"Eine Uni - ein Buch" an der HHN

Über das Projekt
Der Stifterverband und die Klaus Tschira Stiftung haben 2022 in Kooperation mit dem ZEIT Verakg zum siebten Mal das Programm "Eine Uni - ein Buch" ausgeschrieben. Die Idee dahinter: die Hochschule bestimmt ein Buch über das geredet und debattiert werden soll. DIe Hochschulangehörigen sollen untereinander, aber auch mit der Zivilgesellschaft ins Gespräch kommen - gelebte Campuskultur ist das Ziel!
Unter der Projektleitung von Dr. Melanie Gish und Miriam Leist wurde zunächst die Buchauswahl angestoßen, alle Hochschulangehörigen waren aufgerufen ihre Buchvorschläge einzureichen.
Die Auswahljury, welche sich aus Studierenden, Professor*innen, Mitarbeiter*innen und Externen zusammensetzte, hat sich im Dezember 2022 unter dem Vorsitz von Rektor Prof. Dr.-Ing. Oliver Lenzen, für das Buch "Klara und die Sonne" von Kazuo Ishiguro entschieden. Das eingereichte Konzept war erfolgreich und die HHN beschäftigt sich ab dem Wintersemester 2023/2024 in verschiedenen Formaten mit dem Buch und den damit zusammenhängenden Themen.

Über dasBuch
"Klara und die Sonne" spielt in einer Zukunft, in der Künstliche Intelligenz (KI) lange ihren Weg in den Alltag gefunden hat - Kinder leben mit künstlichen Freunden und wachsen weitestgehend isoliert von ihren Altersgenossen auf. Gesellschaftliche Aufstiegsmöglichkeiten sind genmodifizierten Kindern vorbehalten.
Der Roman erzählt aus der Sicht der künstlichen Freundin Klara, die bei ihrer Menschenfreundin Josie aufwächst. Josie ist durch die Genmodifizierung schwer krank, ihre ältere Schwester Sal ist an deren Folgen bereits vor Beginn der Erzählung verstorben. Klara hat die Hoffnung und den Glauben, dass Josie mit Hilfe der Kraft der Sonne geheilt werden kann.
Im Verlauf des Buches stellt sich heraus, dass Josies Mutter aus Klara eine Kopie ihrer Tochter fertigen möchte, um nicht noch einen Verlust zu ertragen. Was im ersten Moment erschreckend absurd erscheint, ist bei näherer Betrachtungsweise gar nicht so abwegig – Klaras Erzähl- und „Denk“weise erscheinen oft am menschlichsten und man vergisst beim Lesen stellenweise, dass hier eine KI die Rolle der Erzählerin übernommen hat.
Der Roman von Kazuo Ishiguro regt zum Nachdenken an und wirft interessante Fragen im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung von KI, die weit über technische und juristische Fragestellungen hinausgehen und zu kontroversen Diskussionen einladen: Können wir auch auf emotionaler Ebene, in Freundschaften und Familienverbänden einfach ersetzt oder ausgetauscht werden? Sind künstliche Freundschaften vielleicht sogar erstrebenswert bzw. was wird uns zukünftig von lernfähiger KI unterscheiden?
Wie Ishiguros Roman möchte die Hochschule Heilbronn das Thema KI von dieser anderen Seite beleuchten und in den Dialog treten, mit Hochschulangehörigen, Kooperationspartnern und Bürgerinnen und Bürgern. Neben gängigen Formaten wie Lesekreisen und Diskussionen wird es unter anderem eine literarische Schreibwerkstatt für Studierende sowie einen Zeichenkurs mit Schülerinnen und Schülern geben, die das „Blasenspiel“ aus dem Buch künstlerisch aufarbeiten und anschließend in einer Vernissage ihre Werke ausstellen. Zudem binden wir Aspekte des Buches in unsere jährlich stattfindende Ethiktagung und weitere Veranstaltungsformate ein.