Student Dominik Ehrlich Mikroplastik Filter

Student der HHN entwickelt innovativen Filter gegen unsichtbare Straßenverschmutzung

Mit jedem gefahrenen Kilometer hinterlassen wir unsichtbare Spuren von Mikroplastik in der Natur. Dominik Ehrlich, Masterstudent im Research‑Master Maschinenbau an der HHN, entwickelte eine Lösung, die direkt am Fahrzeug ansetzt.

Maria Maroge|07.05.2026

Student der HHN entwickelt innovativen Filter gegen unsichtbare Straßenverschmutzung

  • Masterstudent der Hochschule Heilbronn erfindet ein fahrzeugintegriertes System, das Mikroplastik aus Reifenabrieb direkt während der Fahrt auffängt.

  • Die Arbeit entstand im Research-Master-Programm der HHN und erhält internationale wissenschaftliche Resonanz.

Heilbronn, Mai 2026. Wer Auto fährt, hinterlässt mehr als nur Abgase. Mit jedem Brems- und Beschleunigungsvorgang reiben sich winzige Partikel vom Reifen – Mikroplastik, das in Böden, Luft und Gewässer gelangt und dort kaum abzubauen ist. Masterstudent Dominik Ehrlich der Hochschule Heilbronn entwickelte im Forschungsprojekt Mikro-nix ein System, das genau diese Partikel bereits während der Fahrt auffängt.
Mithilfe hochauflösender Strömungsberechnungen simulierte der 26-jährige Maschinenbau-Student beispielhaft, wie sich Luft und Partikel rund um die Räder eines Audi A4 verhalten. Auf dieser Basis entwickelte er ein System aus drei Komponenten: einem Abscheidekanal, der direkt in die Fahrzeugstruktur integriert werden kann, einem maßgeschneiderten Filter sowie Ventilatoren, die Partikel gezielt ansaugen – straßentauglich und serienkompatibel.

Was passiert mit dem Mikroplastik unserer Reifen?

Ohne das System landen alle Mikroplastikpartikel aus dem Reifenabrieb in der Umwelt. Mit dem entwickelten System ändert sich das grundlegend: Bei 30 Kilometer pro Stunde erhöht die Ventilator-gestützte Ansaugung die Abscheiderate für die einatembaren Partikel in einem Filter von rund 3 Prozent auf über 40 Prozent – eine Steigerung um etwa das 14-Fache im Vergleich zu einer rein passiven Lösung. Das bedeutet: Ein erheblicher Teil dieses einatembaren Reifenabriebs wird direkt am Fahrzeug zurückgehalten. Möglich wird das durch Ventilatoren, die die Partikel aktiv ansaugen – und dafür Energie benötigen. Rund 500 Watt zusätzliche Leistung sind nötig, etwa vergleichbar mit einem Elektrofahrrad während der Fahrt. Für Autofahrer bedeutet das einen kleinen Kompromiss: Ein Elektroauto mit einer Reichweite von 100 Kilometern kommt mit diesem System im Stadtverkehr noch etwa 90 Kilometer weit. Bei 60 Kilometer pro Stunde fällt der Unterschied deutlich geringer aus – hier reduziert sich die Reichweite nur auf rund 96 Kilometer.

Technologie, die die Branche verändern könnte

Reifenabrieb gilt als relevante Quelle für Mikroplastik in der Umwelt, und das Problem wächst: Elektroautos sind schwerer, ihr Drehmoment höher – der Abrieb steigt. Die World Health Organization (WHO) fordert dringend Lösungen; Die EU reagiert darauf mit der Euro-7-Norm, die erstmals auch Reifenemissionen berücksichtigt. „Wir stehen vor einer großen Herausforderung für den Umwelt- und Gesundheitsschutz – und diese Arbeit zeigt, dass Lösungen für Reifenabrieb nicht länger Zukunftsmusik sind", sagt Jennifer Niessner, Professorin für Technische Physik und Strömungslehre an der Hochschule Heilbronn. „Gerade mit Blick auf die Verschärfung von Regulierungen könnten Technologien zum Einfangen von Reifen- und Bremsabrieb künftig zur Pflichtausstattung jedes Neuwagens gehören."

Die Fachwelt hat die Arbeit bereits wahrgenommen: Ein Artikel wurde beim renommierten, international peer-reviewten Journal Powder Technology eingereicht. Auf Einladung der Organisatoren präsentierte Dominik Ehrlich im März 2026 seine Ergebnisse mit Pitch und Poster beim International Tyre Colloquium in Kaiserslautern.

Hintergrund

Die Arbeit von Dominik Ehrlich entstand im Masterstudiengang Maschinenbau mit Schwerpunkt „Research" – einem Studienmodell der Hochschule Heilbronn, das besonders engagierten Studierenden ermöglicht, frühzeitig eigenständig auf internationalem wissenschaftlichem Niveau zu forschen. Im Unterschied zu klassischen Masterprogrammen steht hier ein eigenverantwortlich durchgeführtes Forschungsprojekt im Umfang von 30 ECTS über zwei Semester im Vordergrund, bei dem die gewonnenen Ergebnisse in einem wissenschaftlichen Fachartikel veröffentlicht werden. Das Programm richtet sich an Absolvent*innen, die eine Karriere in Forschung und Entwicklung anstreben oder den Weg zur Promotion einschlagen möchten.

Mikro-nix ist ein Forschungsprojekt der Hochschule Heilbronn, unterstützt von der Dieter Schwarz Stiftung.

Ansprechperson

Hochschule Heilbronn – Kompetenz in Technik, Wirtschaft und Informatik

Die Hochschule Heilbronn (HHN) ist eine der größten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg. Ihr Kompetenz-Schwerpunkt liegt in den Bereichen Technik, Wirtschaft und Informatik. An ihren vier Standorten in Heilbronn, Heilbronn-Sontheim, Künzelsau und Schwäbisch Hall bietet die HHN mehr als 60 zukunftsorientierte Bachelor- und Masterstudiengänge an, darunter auch berufsbegleitende Angebote. Die HHN bietet daneben noch weitere Studienmodelle an und pflegt enge Kooperationen mit Unternehmen aus der Region. Sie ist dadurch in Lehre, Forschung und Praxis sehr gut vernetzt. Das hauseigene Gründungszentrum unterstützt Studierende sowie Forschende zudem beim Lebensziel Unternehmertum.

M.A. Maria Maroge
M.A. Maria Maroge
Referentin Wissenschaftskommunkation und -transfer