
Der Rechercheprozess
Auf den Spuren der Heilbronner Pionierin Liselotte Baum
Über mehrere Monate hinweg recherchierten Mitarbeiterinnen des Referats für Gleichstellung und Diversität der Hochschule Heilbronn zur Heilbronner Pionierin Liselotte Baum (1922-2015). Ziel war es, nicht nur ihre beruflichen Leistungen nachzuzeichnen, sondern auch die Frau hinter den Erfolgen sichtbar zu machen. Dafür wurden Gespräche mit Angehörigen, Wegbegleiter*innen, Zeitzeug*innen sowie Vertreter*innen verschiedener Institutionen geführt und historische Quellen ausgewertet.
Durch diese Recherchen entstand ein vielschichtiges Bild einer Frau, die ihren beruflichen Weg mit fachlicher Kompetenz, Beharrlichkeit und Menschlichkeit prägte.
Wir erhalten aktuell stetig weitere Hinweise zu Liselotte Baum sowie neue Kontakte zu Zeitzeug*innen. Daher befindet sich die Seite weiterhin im Aufbau und wird laufend mit neuen Materialien ergänzt.







Das Stadtarchiv als Ausgangspunkt der Recherche
Einen wichtigen Ausgangspunkt der Recherche bildete das Stadtarchiv Heilbronn. Dort erhielten wir die Möglichkeit, verschiedene Bestände zu Liselotte Baum einzusehen und fotografisch zu dokumentieren.
Dazu gehörten unter anderem zeitgeschichtliche Sammlungen mit Presseberichten und Dokumenten zu ihrem Wirken, historische Bauakten der ehemaligen Städtischen Krankenanstalten Heilbronn sowie archivierte Personalunterlagen aus ihrer Tätigkeit an den Heilbronner Kliniken. Diese Quellen lieferten wertvolle Einblicke in ihre berufliche Laufbahn und die öffentliche Wahrnehmung ihrer Arbeit.
Darüber hinaus führten wir ein Interview mit der Leiterin des Stadtarchivs, Miriam Eberlein. Darin erläutert sie die Aufgaben eines Stadtarchivs, berichtet über die Entstehung der Publikationsreihe „Heilbronner Köpfe“ und erklärt, weshalb die Dokumentation lokaler Persönlichkeiten für die Erinnerungskultur einer Stadt von Bedeutung ist.
Klaus Cantzler
Zu unseren Gesprächspartner*innen gehörte auch Liselotte Baums Großcousin Klaus Cantzler, Autor des biografischen Beitrags über Liselotte Baum im achten Band der Reihe „Heilbronner Köpfe“.
Der 95-Jährige nahm sich Zeit für ein ausführliches Gespräch mit uns und teilte zahlreiche Erinnerungen an seine Verwandte. Er schilderte sie als eine durchsetzungsstarke und zugleich fürsorgliche Persönlichkeit, die von ihren Mitarbeiter*innen geschätzt wurde. Neben ihrem beruflichen Werdegang sprach er über persönliche Erinnerungen und machte deutlich, welch hohen Stellenwert Liselotte Baum bis heute innerhalb der Familie besitzt.
Besonders spürbar war dabei sein Stolz auf die außergewöhnlichen Leistungen seiner Verwandten.
Interview mit Klaus Cantzler - Großcousin von Liselotte Baum
Interview mit Arno Baum - Neffe von Liselotte Baum
Ausschnitt mit Erzählungen zum Arbeitsklima in der Krankenhausapotheke in den städtischen Krankenanstalten, Heilbronn Jägerhaus
Arno Baum
Auch ihr Neffe Arno Baum teilte seine Erinnerungen mit uns und zeichnete ein besonders persönliches Bild seiner Tante Liselotte Baum.
Er berichtete von den Sommerferien seiner Kindheit, die er häufig bei Liselotte Baum verbrachte. Besonders lebhaft erinnerte er sich an Besuche im Jägerhaus, dem damaligen Krankenhaus mit der zugehörigen Apotheke, in der seine Tante tätig war. Dort durfte er sie bei ihrer Arbeit begleiten und erhielt Einblicke in die Herstellung von Arzneimitteln, Salben und Cremes. In seiner Erinnerung erschien sie dabei stets im weißen Arbeitskittel, während sie ihm geduldig erklärte, welche Mittel bei welchen Beschwerden eingesetzt wurden.
Darüber hinaus schilderte er Liselotte Baum als wissbegierige und engagierte Frau, die ihr Fachwissen gerne weitergab und Studierende unterrichtete. Gleichzeitig erinnerte er sich an sie als selbstbewusste, große und robuste Persönlichkeit mit einer offenen und lebensnahen Art.
Besonders eindrücklich war seine Schilderung ihrer Verbundenheit zu Griechenland. Liselotte Baum verbrachte dort regelmäßig Zeit und fühlte sich dem Land eng verbunden. Auch Arno Baum besuchte Ende der 1970er Jahre den Ort, den seine Tante so schätzte. Zum Zeitpunkt unseres Interviews hielt er sich selbst wieder dort auf.
Rita Hill
Durch die Vermittlung von Klaus Cantzler kamen wir mit Rita Hill ins Gespräch, die Liselotte Baum über viele Jahre hinweg eng begleitet hat. Da ein Großteil ihrer Familie nicht in Heilbronn lebte, wurde die Familie Hill zu einem wichtigen Teil ihres privaten Umfelds. Liselotte Baum war regelmäßig Gast bei Familienfeiern und pflegte einen engen Kontakt zu den Hills.
Frau Hill beschrieb sie als starke, selbstbewusste Persönlichkeit mit großer Lebenserfahrung und vielen Geschichten aus einem bewegten Leben. Gleichzeitig berichtete sie von Liselotte Baums Fähigkeit, berufliche und private Beziehungen langfristig zu pflegen. Auch nach ihrer Pensionierung hielt sie engen Kontakt zu ehemaligen Kolleginnen und Wegbegleiter*innen und organisierte regelmäßige Treffen.
Darüber hinaus konnte Frau Hill wertvolle Hinweise zu weiteren Quellen und Personen geben, die für die Recherche zu Liselotte Baum von Bedeutung waren. So verwies sie unter anderem auf mögliche persönliche Aufzeichnungen aus Liselotte Baums beruflichem Umfeld, die uns zu ihrer langjährigen Stellvertreterin in der Krankenhausapotheke führten.

Die junge Apothekerin
Liselotte Baum um 1955 in Frankfurt am Main
Quelle: Privatbesitz

Gespräch mit Dr. Paul-Anton Grathwohl - ehemaliger Kollege von Liselotte Baum am Heilbronner Klinikum
Paul-Anton Grathwohl & Roswitha Löffler
Ergänzt wurden diese privaten Perspektiven durch ein Interview mit dem ehemaligen Klinik-Mitarbeiter Dr. Paul-Anton Grathwohl. Er kannte Liselotte Baum persönlich und erinnerte sich an sie als eine „Apothekerin der alten Schule“: fachlich versiert, offen für Gespräche und den Menschen zugewandt.
Seine Erinnerungen zeichneten das Bild einer geschätzten Kollegin und Gastgeberin, die berufliche Autorität mit Herzlichkeit verband. Mit einem Schmunzeln berichtete er, dass wer bei ihr "vorstellig wurde" zur Begrüßung durchaus einmal einen Schnaps angeboten bekam.
Durch seine Hinweise konnten wir zudem Kontakt zu Roswitha Löffler aufnehmen, die uns freundlicherweise weitere Materialien zur Verfügung stellte. Dazu gehörten unter anderem die damalige Eröffnungsrede sowie der Einladungsflyer zur Aquarellausstellung von Liselotte Baum in der „Galerie am Gesundbrunnen“ im Jahr 2010. Diese Dokumente lieferten weitere wertvolle Einblicke in ihre Aktivitäten nach dem Ende ihrer beruflichen Laufbahn.
Die Gespräche mit Angehörigen, Wegbegleiter*innen und Zeitzeug*innen zeichnen das Bild einer außergewöhnlichen Frau, die berufliche Kompetenz, Führungsstärke und menschliche Wärme miteinander verband.
Ob als Apothekerin, Lehrende, Kollegin oder Familienmitglied: Liselotte Baum hinterließ bei vielen Menschen einen bleibenden Eindruck. Ihre Erinnerungen machen sichtbar, weshalb sie bis heute als prägende Persönlichkeit in Heilbronn in Erinnerung geblieben ist.
Unser Dank
Die Recherche zu Liselotte Baum wäre ohne die Unterstützung zahlreicher Personen und Institutionen nicht möglich gewesen.
Unser besonderer Dank gilt ihren Angehörigen, ehemaligen Kolleg*innen und Wegbegleiter*innen, die ihre Erinnerungen mit uns geteilt und ihre Zeit für Gespräche und Interviews zur Verfügung gestellt haben.
Stellvertretend danken wir Klaus Cantzler, Arno Baum, Rita Hill, Dr. Paul-Anton Grathwohl, Roswitha Löffler, Frau Schwarz, Frau Schwalb und Dr. Günther Hanke.
Ebenso bedanken wir uns beim Stadtarchiv Heilbronn, insbesondere bei Miriam Eberlein und ihrem Team, sowie bei den Kolleg*innen der Fakultät IT, des Studiengangs Medizinische Informatik, der Personalabteilung und der Kommunikations- und Marketingabteilung der Hochschule Heilbronn.
Durch ihre Unterstützung konnte das KI-Portrait von Liselotte Baum entstehen.