Frauen in der Wissenschaft
Interview mit Prof. Dr. phil. Elke Platz-Waury
Steckbrief
Name: | Dr. Elke Platz-Waury |
Alter: | 83 |
Akademischer Grad: | Prof. Dr. phil. |
Aktuelle berufliche Position: | Professorin im Ruhestand |
Fachbereich und Forschungsgebiet: | Tourismus und Internationale Betriebswirtschaft der Hochschule Heilbronn |
Forschungsschwerpunkte und Veröffentlichungen: | zu Drama und Theater – Literaturverfilmungen – vielfältige Veröffentlichungen zu hochschulpolitischen Fragen (Auszug im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek) |
Auszeichnungen und Preise: |
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Mitgliedschaft in wissenschaftlichen Vereinigungen oder Organisationen: |
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Inspirierende Personen oder Vorbilder: | Vorbilder waren meine Eltern, mein Doktorvater Prof. Dr. Erwin Wolff, Bundesministerin Edelgard Bulmahn, HRK-Vorsitzende a. D. Prof. Dr. Margret Wintermantel sowie die Wissenschaftsminister des Landes Baden-Württemberg Klaus von Trotha und Prof. Dr. Peter Frankenberg wegen ihrer Gesprächsbereitschaft auch zu kontroversen Themen |
Zitat(e) fürs Leben: | „Mische Dich ein und engagiere Dich für andere Menschen.“ „Tue, was in Deiner Macht steht, zur Änderung von Missständen!“ |

Interview
Würden Sie sich bitte kurz in eigenen Worten beschreiben?
Ich bin jemand der menschen- und weltoffen ist, ein hohes Durchsetzungsvermögen besitzt. Ich mag andere Menschen und sehe nicht gerne zu, wenn etwas schief geht. Ich engagiere mich gerne für meine Familie (Sohn und Enkel), freue mich über schöne Dinge: ein interessantes Buch – Klavier zu spielen, wenn ich Zeit habe – freundschaftliche Bewunderung für zeitgenössische Malerei und ihre Künstler – Blumen – und ich liebe das Leben!
Als ich 1980 an die Hochschule Heilbronn berufen wurde, war ich die einzige Professorin. Ich war jedoch nicht die erste Professorin der Hochschule Heilbronn. Vor mir war schon lange eine Kollegin an der Hochschule tätig. Als ich dann berufen wurde, freute sie sich wahnsinnig, ging dann aber bald in den Ruhestand. Und dann war ich hier "alleine" unter rund 95 männlichen Professoren.
Es dauerte eine ganze Weile, bis die nächste Kollegin an die Hochschule kam - Frau Rotraut Laun. Ich war in der Aula in Sontheim, als ein Kollege zu mir kam und sagte „Wir haben morgen Probevorträge und da ist eine Frau dabei.“ Ich sagte ihm, dass ich meine ganzen Lehrveranstaltungen absagen würde, um dabei zu sein. Sie war mit Abstand die Beste und kam auf Platz 1. Und ab da waren wir zu zweit. Bis heute verstehen wir uns gut. Sie war bei den Ingenieuren, ich bei den Betriebswirten. Immer, wenn sich eine Frau auf eine Professur bewarb, dann nahm eine von uns bei den Vorstellungsgesprächen und Probelehrveranstaltungen teil - quasi als Gleichstellungsbeauftragte, wenn man das so bezeichnen möchte. Diese gab es damals ja noch nicht.
Was ist Ihr akademischer/beruflicher Hintergrund?
Ich besuchte ein naturwissenschaftliches Gymnasium, kann auf längere Studienaufenthalte an der University of Edinburgh und der Sorbonne, Paris zurückblicken, erwarb vielfältige Kenntnis Europas als Inspizientin für Sprachschulen in einer Reihe europäischer Länder und halte Kontakt mit jungen Menschen, vor allem meinen Studierenden (teilweise bis heute).
Ich habe mich innerhalb meiner beruflichen Laufbahn irgendwann dazu entschieden, mich mehr um hochschulpolitische Dinge zu kümmern, als um die Wissenschaft. Ich habe gesehen, dass es Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen wie Sand am Meer gibt, während sinngemäß der politische Bereich noch unterversorgt war. Mir lagen stets die Themen Frauenförderung und Studierende am Herzen. Ich kam mit der Zeit in immer mehr Gremien rein und das war die Basis, um sich um die Gruppe der Studierenden besser kümmern zu können. Ich erhielt Zugang zu den Personen, die Verantwortung haben, wodurch mir dann vieles leichter fiel.
Zunächst hatte ich den Vorsitz im Verband Hochschule und Wissenschaft. Dann wurde ich Landesvorsitzende und am Ende sechs Jahre Bundesvorsitzende. Und als Landesvorsitzende hat man eben einen direkten Draht zum Ministerium, dort werden die Entscheidungen
getroffen, dort werden Gelder verteilt, dort wird über Stellen entschieden. Ich habe mich sozusagen Top-down von der Spitze nach unten gearbeitet. Andersherum, ist das sehr mühselig, kostet sehr viel Zeit und vor allem Kraft. Im Bundesministerium erhielt ich Kontakte, an denen ich anknüpfen konnte. Auf Landesebene gab es einige Mitstreiterinnen und so habe ich mit der späteren Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, Prof. Wintermantel, und fünf anderen Frauen, den Verband Baden-Württembergische Wissenschaftlerinnen (VBWW) gegründet.
Was hat Sie motiviert, sich für eine Karriere in der Wissenschaft/Forschung zu entscheiden?
Mich hat mein Studium der Anglistik und Romanistik (als Hauptfächer) sowie Pädagogik und Geschichte (als Nebenfächer) fasziniert. Da ich mit einem Stipendium der Hermann-von-Siemens-Stiftung studieren und promovieren durfte, konnte ich meine internationalen Neigungen pflegen. Da ich gerne die Literatur anderer Länder lese, lag es nahe, mich vertiefend zu qualifizieren.
Was inspiriert Sie, in Ihrem Fachbereich zu bleiben und weiterzumachen?
Ägypten vertiefen konnte, und die vielfältigen internationalen Kontakte und meine internationalen Kollegen sowie die vielfältigen Möglichkeiten der Horizonterweiterung durch die internationalen Begegnungen mit unseren Partnerhochschulen hat dazu geführt, dass ich in der Tourismusbetriebswirtschaft und Internationalen Betriebswirtschaft an der Hochschule Heilbronn geblieben bin.
Gibt es etwas, das Sie jetzt im Nachhinein anders machen würden?
Nein, wenn ich auf mein Leben zurückblicke, dann denke ich, dass ich mich sehr angestrengt, aber auch viel Hilfe bekommen habe. Mein Stipendium hat mir damals viele Türen geöffnet hat und gleichsam konnte ich auf Bundesebene anderen Türen öffnen.
Wenn ich zurückblicke, betrachte ich mein politisches Einbringen als wichtiger, als wenn ich mit meiner international orientierten, wissenschaftlichen Karriere weitergemacht hätte. Ich konnte mehr bewirken. Meine Veröffentlichungen von damals werden wohl jetzt in Antiquariaten verramscht ;). Aber die Menschen, um die ich mich intensiv gekümmert habe, die haben ihren Weg gemacht.
Eines würde ich noch anders machen: Ich würde mir mehr Zeit für mich selbst gönnen.
Was empfinden Sie als Ihren größten beruflichen Erfolg bisher? Worauf sind Sie stolz?
Ich bin stolz darauf, dass ich nach bestem Wissen und Gewissen meine Fähigkeiten für Andere nutzen konnte und genutzt habe. Ich habe mich um die Studierenden sehr gekümmert. Bis heute gratulieren mir manche noch zum Geburtstag.
Ich bin außerdem stolz darauf, dass andere anerkannt haben, wo ich mich eingebracht habe, sonst hätte ich das Bundesverdienstkreuz nicht bekommen. Da kann man sich nämlich nicht drauf bewerben. Ich habe mich eben so gut ich konnte engagiert.
Was ist eine Fähigkeit oder Eigenschaft, die Sie erst später in Ihrer Karriere erkannt haben und die Sie für wichtig halten?
Es ist wichtig gelegentlich etwas nachsichtiger mit Kollegen zu sein. Toleranz und Engagement sind mir wichtig.
Netzwerken ist überaus hilfreich. Ich war eine Netzwerkerin. Man muss nicht alleine kämpfen, man muss schauen wo die Menschen sind, die ähnlich denken, wie man selbst und einem gegebenenfalls helfen können. Auf diese Weise konnte ich das eine oder andere bewegen, auch an der HHN.
Es gibt Dinge, die kann man nicht beeinflussen, da muss man einfach Glück gehabt haben. Auf die gleiche Weise versuche ich das an meine Deutschlandstipendiatinnen zurückzugeben.
Was ist Ihr Rat an Frauen, die mit dem Gedanken spielen, eine Karriere in der Wissenschaft zu beginnen?
Man muss die Wissenschaft und seine Fachgebiete lieben und sich gerne an einer Hochschule vor allem für junge Menschen engagieren. Politische Aktivität reicht nicht, mann muss den Menschen an der Basis helfen.
Frauen müssen wir noch mehr fördern, wir sind da noch nicht am Ende der Fahnenstange angekommen. Die Chancen für junge Frauen sind heutzutage um einiges besser und in dem Bereich hat sich schon einiges getan. Als ich beispielsweise mein Abitur machte, wollte ich eigentlich in den Naturwissenschaften studieren,. Da es aber in der Chemie keine einzige Studentin gab, kam ich zu den Philologien. Und hier kann ich nur sagen: Vieles was einem erst als Problem erscheint, erweist sich später als nützlich. Deswegen darf man nicht gleich hinschmeißen. Um am Ball zu bleiben braucht man Geduld.
Manchmal muss man seine Scheuklappen absetzen, über den Tellerrand schauen, Interesse an anderen Menschen haben. Von diesen kann man einiges zurückbekommen, einiges lernen. Wenn man etwas bewegen möchte muss man Kontakte knüpfen und Kontakte pflegen.