Das Bild zeigt Bastelmaterialien auf dem Tisch

Verpflichtendes letztes Kita-Jahr: Hochschule Heilbronn steuert Expertise zum Diskurs bei

Ein Expert*innenpanel des Kultusministeriums hat über die Einführung eines verpflichtenden und kostenfreien letzten Kitajahrs für Kinder in Baden-Württemberg beraten. HHN-Professor Joachim Fiebig hat die Diskussion mit seiner sozialwissenschaftlichen Expertise begleitet. 
Gila Hoch|06.08.2026

Verpflichtendes letztes Kita-Jahr: Hochschule Heilbronn steuert Expertise zum Diskurs bei

  • Professor Joachim Fiebig von der Hochschule Heilbronn ist Mitglied des Runden Tischs des Kultusministeriums in der Diskussion um ein verpflichtendes und kostenfreies letztes Kitajahr

 

Heilbronn, August 2026. Mit einem Runden Tisch läutete das Kultusministerium des Landes Baden-Württemberg den Auftakt zur Diskussion über ein verbindliches, kostenfreies Kita-Jahr ein. Mit dabei war Professor Joachim Fiebig, der an der Hochschule Heilbronn (HHN) am Standort Künzelsau in den Studiengängen Management und angewandte Psychologie im Sozialwesen sowie Betriebswirtschaft und Sozialmanagement lehrt. Die Fachgebiete des promovierten Sozialwissenschaftlers sind unter anderem Sozial- und Jugendhilfeplanung, frühkindliche Bildung und Betreuung sowie kommunale Sozialplanung und Sozialberichterstattung. Vor seiner Zeit an der Hochschule war er zehn Jahre beim KVJS-Landesjugendamt in verantwortlicher Position für den Bereich der frühkindlichen Bildung zuständig. Darüber hinaus war er Experte im Petitionsausschuss des Landtags Baden-Württemberg zum Thema „Neugestaltung der Finanzierung der frühkindlichen Bildung“.

Stärkung der Chancengleichheit Im Mittelpunkt der Diskussion am Runden Tisch im Kultusministerium in Stuttgart stand der Vorschlag eines verbindlichen und kostenfreien letzten Kita-Jahres zur Stärkung der Chancengerechtigkeit und zur Verbesserung des Übergangs von der Kindertagesbetreuung in die Grundschule. Die Teilnehmenden aus unterschiedlichen Verbänden und Institutionen begrüßten überwiegend das Ziel, bislang nicht oder nur unzureichend unterstützte Kinder intensiver zu fördern.

Bei der Vorgehensweise und der Priorisierung gebe es allerdings noch unterschiedliche Meinungen, wie Professor Fiebig erklärt: „Alle Beteiligten unterstützen die Zielsetzung des Kultusministeriums. Unterschiede bestehen aber in der Priorisierung: Die kommunale Seite möchte vor jeglichen weiteren Schritten rechtliche, finanzielle und organisatorische Fragen klären. Kirchliche, freie und private Träger verorten den Abstimmungsbedarf vor allem bei pädagogischen und operativen Fragestellungen, die jedoch im Rahmen des Runden Tisches bearbeitet werden könnten.“

Insbesondere bei der Finanzierung traten die unterschiedlichen Positionen von Land und Kommunen deutlich zutage. Die kommunale Seite äußerte Vorbehalte gegenüber dem Begriff „kostenfrei“, da sie befürchtet, dass das Land zwar die Elternbeiträge übernimmt, nicht jedoch die tatsächlich entstehenden Betriebskosten vollständig ausgleicht. Dagegen betonten Verbände und Träger, dass eine Verpflichtung zum Besuch allein keine Qualitätsverbesserung bewirke. Vielmehr seien gute Rahmenbedingungen, ausreichendes Personal, kleinere Gruppen sowie eine verbindliche Umsetzung des Orientierungsplans Baden-Württemberg entscheidend.

Professor Fiebig zog ein positives Fazit aus der Veranstaltung. Seine Position zur früheren Förderung werde von allen Teilnehmenden unterstützt: „Bei allen anderen fraglos relevanten Themen erhielt unsere Einschätzung, dass sozial benachteiligte Kinder deutlich früher Zugang zu Förderangeboten erhalten müssen, besonders große Zustimmung. Das zeigt, dass allen Beteiligten klar ist, dass mit der Initiative zwar ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung unternommen wird, sich der Blick aber definitiv nicht nur auf das letzte Kitajahr richten darf.“ Positiv hervorgehoben wurden die stärkere Verzahnung von Kita und Schule, die Verbesserung von Bildungs- und Teilhabechancen sowie die Möglichkeit, Kinder mit besonderem Förderbedarf besser zu erreichen.

Thema von weitreichender Relevanz

Thema von weitreichender Relevanz Zahlreiche OECD-Studien zeigen, dass sich soziale Benachteiligung durch die gesamte Bildungsbiografie zieht. Bereits die IGLU-Studie weist am Ende der Grundschulzeit auf erhebliche Bildungsunterschiede hin, die sich später auch in den PISA-Ergebnissen widerspiegeln. Da inzwischen mehr als ein Drittel der Kinder in Baden-Württemberg aus entsprechenden Risikolagen stammt, sind die Folgen längst nicht mehr nur individuell, sondern auch volkswirtschaftlich von größter Bedeutung. Wer bereits in der weiterführenden Bildung scheitert, wird auch keine Hochschule erreichen können – selbst dann nicht, wenn grundsätzlich Potenzial vorhanden wäre.

Professor Fiebig bringt seine Expertise und Erfahrung an der HHN in Studieninhalte rund um Management, Psychologie und Sozialwesen ein. Damit trägt er wesentlich zur Profilschärfung der Fakultät bei. Die Reinhold-Würth-Hochschule der HHN hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. Neben den bewährten deutsch- und englischsprachigen technischen Studiengängen sowie den vielfältigen Angeboten im Bereich der Betriebswirtschaftslehre wurde das Studienangebot im Bereich der anwendungsorientierten Sozialwirtschaft ausgebaut. Darüber hinaus wurden neue Professuren in den Bereichen Soziale Arbeit und Psychologie besetzt.

 

Ansprechperson

Hochschule Heilbronn – Kompetenz in Technik, Wirtschaft und Informatik

Die Hochschule Heilbronn (HHN) ist eine der größten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg. Ihr Kompetenz-Schwerpunkt liegt in den Bereichen Technik, Wirtschaft und Informatik. An ihren vier Standorten in Heilbronn, Heilbronn-Sontheim, Künzelsau und Schwäbisch Hall bietet die HHN mehr als 60 zukunftsorientierte Bachelor- und Masterstudiengänge an, darunter auch berufsbegleitende Angebote. Die HHN bietet daneben noch weitere Studienmodelle an und pflegt enge Kooperationen mit Unternehmen aus der Region. Sie ist dadurch in Lehre, Forschung und Praxis sehr gut vernetzt. Das hauseigene Gründungszentrum unterstützt Studierende sowie Forschende zudem beim Lebensziel Unternehmertum.