Symbolbild Digitalisierung

KI kann medizinische Online-Texte verständlicher machen – Studie der HHN zeigt Potenzial und Grenzen

Amela Miftaroski, Absolventin des Bachelorstudiengangs Medizinische Informatik an der Hochschule Heilbronn und Erstautorin hat im Rahmen ihrer Abschlussarbeit eine Studie zur Lesbarkeit von KI-vereinfachten medizinischen Online-Artikeln durchgeführt.
red|06.02.2026

KI kann medizinische Online-Texte verständlicher machen – Studie der HHN zeigt Potenzial und Grenzen

  • Forschende der HHN veröffentlichen Studie zur Lesbarkeit durch KI-vereinfachte medizinische Online-Artikel.

  • Vier gängige Large Language Models (LLMs) getestet. Ergebnis: Lesbarkeit verbessert sich – Korrektheit bleibt zu hinterfragen.

Heilbronn, Februar 2026. Millionen Menschen suchen Gesundheitsinformationen im Internet – doch viele Texte sind für Laien nur schwer lesbar und unverständlich. Eine neue Studie von Forschenden der Hochschule Heilbronn zeigt auf: Künstliche Intelligenz kann helfen, medizinische Inhalte lesbarer zu machen. Die Verbesserungen sind jedoch moderat und sollten einer genauen fachlichen Prüfung unterzogen werden.

Amela Miftaroski, Absolventin des Bachelorstudiengangs Medizinische Informatik an der Hochschule Heilbronn und Erstautorin hat im Rahmen ihrer Abschlussarbeit eine Studie zur Lesbarkeit von KI-vereinfachten medizinischen Online-Artikeln durchgeführt, welche im internationalen Journal JMIR AI veröffentlicht wurde. „Die Publikation der Studie verdeutlicht, wie wir im Studiengang Medizinische Informatik an der Hochschule Heilbronn praxisnahe Forschung in die Lehre integrieren“, betont Dr. Monika Pobiruchin. „Dass eine Bachelorarbeit zu einer Veröffentlichung in einem internationalen Fachjournal führt, zeigt, dass bereits früh im Studium auf einem wissenschaftlich sehr hohen Niveau gearbeitet wird.“

Das Forschungsteam bestehend aus Amela Miftraoski, Dr. Richard Zowalla, Martin Wiesner und Dr. Monika Pobiruchin analysierte 60 medizinische Online-Artikel zu häufigen Erkrankungen und relevanten Gesundheitsthemen. Anschließend wurden die Texte mit vier großen Sprachmodellen, darunter ChatGPT und Microsoft Copilot, automatisch vereinfacht. Mithilfe etablierter Lesbarkeitsmaße wurde bewertet, wie gut die überarbeiteten Texte für Menschen ohne medizinischem Vorwissen verstanden werden können.

Die Ergebnisse zeigen: Die geprüften KI-Modelle konnten die Lesbarkeit insgesamt steigern. Besonders Microsoft Copilot erzielte deutliche Verbesserungen und erreichte bei der Hälfte der Texte das empfohlene Niveau der Mittelstufe. ChatGPT-3.5 lieferte ebenfalls gute Ergebnisse, während andere Modelle nur geringfügige Verbesserungen erzielten. Das von Expert*innen empfohlene Lesbarkeitsniveau, vergleichbar mit der 8. Klassenstufe, wurde jedoch insgesamt nur selten erreicht.

In diesem Zusammenhang macht Amela Miftaroski auf Risiken aufmerksam: „Einige KI-generierte Texte enthielten Ungenauigkeiten oder ließen wichtige Kontextinformationen weg, die im medizinischen Umfeld zu Missverständnissen oder Fehlinformationen führen können“. Diese Ungenauigkeiten zeigen, dass KI-Modelle ohne fachliche Begleitung schnell falsche oder kontextarme Inhalte erzeugen können. Für den privaten Einsatz, etwa wenn Laien selbst medizinische Texte mit KI vereinfachen möchten, ist die Methode daher nicht geeignet. Entsprechend betont die Nachwuchsforscherin: „Die KI kann die Texte vereinfachen, aber eine fachliche Überprüfung bleibt unerlässlich“.

Trotz dieser Einschränkungen sehen die Autor*innen großes Potenzial: „Große Sprachmodelle könnten Gesundheitseinrichtungen entlasten, indem sie erste Textentwürfe erstellen, die anschließend von Fachpersonen geprüft und finalisiert werden. So könnten langfristig mehr verständliche Gesundheitsinformationen für Bürger*innen verfügbar werden“, kommentiert Co-Autor Martin Wiesner.

Die Studie liefert damit wichtige Erkenntnisse darüber, wie KI-gestützte Systeme künftig zur Verbesserung der Gesundheitskompetenz beitragen können und dass weiterhin Vorsicht beim Umgang mit medizinischen Fragestellungen und großen Sprachmodellen geboten ist.

Die Veröffentlichung unterstreicht, dass die Studiengänge der Hochschule Heilbronn Forschung und Lehre wirkungsvoll verbinden und Studierende frühzeitig auf ihre berufliche Zukunft im wissenschaftlichen Umfeld vorbereiten.

Die publizierte Studie ist abrufbar unter https://ai.jmir.org/2026/1/e77149

Ansprechperson

Hochschule Heilbronn – Kompetenz in Technik, Wirtschaft und Informatik

Die Hochschule Heilbronn (HHN) ist eine der größten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg. Ihr Kompetenz-Schwerpunkt liegt in den Bereichen Technik, Wirtschaft und Informatik. An ihren vier Standorten in Heilbronn, Heilbronn-Sontheim, Künzelsau und Schwäbisch Hall bietet die HHN mehr als 60 zukunftsorientierte Bachelor- und Masterstudiengänge an, darunter auch berufsbegleitende Angebote. Die HHN bietet daneben noch weitere Studienmodelle an und pflegt enge Kooperationen mit Unternehmen aus der Region. Sie ist dadurch in Lehre, Forschung und Praxis sehr gut vernetzt. Das hauseigene Gründungszentrum unterstützt Studierende sowie Forschende zudem beim Lebensziel Unternehmertum.

Zeitungsstapel

Medieninformationen

    Hier finden Sie alle Pressemitteilungen des laufenden Jahres der Hochschule Heilbronn.

    Zur News

    Empfohlene Artikel

    Zuhörer*innen auf Stühlen schauen in Richtung einer Bühne
    Arbeitswelt von morgen schon heute gestalten: Herbstkonferenz der Gesellschaft für Arbeitswissenschaft an der HHN
    Künstliche Intelligenz, Mensch-Maschine-Interaktion, Fachkräftemangel – viele Faktoren beeinflussen die Arbeitswelt von morgen. Wie sie bestmöglich gestaltet werden kann, das war Thema auf der diesjährigen Herbstkonferenz der Gesellschaft für Arbeitswissenschaft e.V. in Kooperation mit der Hochschule Heilbronn.

    Aktuelle Artikel

    Internationale Auszeichnung für HHN-Forschung zur Zukunft der digitalen Authentifizierung
    Großer Erfolg für die Hochschule Heilbronn: Eine Studie zur Sicherheit digitaler Zugangsschlüssel wurde beim renommierten USENIX Security Symposium 2026 ausgezeichnet. Die Forschenden zeigen, dass viele Webseiten die neue Technologie noch nicht sicher genug einsetzen – und liefern zugleich kostenlose Werkzeuge zur Verbesserung.
    Auf einem Tisch steht eine Flasche aquaRömer Mineralwasser.
    Erfrischend regional: Hochschule Heilbronn und aquaRömer setzen Zusammenarbeit fort
    Die Hochschule Heilbronn und aquaRömer setzen ihre erfolgreiche Zusammenarbeit fort. Seit 2023 verbindet beide Partner die gemeinsame Verantwortung für Bildung, Wissenschaft und nachhaltige Entwicklung. aquaRömer sorgt an der HHN für einen konzentrierten und lebendigen Hochschulalltag – und stärkt damit die Region Heilbronn.
    IAT zu Besuch im Reallabor Longboarding
    Leipziger Spitzensport-Forschungsinstitut besucht Longboard-Labor der Hochschule Heilbronn
    Longboard Dancing & Freestyle wird erstmals wissenschaftlich systematisch an Hochschule Heilbronn erforscht und ist ein Pionierort für Forschung, Training und KI-Trickerkennung. Die Führung des Instituts für Angewandte Trainingswissenschaft in Leipzig informierte sich über die Heilbronner Forschung und Transfermöglichkeiten in den Spitzensport.