
Die vorlesungsfreie Pfingstwoche nutzten 40 Studierende und acht Dozierende der Informatik-Fakultät der Hochschule Heilbronn, um eine Exkursion der ganz besonderen Art zu erleben. Für zwei Tage ging es mit dem Reisebus in die Schweiz nach Genf, um das CERN zu besuchen – die weltweit führende Forschungseinrichtung für Teilchenphysik und ein geschichtsträchtiger Ort in mehrfacher Hinsicht: Forschen dort Expert*innen an den wahrscheinlich komplexesten Experimenten der Welt, um zu verstehen, woraus Materie besteht und wie das Universum entstanden ist.

Die Besucher*innen erkundeten das CERN-Forschungsinstitut. Foto: HHN.
Zum Auftakt stand das „CERN Science Gateway“ auf dem Programm. Dort erkundeten die Studierenden eigenständig die markanten, futuristischen Röhrenbauten, in denen sich interaktive Ausstellungen rund um die Forschungsschwerpunkte am CERN befinden. In der Ausstellung „Discover CERN“ bspw. konnte die Gruppe physikalische Phänomene hautnah erleben – etwa mithilfe einer manuellen Wärmepumpe oder beim Blick auf den Querschnitt des Teilchenbeschleunigers aus dem ATLAS Experiment.
Weitere Stationen boten ebenso spannende Perspektiven: Ein Miniatur-Teilchenbeschleuniger demonstrierte die kontrollierte Bewegung von Protonen während an anderer Stelle eine immersive Installation das Konzept der Quantenphysik greifbar machte – hier wurden die Besucher*innen quasi selbst „zum Quantum“ und konnten Zustände gleichzeitig erleben und beeinflussen.

Querschnitt des Teilchenbeschleunigers aus dem ATLAS Experiment.
Ein besonderes Highlight war die exklusive Führung durch Markus Joos, der am CERN als Ingenieur tätig ist. Neben Einblicken in ausgewählte Exponate machte er in seinem Vortrag zum Thema „Computing am CERN“ deutlich, welche zentrale Rolle Informatik und Ingenieurwesen in der Forschung am CERN spielen. Tatsächlich stellen IT-Fachkräfte und Ingenieur*innen den größten Anteil der Mitarbeitenden – sie sorgen dafür, dass die komplexe Infrastruktur überhaupt funktioniert. Neben der Entwicklung des World Wide Web stellte Joos weitere Projekte vor, die am CERN entstanden sind oder mitentwickelt wurden. Darunter bekannte Open-Source-Software wie die Lernplattform „Moodle“ oder das ECAD-Programm „KiCad“, welches zur Entwicklung von Leiterplatten in der Elektronik verwendet wird.

Die Studierenden erhielten faszinierenden Einblicke in eine komplexe Materie.
An Exkursionstag zwei stand das offizielle Besucherprogramm im Mittelpunkt. In Kleingruppen erhielten die Studierenden Zugang zu hochsensiblen Bereichen – darunter die Antimaterie-Fabrik und eines der riesigen Rechenzentren. Dort wurde deutlich, welche Dimensionen die Forschung am CERN erreicht: Supraleitende Magnete, die Teilchen nahezu auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigen, aufwendige Vakuumsysteme zur Speicherung von Antimaterie und massive Dateninfrastrukturen mit Speicherkapazitäten von über einem Exabyte (mehr als eine Million Terabyte). Auch die globalen Datenströme zwischen dem CERN und zehntausenden Wissenschaftler*innen weltweit wurden anschaulich vermittelt und hinterließ großen Eindruck bei den Informatiker*innen. Ein weiterer symbolischer Höhepunkt: der Blick auf eines der bedeutendsten Dokumente der Informatikgeschichte – das Originalpapier zur Spezifikation des HTTP-Protokolls von Tim Berners-Lee.

Besucher*innen in einem Labor des CERN.
Zum Abschluss der Exkursion standen die beruflichen Perspektiven im Fokus. Bei einem gemeinsamen Mittagessen im „Big Bang Café“ sowie einem sich anschließenden Vortrag aus dem HR-Bereich, erfuhren die Studierenden mehr über Möglichkeiten für Praktika, Abschlussarbeiten, Summer Schools und Karrierewege am CERN.
Gut vorbereitet – und deutlich besser gekühlt als auf dem Hinweg – trat die Gruppe schließlich die Rückreise an. Mit kreativen Lösungen wie improvisierten Ventilatoren wurde diesmal für ein angenehmes Klima im Bus gesorgt. Die Exkursion zum CERN bot eine gelungene Mischung aus wissenschaftlichen Einblicken, praktischer Informatik und unvergesslichen Erlebnissen. Trotz hitziger Anreise bleibt vor allem eines in Erinnerung: eine rundum „coole“ Erfahrung, die Lust auf Wissenschaft und Forschung macht.
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