelang hin.

Welche Eigenschaften braucht ein*e Footballspieler*in?

Disziplin – mit Abstand am wichtigsten. Die Saison geht fünf bis sechs Monate, und man muss Woche für Woche Leistung bringen. In der Offseason trainiert man drei bis vier Monate allein und muss sich körperlich vorbereiten: stark, schnell, stabil. In der Saison tut der Körper ab Woche zwei weh, aber man muss es trotzdem durchziehen.

Wie sieht eine typische Trainingswoche bei Ihnen aus? 

Montags habe ich ein Meeting zur Videoanalyse und gehe anschließend ins Gym. Dienstags steht Teamtraining auf dem Plan, bevor es mittwochs wieder mit einem Meeting und einer Einheit im Gym weitergeht. Donnerstags trainiere ich erneut mit dem Team, freitags habe ich frei. Am Wochenende trainiere ich sowohl samstags als auch sonntags, und alle zwei bis drei Wochen kommt zusätzlich ein Trainingscamp-Wochenende dazu, wenn kein Spiel ansteht.

Warum haben Sie sich für die HHN und den Studiengang Betriebswirtschaft und Unternehmensführung entschieden?


Ich komme aus Besigheim, also zwischen Stuttgart und Heilbronn. Vorher habe ich zwei Semester Wirtschaftsinformatik an der DHBW Stuttgart studiert, aber das duale Konzept hat mir nicht gefallen. Dann habe ich mich für BWL entschieden, weil mir das liegt und Spaß macht. Der Campus in Heilbronn ist außerdem einer der besten in Deutschland. Das gesamte Ökosystem dort – der Bildungscampus, die Kooperationen mit anderen Institutionen, die wirtschaftliche Entwicklung – ist super spannend. Ich habe nebenher bei Liebherr gearbeitet und wollte Teil dieses Umfelds sein.

Gab es konkrete Situationen, in denen Ihnen das Stipendium besonders geholfen hat?

Vor allem bei der Studienplanung. Jan Willner kümmert sich super um uns. Wenn man etwas braucht oder Schwierigkeiten hat, hilft er weiter. Ich bin noch nicht lange dabei, aber es gibt mir Anerkennung und das Gefühl, gesehen zu werden – gerade bei der Doppelbelastung aus Studium, Sport und teilweise Arbeit.

Gab es schon Situationen, in denen Ihnen das Stipendium geholfen hat?

Vor allem bei der Studienplanung. Jan Willner kümmert sich super um uns. Wenn man etwas braucht oder Schwierigkeiten hat, hilft er weiter. Ich bin noch nicht lange dabei, aber es gibt mir Anerkennung und das Gefühl, gesehen zu werden – gerade bei der Doppelbelastung aus Studium, Sport und teilweise Arbeit.

Was essen Sie gerne vor dem Training oder einem Wettkampf?

Vor dem Training meistens Reispudding – für die schnellen Kohlenhydrate. Vor dem Spiel esse ich seit drei bis vier Jahren immer zwei pinke Donuts von Lidl. Keine Ahnung warum, das hat sich so ergeben. Dazu ein Energy Drink. Drei bis vier Stunden vorher gibt es eine große Portion Nudeln, meist Spaghetti mit Tomatensoße.

Haben Sie ein mentales Ritual vor den Spielen? 

Ich laufe vor jedem Spiel barfuß über den Platz – zum Ankommen, zum Warmwerden, um die Gelenke und Muskeln vorzubereiten und um den Platz zu testen. Wie ist der Grip, ist der Rasen vielleicht noch nass? Das spürt man dabei sehr gut. Kurz vor dem Einlauf sitzt jeder in der Kabine, hört Musik, und dann geht’s gemeinsam raus.

Wo verbringen Sie auf dem Campus Heilbronn am liebsten Ihre Zeit?

Im Café auf dem Campus. Nach der Vorlesung oder nach der Mittagspause gehen wir dort oft hin, Kaffee trinken, quatschen – einfach ein netter Ort.

Sportlicher Lebenslauf

Luca Dirscherl spielt derzeit aufgrund eines Praktikumsaufenthalts in Berlin für die Berlin Rebels in der German Football League. Zuvor war er seit 2025 für die Schwäbisch Hall Unicorns aktiv, ebenfalls in der German Football League. Sein bislang größter Erfolg war das Erreichen des Viertelfinals bei der Deutschen Meisterschaft mit den Schwäbisch Hall Unicorns im Jahr 2025.

10 männliche und weibliche Studierende stehen gemeinsam mit Professorin Ruth Fleuchaus und Jan Willner vor einem Banner des Spitzensport Stipendiums der Heilbronner Hochschulen

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