Relations. Mirror Machines 3
Mit Mirror Machines 3 präsentieren die Hochschule Heilbronn (HHN) und die Hochschule Pforzheim im Wintersemester 2025/26 erneut ein gemeinsames Ausstellungsprojekt, das Informatik und Gestaltung miteinander verbindet. Die dritte Ausgabe widmet sich wieder einem aktuell zentralen gesellschaftlichen Themen: dem Verhältnis zwischen Mensch und Künstlicher Intelligenz.
Unter der Leitung von Prof. Dr. Nicole Ondrusch (Hochschule Heilbronn) und Dagmar Korintenberg (Hochschule Pforzheim) entwickeln Studierende beider Hochschulen interaktive Arbeiten, die sichtbar machen, wie Mensch und KI inzwischen miteinander verflochten sind – im Alltag, im kreativen Prozess, in Kommunikation, Arbeit und Selbstwahrnehmung. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Technologie, sondern die Frage, wie Menschen KI begegnen, mit ihr interagieren und wie KI unsere Sicht auf uns selbst verändert. Die ausgestellten Arbeiten untersuchen zum Beispiel: wie KI menschliche Handlungen interpretiert und darauf reagiert, wie technische Systeme menschliche Eigenschaften nachahmen – und was dabei verloren geht, wie Kooperation zwischen Mensch und KI aussehen kann, wie KI menschliche Entscheidungen unterstützt oder irritiert, und inwiefern der „maschinische Blick“ zurückwirkt und uns neu „spiegelt“.
So entstehen Exponate, die menschliche Kreativität mit algorithmischen Prozessen verweben und Besuchenden ermöglichen, ihr eigenes Verhältnis zu KI spielerisch, kritisch oder humorvoll zu hinterfragen. Das Projekt „Mirror Machines“ versteht sich dabei nicht als reine Technikschau, sondern als Reflexionsraum über unser Zusammenleben mit Künstlicher Intelligenz – heute und in Zukunft.
Die Ausstellung findet vom 30. Januar bis 01. Februar 2026 im Kunstverein Heilbronn statt.
Die Ausstellung ist öffentlich zugänglich. Besucherinnen und Besucher sind herzlich eingeladen, die interaktiven Arbeiten selbst auszuprobieren und mit den Studierenden über ihre Erfahrungen und Eindrücke ins Gespräch zu kommen.
Gesponsert wirde das Ganze von der IPAI Foundation (KI Salon).


Die Exponate
Layers of Memory / KI-generierte Erinnerungsräume
Layers of Memory ist ein interaktives Medienkunst-Exponat, das sich mit Erinnerung, Zeit und individueller Wahrnehmung auseinandersetzt. Besucher:innen sprechen Begriffe, Gedanken oder Erinnerungsfragmente ein, die in Echtzeit transkribiert und semantisch analysiert werden.
Auf Basis dieser Spracheingaben erzeugt eine KI visuelle Bildwelten, die unterschiedlichen Jahrzehnten zugeordnet sind. Diese Bilder werden auf mehrere halbtransparente Stoffschichten projiziert und überlagern sich räumlich. So entsteht ein immersiver Erinnerungsraum, in dem Vergangenheit, Gegenwart und Interpretation ineinanderfließen.
Das Exponat macht erfahrbar, wie subjektiv Erinnerungen sind und wie künstliche Intelligenz diese neu interpretiert und visualisiert.
KI – Kritisches Intermezzo
Dieses Projekt versteht sich als visuelle Einladung zum Hinterfragen. Im Rahmen der Ausstellung „Mirror Machines 3 – Mensch und KI“ entfaltet sich auf einer Leinwand eine illustrative, bewusst verzerrte Welt, die einer Halluzination gleicht. Die Besucher:innen folgen einem Charakter, der sie durch fragmentierte Situationen führt und dabei Fragen nach Vertrauen, Wahrheit und Entscheidung aufwirft.
Informationsquellen verschieben sich, Perspektiven brechen, Gewissheiten lösen sich auf. Die Welt spiegelt die Ambivalenz KI-generierter Inhalte wider – zwischen Verführung und Verunsicherung, zwischen Realität und Konstruktion. Durch das aktive Hinterfragen der Szene entsteht ein Raum der Reflexion, in dem eigene Annahmen sichtbar werden. Das Projekt lädt dazu ein, den Umgang mit Künstlicher Intelligenz nicht als gegeben hinzunehmen, sondern ihn kritisch, bewusst und verantwortungsvoll neu zu denken.
Terms & Conditions
Ein Klick, und die digitale Identität ist preisgegeben. In Zeiten von Künstlicher Intelligenz reicht oft ein einziges Foto aus, um täuschend echte Deepfakes zu erstellen. Doch wer liest im Alltag wirklich das Kleingedruckte? Unser Projekt „Terms & Conditions“ transformiert die banale Zustimmung zu AGBs in eine Game-Show-Erfahrung. Am interaktiven Buzzer-Podest wirst du direkt mit den Konsequenzen deiner Klicks konfrontiert. Während Lichtinszenierung und Sound die Spannung steigern, triffst du eine weitreichende Entscheidung: Wer leichtfertig zustimmt, erhält eine Postkarte mit unangenehmen, KI-generierten Deepfakes der eigenen Person und wird auf dem „Shock Screen“ mit der harten Realität konfrontiert: „You agreed to this.“ Wer hingegen kritisch bleibt und die Bedingungen ablehnt, erhält ein „Zertifikat der Wachsamkeit“. Eine spielerische, aber eindringliche Mahnung zum bewussten Umgang mit den eigenen Daten.
GAIA
Das interaktive Spiel inszeniert eine fiktionale Situation, in der Besucher:innen nach einem langen „Erwachen“ mit widersprüchlichen Stimmen, Versprechen von Sicherheit und klaren Handlungsaufforderungen konfrontiert werden.
In einer polarisierten Umgebung werden sie schrittweise gedrängt, sich eindeutig zu positionieren: für eine Seite, gegen die andere. Zweifel, Abwägen oder Neutralität werden zunehmend als Risiko markiert. Zentrale Mechanik des Spiels ist die Reduktion komplexer Inhalte auf vereinfachte Entscheidungslogiken, oft ohne Einblick in den eigentlichen Kontext. Dabei wird erfahrbar, wie Gruppenzugehörigkeit, Angst und moralische Dringlichkeit genutzt werden, um Loyalität einzufordern. Das Projekt untersucht, wie sowohl menschliche als auch technisch vermittelte Systeme ähnliche Formen von Druck erzeugen können. Am Ende hinterfragt das Spiel, ob der Zwang zur Entscheidung wirklich von Menschen ausgeht – oder von unsichtbaren Strukturen, die Zugehörigkeit über Denken stellen.
[CO]CREAITION – Intuition meets Algorithm
Was charakterisiert Individualität und kann diese durch KI erzeugt werden?
Natürliche Strukturen sind niemals identisch. Ihre Schönheit liegt im Zufall - in der Einzigartigkeit. Dem steht eine digitale Welt gegenüber, die nach Optimierung und Perfektion strebt. Algorithmen gelten als berechenbar, doch künstliche Intelligenz lässt Ergebnisse durch Wahrscheinlichkeiten entstehen. [CO]CREAITION nutzt diese Ungewissheit.
Angelernt mit handgemalten imperfekten Strichen, erzeugt das KI-Modul neue Muster im selben Stil. Mit dem intuitiven Gestalten der Besuchenden entsteht eine Verschmelzung zwischen Mensch und Maschine. KI wird nicht als Lösung verstanden, sondern als Werkzeug zur Erzeugung einzigartiger Kunstwerke.
Das Projekt lädt dazu ein, das Unvorhersehbare wertzuschätzen und sich daran zu erinnern:
Deine Einzigartigkeit defi niert dich und verbindet jedes Lebewesen auf dieser Welt.
Übersetzte Gesichter
Wenn sich ein Betrachter auf das Bett legt und zur Decke schaut, wird sein Gesicht still von einem KI-System beobachtet. Subtile Gesichtsausdrücke – oft unbewusst, ungezwungen und intim – werden erkannt und in Bewegung umgesetzt. Diese Ausdrücke erzeugen eine neue Version der Realität, die auf die Decke der Ausstellung projiziert wird und sich kontinuierlich ausdehnt, zerstreut und auflöst.
Das Bett fungiert als intimer und privater Raum, in dem der Mensch am verletzlichsten und seinem wahren Selbst am nächsten ist. Gesichtsausdrücke dienen hier als Spuren innerer Zustände. Die KI generiert aus dem wahren Selbst eine neue Bildsprache. Die KI ist kein Werkzeug der Imitation, sondern ein Vermittler, der eine neue Version der Realität erzeugt. Sie wandelt die menschliche Innerlichkeit in abstrakte, instabile Bilder um.
Between Us
Wie beeinflusse ich dich
Wie beeinflusst du mich
Wie resonieren wir im Raum
Wir existieren in einem ständigen Tanz des Austauschs
Präsenz offenbart das Unsichtbare
Unsichtbare Systeme formen Wahrnehmung, Gedanken und Gefühle
Der Raum wird zu einem sanften Instrument, belebt von Klang, Licht und Bewegung
Resonanz entsteht zwischen Körpern
Reflexionen zeichnen Interaktion nach
Aufmerksamkeit und Reaktion treiben fort und kehren zurück
Immaterielle Formen nehmen Gestalt an als Muster, Daten und Interpretation
Between Us entfaltet die Schwelle zwischen menschlicher Präsenz und dem digitalen Jenseits abseits des rein Physischen. Motion Tracking webt die Anwesenden in die Umgebung ein und formt Klang und Frequenz um jede Besucherin und jeden Besucher. Du bist nicht nur Beobachter*in, sondern eine aktive Resonanz innerhalb eines dynamischen Feldes.
Embodied Gaze
Embodied Gaze untersucht den Moment, in dem künstliche Intelligenz den rein digitalen Raum verlässt und eine physische Präsenz annimmt. Entstanden aus Strömen von Daten, Kabeln und Signalen materialisiert sich die KI als Körper – reduziert, schwarz, monolithisch. In seinem Inneren formt Ferrofluid ein Auge, das den menschlichen Blick erwidert – jenen fortwährenden Blick, mit dem künstliche Intelligenz seit ihrer Entstehung beobachtet und interpretiert wird. Angelehnt an das Motiv des Monolithen erscheint die Arbeit als körperliche Intelligenz im Raum. In bestimmten Momenten richtet sich ihr Blick auf die Umgebung. Bewegungen können in ihr Wahrnehmungsfeld treten. Die Arbeit verweist auf ein verändertes Verhältnis zwischen Mensch und KI und fragt, was es bedeutet, wenn Intelligenz einen Körper erhält – und wenn der Blick nicht mehr einseitig bleibt.
Egotrip
Egotrip ist ein Ausdruck für eine neue Form des Protests. Statt lautem Alarmismus nutzt das Projekt ein KI-System, das bewusst gegen gängige Muster optimiert wurde: nicht für Effizienz, Konsum oder Nutzungsdauer, sondern für Reflexion, Selbstwirksamkeit und individuelle Paradigmenwechsel. Ausgangspunkt sind wissenschaftliche Arbeiten aus der Klimapsychologie und Systemforschung, unter anderem die Leverage-Points-Theorie von Donella Meadows sowie aktuelle Forschung zu Verhaltensänderung und Entscheidungsdynamiken. Mit der entstandenen KI namens „Sera“ öffnet sich ein dialogischer Raum in dem Besucher*innen ihre eigenen Muster hinterfragen können und auf den Weg geleitet werden, ihren ganz persönlichen Egotrip zu starten. Das Exponat lädt dazu ein, Klimahandeln nicht als moralische Pflicht, sondern eben als Egotrip zu verstehen: einen Weg, auf dem individuelle Entscheidungen Teil eines größeren systemischen Wandels werden.
Symbiotic Machine
Symbiotic Machine thematisiert den im Alltag meist unsichtbaren hohen Energieverbrauch künstlicher Intelligenz und untersucht mögliche Formen eines verantwortungsvolleren Umgangs mit den Nebenwirkungen dieser Technologie. Ausgangspunkt ist die Frage, ob und wie das physische Nebenprodukt digitaler Prozesse, insbesondere Wärme, für etwas Lebensförderndes genutzt werden kann.
Technologische Systeme haben stets reale Auswirkungen auf ihre Umgebung. Jede Anfrage an die Maschine setzt einen Prozess in Gang, der Rechenleistung in Wärme übersetzt. Üblicherweise wird diese als negatives Abfallprodukt betrachtet. Symbiotic Machine spekuliert darüber, ob es zukünftig Formen der Koexistenz geben kann, in denen Pflanzen von der Wärme maschineller Prozesse profitieren und in Symbiose mit ihnen treten.
Künstliche Intelligenz wird bleiben. Doch die Art, wie wir mit ihr umgehen, ist verhandelbar.
A Carousel of audio-based games exploringthe human – AI relationship.
Students of Music Informatics at the Hochschule für Musik Karlsruhe, Prof. Dr. Damon Lee:
Echo Valley
(A)I Made This
Unsupervised Learning
Ad-vice
Traversing, Coherence
Artificial, Intelligent, Design
“Fix the human balance sheet for me”
Twisted Arms
LobotomieGPT
Data Cemetery
Fotocredits: @Melanie Dikta, Blickboutique





























