08.01.2026, 4 Min. Lesezeit

Warum Einstein für das Quanteninternet entscheidend bleibt

Quanteninternet

Quantencomputer versprechen enorme Rechenleistung. Doch sobald sie nicht mehr allein arbeiten, sondern miteinander vernetzt sind – über große Distanzen, Glasfaser oder sogar per Satellit –, taucht ein Problem auf, das überraschend alt ist: Zeit ist relativ. Genau diese Erkenntnis von Albert Einstein wird für das Quanteninternet der Zukunft entscheidend.

Ein Forschungsteam um Javier Villalba-Díez an der Hochschule Heilbronn hat dafür eine neue mathematische Grundlage entwickelt. Sie beschreibt, wie Quanteninformation auch dann zuverlässig verarbeitet und übertragen werden kann, wenn in einem Netzwerk nicht überall dieselbe Zeit gilt – ein Szenario, das in realen technischen Systemen eher die Regel als die Ausnahme ist.

Wenn Quantencomputer nicht mehr im selben Takt arbeiten

In klassischen IT-Systemen wird häufig angenommen, dass alle beteiligten Rechner synchron laufen. In globalen Netzen ist das jedoch nicht der Fall. Signale benötigen unterschiedlich lange, Satelliten bewegen sich relativ zur Erde, Uhren gehen minimal auseinander. Beim Navigationssystem GPS müssen solche Effekte bereits heute berücksichtigt werden – andernfalls würde die Positionsbestimmung ungenau.

Für Quantencomputer ist diese Asynchronität besonders kritisch. Quanteninformation reagiert empfindlich auf Verzögerungen, Zeitverschiebungen und geometrische Effekte. Genau hier setzt das neue Modell aus Heilbronn an: Es zeigt, wie Quantenprozesse so beschrieben werden können, dass sie mit den Zeit- und Kausalitätsstrukturen der Relativitätstheorie vereinbar bleiben.

Eine gemeinsame Sprache für zwei große Theorien

Der wissenschaftliche Beitrag mit dem Titel Triangulated Relativistic Quantum Computation ist in der internationalen Fachzeitschrift Quantum Studies: Mathematics and Foundations erschienen. Sein Kern: eine präzise mathematische „Übersetzung“, die Quantenmechanik und Relativitätstheorie zusammenbringt – zwei Theorien, die lange als schwer vereinbar galten.

Damit wird erstmals systematisch beschrieben, wie Quanteninformation in Netzwerken verarbeitet werden kann, in denen Zeit relativ ist und Kausalität eine Rolle spielt. Das schafft eine wichtige Grundlage für zukünftige Technologien wie das Quanteninternet, satellitengestützte Quantenkommunikation oder hochpräzise Synchronisationssysteme.

Warum das mehr ist als theoretische Physik

Was zunächst abstrakt klingt, hat konkrete Auswirkungen. Viele Bereiche des Alltags hängen von exakter Zeit- und Signalverarbeitung ab: Navigation, sichere Kommunikation, stabile Netzwerke oder digitale Zahlungssysteme. Mit dem Einsatz von Quanten-Technologien werden diese Anforderungen weiter steigen.

Die Forschung aus Heilbronn liefert dafür ein wichtiges Puzzlestück: ein Modell, das Quanten-Systeme unter realistischen Bedingungen beschreibbar und simulierbar macht – inklusive Zeitverschiebungen, Verzögerungen und geometrischer Effekte.

Das Projekt entstand im Rahmen von Innovative Sonderprojekte im Bereich Forschung und Bildung 2025 und wurde von der Hochschule Heilbronn sowie der Dieter Schwarz Stiftung unterstützt.

Zur Publikation

Villalba-Díez, J., Ordieres-Meré, J. Triangulated relativistic quantum computation: a curvature-modulated unification of quantum and relativistic computing. Quantum Stud.: Math. Found. 13, 2 (2026).

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