Professor Tobias Bernecker (rechts) mit Winfried Hermann MdL, Minister für Verkehr des Landes (links).Baden-Württemberg.

Zukunftsperspektiven für den Güterverkehr

|09.07.2020

Heilbronn, Juli 2020. Der zu erwartende starke Anstieg des Güterverkehrs in den kommenden Jahren erfordert kreative Antworten. Neben einer guten Verkehrsinfrastruktur spielen Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Vernetzung dabei die entscheidende Rolle: „Die Entwicklung einer tragfähigen Zukunftsperspektive für den Güterverkehr gelingt am besten über die Berücksichtigung aller wichtigen Akteure, anstatt sich nur auf die Transportwirtschaft zu konzentrieren“, fasst Prof. Dr. Tobias Bernecker, Forschungsprofessor für Verkehrslogistik und nachhaltige Mobilität an der Hochschule Heilbronn und Projektkoordinator für das Güterverkehrskonzept Baden-Württemberg, die gewählte Vorgehensweise zusammen. Der in Stuttgart durch Verkehrsminister Winfried Hermann MdL vorgestellte Schlussbericht beleuchtet die Herausforderungen, die es auf diesem Weg zu bewältigen gilt und zeigt eine Vielzahl an Lösungsvorschlägen für das Land Baden-Württemberg auf.

Im Auftrag des baden-württembergischen Verkehrsministeriums forschte das Kompetenzzentrum LOGWERT an der Hochschule Heilbronn seit Sommer 2018 gemeinsam mit den Projektpartnern SSP Consult, Railistics, Fraunhofer IAO, SLN Sinsheim, IVK Röhling und IKEM an einer Gesamtkonzeption und an konkreten Einzelmaßnahmen. „Die Hochschule Heilbronn zeichnet dabei neben der Projektkoordination schwerpunktmäßig für die Themen Digitalisierung, alternative Antriebe, Infrastrukturmaßnahmen auf Straße und Schiene und den Kombinierten Verkehr verantwortlich“, erklärt Bernecker.

Umfangreiches Beteiligungskonzept

Eine besondere Stärke des Güterverkehrskonzepts Baden-Württemberg sind die durchgeführten Beteiligungsformate. In acht Vernetzungsforen wirkten insgesamt mehr als 200 Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verbänden und Kommunen an der Erarbeitung mit. „Die Vernetzung und Einbindung zahlreicher Unternehmen sehe ich als eine hervorragende Basis für das Güterverkehrskonzept Baden-Württemberg“, bilanziert Artin Adjemian (IHK Rhein-Neckar) für die baden-württembergischen Industrie- und Handelskammern den Erfolg dieser Veranstaltungen.

Die Workshops in Ehingen (Donau), Heilbronn und Weil am Rhein dienten dazu, regionale Problemstellungen, Themenschwerpunkte und Lösungsansätze aufzugreifen. Heilbronn diskutierte zum Beispiel schwerpunktmäßig über die Umstellung auf alternative Lkw-Antriebe. In Reutlingen, Ulm und Ludwigsburg standen Zukunftsbilder für die städtische Logistik im Vordergrund. In Mannheim standen die Binnenschifffahrt und die Häfen im Land und in Ravensburg der Bereich Schwertransporte im Fokus.

Gestaltungsfelder für den Güterverkehr

Dreh- und Angelpunkt der erarbeiteten Ergebnisse im Güterverkehrskonzept Baden-Württemberg sind die fünf Gestaltungfelder Infrastruktur, Organisation, Wettbewerb, Innovationen und Vernetzung.

Auf dem Gestaltungsfeld Infrastruktur zeigt das Güterverkehrskonzept, wie durch zusätzliche Überhol- und Abstellgleise und durch die Elektrifizierung weiterer Schienenstrecken im Land Engpässe für den Schienengüterverkehr beseitigt werden können. Auch ein weiterer Ausbau der Terminals für den Kombinierten Verkehr wird für erforderlich gehalten. Wichtige Ausbau- und Erhaltungsmaßnahmen des Bundesverkehrswegeplans 2030 mit Landesbezug und Vorhaben an Landesstraßen schaffen gleichzeitig die erforderlichen Kapazitäten für den Güterverkehr auf der Straße.

Die Modernisierung der Bundeswasserstraße Neckar bildet eine wesentliche Grundlage für Wachstum bei der Binnenschifffahrt.

Das Gestaltungsfeld Organisation umfasst unter anderem die Einrichtung zusätzlicher Lkw-Stellplätze an Autobahnen und die volle Nutzung der Potenziale von Lastenrädern in den Städten, aber auch einen zu den Aufkommensschwerpunkten im Güterverkehr passenden Ausbau von Tank- und Lademöglichkeiten für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben. Im Gestaltungsfeld Wettbewerb werden Vorschläge gemacht, wie die Arbeitsteilung zwischen den Verkehrsträgern sichergestellt und verbessert werden kann. Besonders groß ist das Spektrum an empfohlenen Maßnahmen im Feld Innovation.

Es reicht von alternativen Antrieben über eine Perspektive für das autonome Fahren auf Straße und Schiene bis hin zum verpflichtenden Einsatz von Lkw-Fahrerassistenzsystemen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit. Die Verstetigung der Vernetzungsforen aus dem Güterverkehrskonzept Baden-Württemberg und die Einrichtung eines Kümmerers für die Belange des Schienengüterverkehrs sind Beispiele aus dem Gestaltungsfeld Vernetzung.

Fortgang des Güterverkehrskonzepts Baden-Württemberg

Mit dem Güterverkehrskonzept Baden-Württemberg ist es dem Projektkonsortium gelungen, eine Vielzahl an aussichtsreichen Maßnahmen zu erarbeiten. „Die umfassende und zielführende Ausarbeitung der Gutachter muss der Startschuss für einen Diskussionsprozess zu konkreten Maßnahmen sein, wie wir den Güterverkehr in unserem Land zukünftig gestalten wollen“, so Verkehrsminister Winfried Hermann. Die Vorstellung des Güterverkehrskonzepts Baden-Württemberg soll daher auch den Auftakt für einen übergreifenden Diskussionsprozess zur Umsetzung der empfohlenen Maßnahmen bilden.

Zum Bild: Forschungsprofessor für Verkehrslogistik und nachhaltige Mobilität an der Hochschule Heilbronn, Prof. Dr. Tobias Bernecker (links) und Winfried Hermann MdL, Minister für Verkehr des Landes Baden-Württemberg (rechts). Foto: Ministerium für Verkehr des Landes Baden-Württemberg.

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Mit ca. 8.200 Studierenden ist die Hochschule Heilbronn eine der größten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg. Ihr Kompetenz-Schwerpunkt liegt auf den Bereichen Technik, Wirtschaft und Informatik. An vier Standorten in Heilbronn, Heilbronn-Sontheim, Künzelsau und Schwäbisch Hall bietet die Hochschule mehr als 50 Bachelor- und Masterstudiengänge an. Die Hochschule pflegt enge Kooperationen mit Unternehmen aus der Region und ist dadurch in Lehre, Forschung und Praxis gut vernetzt.

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