Ein Gruppenfoto der Teilnehmer an der Georgien Exkursion im Jahr 2019

Wineweek 2019: Georgienexkursion

|29.05.2020

Montag, 10.6. Tiflis

Rundgang / Besichtigung Tiflis

Am Vormittag nach der Ankunft wurde zunächst zur allgemeinen Orientierung unter sachkundiger örtlicher Führung ein Rundgang durch die Altstadt von Tiflis unternommen. Dabei wurden die verschiedenen kulturellen Einflüsse in der Geschichte deutlich. In Tiflis leben bis heute orthodoxe und katholische Christen sowie Menschen jüdischen Glaubens und Moslems zusammen. Die zahlreichen unterschiedlichen Kirchen, Tempel und Moscheen zeugen davon.

Nachmittags stand ein Besuch bei Sarajishvili Brandy auf dem Programm. Die Firma wurde 1887 von David Sarajishvili gegründet. Die Sarjishvili Brandys wurden um die 1900 bei zahlreichen internationalen Wettbewerben mit Auszeichnungen bedacht und begründeten den guten Ruf, den vor allem georgische Weinbrände bis heute haben. Während der kommunistischen Phase wurde die Firma verstaatlicht, 1994 wurde sie reprivatisiert und produziert heute vor allem Weinbrände nach Cognac-Vorbild. Die Grundweine für die Destillate kommen aus ganz Georgien, vor allem aber aus Kachetien. In der Schatzkammer findet sich ein ansehnlicher Vorrat gereifter Brände von vor 1900. Hauptabsatzgebiete sind die Länder der ehemaligen Sowjetunion.

Im Jahre 1884 gründete David Sarajishvili das heutige Traditionsunternehmen Sarajishvili in Tbilisi, der Hauptstadt von Georgien. Er studierte Chemie in St. Petersburg, München und Heidelberg, wo er dann auch promovierte. Auf Studienreisen erlernte er in Frankreich das Veredeln der Weine und wendete dieses Knowhow in Georgien.

Die ersten Erzeugnisse kamen im Jahre 1887 auf den Markt. Sarajishvili war derjenige, der die erste klassische Brandy-Herstellungstechnologie in Georgien etablierte und Cognac herstellte. Sarajishvili hat nicht nur die europäischen Weinbereitungstechnologien in Georgien etabliert, sondern er untersuchte auch die Böden im Land um die besten Reben-Standorte zu finden.

In den Jahren 1889-1912 waren die Produkte international sehr erfolgreich. Auf Ausstellungen in Brüssel, Chicago und Paris wurde der Betrieb mit einigen Goldmedaillen belohnt. Im Jahr 1913 bekam Sarajishvili den Titel des Lieferanten des Hauses des russischen Kaisers.

Durch eine unheilbare Krankheit starb David Sarajishvili im Jahr 1911. Der Philanthrop David investierte den größten Teil seines 3 Millionen Eigentums im eigenen Land. Er gründete zum Beispiel Schulen, Kliniken und andere akademische Institutionen. Nach dem Tod setzte seine Frau die Cognacproduktion fort.

Während der Sowjetzeit waren die Erzeugnisse von Sarajishvili auf dem Markt innerhalb der sowjetischen Grenzen beschränkt. Der Name des Unternehmens wurde in dieser Zeit in „Tbilisi Brandy Fabrik“ geändert. Allerdings wurde die Entwicklungsgeschwindigkeit nicht verringert. Ab 1994 wurde das Unternehmen reprivatisiert und auf Initiative des neuen Eigentümers wurde der Name Sarajishvili an die Gesellschaft zurückgegeben.

Die Produktion des "Sarajishvili House" wurde mit mehr als 250 Preisen auf internationalen Ausstellungen ausgezeichnet, darunter 6 Super-Großpreise, 35 Großpreise, 1 Doppelgold, 1 großes Gold und 155 Goldmedaillen. Dank dieser Auszeichnungen wurde das "Sarajishvili House" nicht nur auf dem lokalen, sondern auch auf dem internationalen Markt anerkannt. Heute wird der Sarajishvili Brandy in etwa zwanzig Länder auf vier Kontinenten exportiert.

Unendliche kreative Suche, Professionalität, Hingabe an das Geschäft und das Streben nach Fortschritt sind die Hauptmerkmale eines der besten georgischen Weinbrandproduzenten - "Sarajishvili House".

https://www.sarajishvili.com/company-en

Dienstag, 11.6. Umgebung Tiflis

Am zweiten Tag ging die Fahrt in das knapp 30 Kilometer entfernte Mtsketa – der alten Hauptstadt Georgiens am Zusammenfluss von Aragvi und Mktvari. Die Region mit ihren zahlreichen alten Kirchen und Klöstern ist Teil des UNESCO Welterbes. Sie ist eines der geistlichen Zentren Georgiens und gleichzeitig eine der touristischen Hauptattraktionen des Landes. Interessant war vor allem zu beobachten, wie hier Geschichte, Volks-Kunst aber auch die regionale Küche und der Wein vermarktet werden. Wir besuchten in der „Touristenmeile“ einen Weinkeller der Firma Khareba, die ihre Weine dort an die in-und ausländischen Touristen verkauft.

https://whc.unesco.org/en/list/708

Dzalisi

Anschließend stand ein Abstecher nach Dzalisi auf dem Programm. Archäologische Ausgrabungen haben hier die Überreste von vier Palästen und hypokaustischen Bädern, Akropolis, Schwimmbad, Verwaltungsteil, Kaserne für Soldaten, Wasserversorgungssystem und Gräberfeldern freigelegt. Eine der Villen zeichnet sich durch ihre Bodenmosaiken aus, die mit Abstand zu den ältesten im Kaukasus gehören. Die Mosaiken werden auf das 3 Jahrhundert vor Christus datiert und dokumentieren die Bedeutung des Weins für die Region.

https://en.wikipedia.org/wiki/Dzalisi

Chateau Mukhrani

Chateau Mukhrani wurde von dem Prinzen Ivane Mukhranbatoni in 1875 gegründet. Er errichtete eine Kellerei mit einem Fassungsvermögen von 1,2 Millionen Litern.

Während der Sowjetzeit wurde fast alles zerstört. Ein Großteil des Kellergewölbes wurde zugeschüttet und das weiße Schloss verwahrloste. 2002 wurde es von einer Investorengruppe wieder aufgebaut, der gesamte Keller ausgehoben und modernisiert.

Eine sehr moderne, äußerst traubenschonende und auf Qualität achtende Philosophie, kam in das altehrwürdige Schloss.

Qualitativ ergänzt wurde das Schloss Mukhrani von CEO Patrick Honnef, der seit 2013 die Weine pflegt. Herr Honnef hat in Heilbronn Weinmanagement und Weinmarketing studiert und war nach seinem Abschluss 11 Jahre lang in der Médoc Region angestellt. In seiner Arbeitszeit als Weintechnologe, hat er im Château d’Aighuilhe viele Erfahrungen gesammelt. In Georgien sah er dann großes Potential sich weiterzuentwickeln. Während unserer Führung mit den Hauptverantwortlichen Wein-Spezialisten wurden uns die immense Größe des Kellers und das hohe Investitionsvolumen verdeutlicht. Eine High-End Ausstattung macht diesen Betrieb zu einem der „Vorzeigebetriebe“ Georgiens.

Die Philosophie des Schlosses ist es auf seinen 160 ha Rebfläche, die schon am Schlossgarten angrenzen, vorwiegend autochthone Rebsorten zu bewirtschaften.

Vision: Weintourismus-Trend weiter ausbauen, indem das Schloss renoviert wird und Gästezimmer bekommen soll. Des Weiteren wird die Event Location mehr eingebunden und es soll neben dem öffentlichen Restaurantbetrieb mehr Events wie Hochzeiten oder Gala Veranstaltungen geben.

http://chateaumukhrani.com/

Mittwoch, 12.6. Kachetien

Am dritten Tag der Exkursion fuhr die Gruppe mit dem Bus in die Region Kachetien. Auf dem Weg dorthin wurde das Weingut der Familie Vazha Getiashvili besucht.

Geografie/Lage

Vazha Getiashvili liegt in der Region Kacheti im Ort Kachreti, ca. 90 km östlich von der Hauptstadt Tbilisi entfernt. Die Weinbauregion Kacheti gilt als die wichtigste in ganz Georgien.

Topografie &/ Böden

Die Region Kacheti zeichnet sich durch sandige, kalkhaltige Lehmböden aus. Teilweise gibt es auch Schwemmlandböden, die durch Sedimente in den Auen von Flüssen entstanden sind.

Klima & Wetter

In der Region Kacheti herrscht gemäßigtes Klima. Durch das Kaukasus Gebirge im Norden wird das Weinanbaugebiet vor kalten Winden geschützt. Vom Westen her trifft feucht-warme Seeluft durch das Schwarze Meer auf das Land. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 11 °C.

Geschichte

Die Geschichte des Anwesens begann bereits im Jahre 1957, als auf dem Grundstück Amphoren aus dem 10. Jahrhundert gefunden wurden. Daraufhin beschloss man, das Weingut auf diesen Amphoren zu errichten (siehe Abbildung). Der Besitzer, ist inzwischen gelernter Weinbautechniker. Vorher war er als Fabrikarbeiter tätig und betrieb Weinbau im Nebenerwerb. Das Thema Weinproduktion stellt für die Georgier generell ein kulturelles Thema da. Auch wenn kein Platz für eigene Rebflächen vorhanden ist wird Wein hergestellt. Und wenn es nur 100 Liter im Jahr sind.

Autochthone Rebsorten

● Saperavi

● Rkatsiteli (siehe Abbildung)

● Mtsvane

Insgesamt werden 80 verschiedene Rebsorten in Kakheti angebaut

Weinanbau

Vazha Getiashvili ist im Besitz von 2,5 ha Rebfläche, wovon 1,5 ha bewirtschaftet sind.

Von dem Jahr 2010 an wurde immer mehr auf Bio- und Naturwein umgestellt. Heute ist die gesamte Weinproduktion auf biologische Bewirtschaftung des Weinberges ausgerichtet. Im Allgemeinen werden 70 % der georgischen Weine in Kakheti produziert.

Weinausbau

Vazha Getiashvili verzichtet auf die traditionelle Methode der Traubenpressung, was das zertreten der Trauben mit den Füßen bedeutet. Daher werden die Trauben maschinell und ohne Entrappen leicht angepresst. Die Maische wird daraufhin in Qvevris gefüllt, mit einem Deckel (hier sind verschiedene Materialien möglich) verschlossen, anschließend mit Sand bedeckt und danach für 6 Monate vergoren. Geöffnet wird das Qvevri erst wieder, wenn der Wein auch getrunken werden soll. Der klare Wein kann dann von oben abgeschöpft werden. Die Abfüllung der Weine wurde nicht direkt von Anfang an auf dem Weingut durchgeführt, sondern erst seit dem Jahre 2010. Grund dafür ist, dass Vazha Getiashvili seit diesem Jahr durch einen Investmentfonds unterstützt wurde. In Georgien ist es generell nicht üblich, dass der Betrieb die Weine selbst ausbaut, sondern stattdessen an andere Winzer abgibt.

Weintypen

Heute produziert das Weingut ausschließlich Naturweine. Es handelt sich um Bioweine, die jedoch nicht anhand des Etikettes erkannt werden können. Vazha Getiashvili orientiert sich jedoch an Spritzmitteln, die auch in Frankreich verwendet werden, um den europäischen Standards gerecht zu werden.

Hergestellt werden Weißweine, Rotweine und Chacha. Die Weißweine bestehen zu 85 % aus Rkatsiteli und 15 % aus Mtsvane. Chacha wird aus vergorenem Traubentrester hergestellt, wobei es sich um hochprozentige Spirituosen handelt.

Markt

Abgesetzt wird der Wein oftmals in nah gelegenen Naturwein-Bars, jedoch auch am Weltmarkt ist das Weingut beteiligt. Momentan exportiert Vazha Getiasvili Wine Cellar viele Weine nach Japan und in die USA. Der Verkauf erfolgt nach Jahrgängen. Die Weißweine liegen preislich bei 25 GEL (ca. 8,00 €) und die Rotweine bei 30 GEL (ca. 10 €).

https://www.winesgeorgia.com/site/domaine/vazha-getiashvili-wine-cellar

Mukuzani Mikrozone

Auf dem weiteren Weg nach Telavi unternahm die Gruppe eine kurze Wanderung durch die Rebberge der Mikrozone Mukuzani. Sie liegt auf dem südlichen Abhang des weiten Alazani Tales, in dem der größte Teil der Weinberge in Kachetien zu finden ist. Der für die Rebberge verantwortliche Betriebsleiter der Firma Khareba, die 2018 einen Betrieb in der Mikrozone übernommen hat, erläuterte uns die Besonderheiten der Lage.

Die Böden bestehen aus fluvialen Sedimenten mit einer dünnen Lehmauflage. Steine und Kieselsteine speichern die Wärme, und Ton- und Kalksteinböden, die reich an Kalziumkarbonat und Eisen sind, verleihen dem Wein Struktur und eine besondere Geschmackstiefe. Das besondere warme Mikroklima und der Boden in der Mikrozone von Mukuzani ermöglichen ein perfektes Gleichgewicht von Säure und Tanninen.

Schuchmann

Schuchmann Wines Georgia ist nach eigener Aussage eine Ultra-Premium-Weinkellerei, die sich auf einheimische georgische Rebsorten spezialisiert hat.

Es wurde 2008 von der deutschen Familie Schuchmann im Zentrum der georgischen Weinbauzone Kachetien in Tsinandali gegründet. Schuchmann ist heute ein international bekannter Vorzeigebetrieb der georgischen Weinwirtschaft.

Schuchmann ist vielfältig mit der Universität Heilbronn verbunden: so wurde Burkhard Schuchmann bei der Gründung und dem Aufbau des Betriebes von einem Team der Hochschule Heilbronn beraten und der heutige Betriebsleiter Roland Burdiashvili hat unter anderem in Heilbronn studiert.

Entsprechend persönlich wurden wir bei Schuchmann empfangen und Betriebsleiter Roland Burdiashvili ließ es sich nicht nehmen, uns persönlich den Betrieb zu zeigen.Schuchmann hat sich nachhaltigem Weinbau, modernem Winemaking aber auch der Pflege traditioneller georgischer Qvevris verschrieben.

Neben der Kellerei wird ein Hotel- und Spa betrieben. Zurzeit wird auf dem Gelände ein hochwertiges Wein- und Wellness-Feriendorf für zahlungskräftige Touristen aus Europa sowie aus dem nahen und fernen Osten errichtet. Die ersten Häuser sind bereits fertig. Die Anlage soll 2020 in Betrieb gehen. Schuchmann betreibt zudem einen Weinkeller in der touristisch stark frequentierten Altstadt von Tiflis.

Nach Aussage von Roland Burdiashvili ist bereits jetzt der touristische Teil des Unternehmens von größerer wirtschaftlicher Bedeutung als die Kellerei.

Donnerstag, 13.6. Kachetien Telavi / Kvareli

Telavi Wine Cellar

In der Mitte des Alazani-Tals liegt Kakheti's größte und wichtigste Stadt, Telavi. Der Telavi Wine Cellar wurde 1915 durch das Gouvernement gegründet und erst im Jahr 1997 privatisiert. Das Weingut besitzt 320 ha Rebfläche und produziert 5,5 Millionen Flaschen. Neben den typischen regionalen Sorten, wie Rkatsiteli oder Saperavi, baut Telavi auch internationale Sorten wie Cabernet Sauvignon, Merlot oder Chardonnay aus. Zudem exportiert das Weingut in 28 Länder. Dabei ist China einer der größten Märkte.

Der Telavi Wine Cellar hat es geschafft der kakhetischen Weinherstellung treu zu bleiben und gleichzeitig sich durch modernen Methoden anzupassen. Neben dem Ausbau im Holz und Edelstahl baut der Telavi Wine Cellar seine Weine auch in Query’s aus. Hierfür ist ein gesundes, sauberes und trockenes Lesegut essentiell. Die Trauben werden ausschließlich von Hand geerntet. Insgesamt arbeiten 145 Personen in dem Weingut und zusätzlich über 300 Leute in den Weinbergen.

Neben Wein produziert der Telavi Wine Cellar auch Brandy, ausgebaut im Holz, und Chacha. Daneben gibt es auch eine kleine Produktion an Schaumweinen, welche nach der traditionellen Methode hergestellt werden.

Die Weine werden in verschiedenen Linien unter dem Label „Marani“ vermarktet. Bekannte Markenweine sind zum Beispiel Achascheni, Mukuzani, Napareuli und Tsinandali. Der Telavi Wine Cellar besitzt über 300 Zertifikate und Diplome, sowie auch mehrere Mundus Vini Auszeichnungen.

Gremi

Auf der Fahrt von Telavi nach Kvareli machten wir einen kurzen Halt bei der Wehrkirche von Gremi. Hier befand sich im 15. Jahrhundert die Hauptstadt Kachetiens. Von dem Ort selbst existieren nur noch die Grundmauern. Die Kirche und der dazugehörige Turm auf dem steilen Hügel können besichtigt werden und gehören zu den wichtigen Sehenswürdigkeiten in Kachetien.

Khareba - Kvareli

Khareba gehört mit zu den größten Weinproduzenten in Georgien. Die Firma gehört der gleichnamigen Familie, die unter anderem auch in der Getränkeindustrie (Wasser, Limonaden, andere alkoholfreie Getränke) und der Gastronomie und Hotellerie tätig ist.

Khareba hat in den letzten Jahren seine Betriebe modernisiert und in Ausstattung und Personal investiert. Das Unternehmen besitzt 1000 Hektar Land, auf dem georgische und europäische Weinreben angebaut werden und dementsprechend hochwertiger Wein produziert wird. Die Betriebe befinden sich in Ostgeorgien - insbesondere in der Region Kachetien und in Westgeorgien - in den Regionen Imereti, Racha und Lechkhumi.

Angebaut werden europäische Sorten wie: Cabernet, Chardonnay, Sauvignon, Muskateller, Pino und Merlot. Das Unternehmen unterstützt auch den Anbau von Sorten wie: Otskhanuri Sapere, Tsitska, Tsolikouri, Krakhuna, Aladasturi, Usakhelauri, Khikhvi und Qisi.

Das Hauptziel des Unternehmens ist die Herstellung von Wein aus den eigenen Weinbergen nach traditionellen georgischen und europäischen Methoden. Neben dem Anbau bestehender Sorten ist ein weiteres Ziel der von Khareba der Anbau und die Verarbeitung alter georgischer Rebsorten.

Insgesamt verfügt Khareba über 25 Rebsorten, 7 Herkunftsorte. Das Sortiment umfasst rund 50 verschiedene Weine. Khareba produziert etwas mehr als 3 Millionen Flaschen pro Jahr.

Khareba Weine sind im gesamten Handel in Georgien zu finden. In den größten Städten Georgiens, am Flughafen in Tiflis und an touristischen Hotspots betreibt Khareba eigene Geschäfte. Die Khareba Weine werden nach Russland, in die ehemaligen GUS Staaten, nach China und in die EU exportiert. Khareba betreibt eigene warehouses in Shanghai (China) und Dresden (EU) um die entsprechenden Märkte zu versorgen.

In Kvareli betreibt Khareba einen Wein-touristischen Komplex mit einem Weintunnel, Gartenanlagen, verschiedenen Restaurants und weiteren wein- und foodbezogenen Attraktionen. Das Tunnelsystem wurde ursprünglich als Luftschutzanlage gebaut und ist mehrere Kilometer lang. Für die Wein-Events werden davon im Alltag 800 Meter genutzt.

Die Besucher halten sich in dem Komplex dort in der Regel mehrere Stunden auf. Sie haben die Möglichkeit an Tastings oder an kurzen „masterclasses“ zum traditionellen georgischen Brotbacken, Grillen (mzwadi ) oder der Herstellung traditioneller Süssigkeiten (churchkhela) teilzunehmen.

Der Komplex gehört zu den touristischen Attraktionen im westlichen Kachetien. Er wird sowohl von Individual-Touristen als auch Gruppen- und Busreisen frequentiert. Der Weintourismus hat sich in den letzten Jahren zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig in der Region entwickelt. Davon zeugen zahlreiche neue Kellereien, die gleichzeitig touristische Angebote machen.

Bei unserem Besuch wollten wir diesen beispielhaften Wein-Komplex selbst in Augenschein nehmen. Wir wurden von Khareba Chief-Winemaker Vladimer Kublashvili empfangen. Bei den Tastings und beim anschließenden Mittagessen ergaben sich zahlreiche interessante Diskussionen.

Freitag, 14.6. Kachetien

Teliani Valley

Die Gründung der Kellerei geht ins 19. Jahrhundert zurück, als der Bruder des damaligen Herrschers forderte, einen neuen Weinkeller zu errichten. Um dem Haus zu Ruhm zu verhelfen, wurde 1880 Antoin Mossano aus Frankreich eingeladen. Der Franzose blieb dem Haus für 9 Jahre erhalten, dabei war er der erste Winzer in Georgien, der mit georgischen Rebsorten und europäischen Ausbau-Techniken experimentierte. Er initiierte den Anbau französischen Rebsorten.

Die Weine genossen bereits damals großes Ansehen. 1893 wurde erstmals ein Wein namens Teliani (Cabernet Sauvignon) an den Kaiser gesendet. 1997 wurde das Weingut neu aufgebaut und gehört mittlerweile zu einer Aktiengesellschaft. Heute ist es eines der größten Weingüter in Georgien. Sie produzieren 4 Millionen Flaschen im Jahr am Standort in Teliani, zusammen mit dem 2. Standort sind es 7,5 Millionen Flaschen.

Das Teliani Valley bewirtschaftet 500 Hektar. Die Lese beginnt in der Regel Ende August und endet Ende Oktober. Gelesen wird ausschließlich von Hand. Neben den europäischen Weinsorten produziert das Weingut drei weiße und einen roten Qvevri, Chacha, Brandy und vier verschiedene Schaumweine.

Die Produkte werden zu 70 Prozent exportiert und zu 30 Prozent auf dem georgischen Markt verkauft. Der größte Abnehmer ist China. Die Amphoren für den Qvevri Wein fassen 3000 Liter. Die weißen Weine bleiben zwischen vier und fünf Monate in den Amphoren, die roten Weine etwas kürzer.

Shumi / Tsinandali

Am Freitag sind wir nach Tsinandali zur Wine Company Shumi gefahren. Schon nach den ersten Blicken auf das Gelände waren wir begeistert, denn das Anwesen von Shumi verzaubert seine Besucher mit liebevollen Details und einer paradiesischen Landschaft. Wir wurden sehr herzlich empfangen.

Bevor wir uns mit dem Verkosten der Weine beschäftigt haben, bekamen wir einige interessante Informationen über die Wine Company Shumi.

Daten und Fakten

-„Shumi“ bedeutet auf Altgeorgisch „echter Wein“

-Symbol ist der Greifvogel (überall im Garten sind Staturen von Greifvögeln, stehen für Erfüllung von Wünschen und Glück)

-Privatisierte Weinkellerei, gegründet 2001

-300 Hektar Rebfläche

-Zukauf von etwa 400 Tonnen Trauben/Jahr

-1 Millionen Flaschen/Jahr

-Größter Exportmarkt: Russland (80%), wobei Shumi

-in 28 verschiedene Länder exportiert

-58% der Weinberge sind in Kachetien

-Gründete ein Weinbaumuseum: Alle Ausstellungsstücke wurden in Kachetien gefunden und sind zum Teil über 6000 Jahre alt

Wir bekamen eine in Erinnerung bleibende Führung über das Gelände. Wir schauten uns im beeindruckenden Garten um und durften auch Blicke in den Keller werfen.

Die Atmosphäre bei Shumi hat uns allen sehr gut gefallen, da es einfach ein Wohlfühl-Ort ist. Die Menschen dort sind unglaublich herzlich und auch ehrlich, sie nehmen kein Blatt vor den Mund. Beispielsweise waren wir im Keller und an der Wand war ein großes Gesicht eines Riesen. Wir fragten nach, was dahintersteckt. Als Antwort bekamen wir, dass hier eigentlich das Gesicht des Bacchus wäre, ihnen dieses aber zu „unästhetisch“ wäre...

Da es auf die Mittagszeit zuging, hatten wir langsam Hunger und Durst und fragten uns, wann es wohl wieder etwas Leckeres gäbe. Umso größer war die Freude, als wir zu mehreren wunderschön gedeckten Tischen geführt wurden. Mit Freude und Herzlichkeit wurde uns traditionelles Essen serviert, was uns allen sehr schmeckte. Dazu probierten wir mehrere Weine, die uns nebenher vorgestellt wurden. Wir hatten hier außerdem die Möglichkeit, weitere Fragen zu stellen.

Glücklich und zufrieden bedankten wir uns bei Shumi für dieses unvergessliche Erlebnis.

Mildiani Family Winery

Im Jahre 1991 wurde das Familienweingut Mildiani von vier enthusiastischen Brüdern mit ihrer Liebe zum Weinmachen gegründet. Der Standort des Weingutes war bis 1998 in einer kleinen Fabrik in Tiflis. Der aktuelle Standort des Unternehmens befindet sich im Westen der Hauptstadt Tiflis, die Produktion in dem Ort Tsinandali in Kachetien.

Über die Jahre bis 2019 steigerten die vier Brüder die Produktion auf drei Millionen Flaschen pro Jahr. Mit dieser Produktion gehören sie zu den mittleren bis großen Betrieben in Georgien. 2006 war eine schwere Zeit für das Weingut, da der Verkauf stark vom russischen Markt abhängig war.

Seitdem setzten sie mehr Wert auf die Qualität der Weine, statt nur viel Menge zu produzieren. Trotzdem wird heute die Hälfte der produzierten Flaschen immer noch nach Russland exportiert. Weitere wichtige Exportländer des Weinguts sind Deutschland, China, Kanada und Polen. Das Unternehmen hat eine eigene Vertriebsfirma, über die der Verkauf läuft.

Kellerei Mildiani

Auch das Mildiani Weingut produziert den traditionellen georgischen Wein in Quevris. In 40 Quevris je 1500 - 2000 Liter werden ungefähr 50 000 Flaschen im Jahr hergestellt. Der Quevri Wein wird hauptsächlich lokal verkauft. Jedoch ist der chinesische Markt auch wichtig für die Quevri-Weine der Mildiani Brüder.

Insgesamt beschäftigt das Weingut 110 Mitarbeiter, die mit einem Lohn von 50 Cent pro Stunde entlohnt werden. Da die Weinbranche repräsentativ für das Land Georgien ist, unterstützt seit 2012 die neue Regierung die Betriebe und die Branche.

Bei einem Besuch bei Zaza Kbilashvili in Kakheti im Dorf Vardisubani konnten wir sehen, wie Quevris hergestellt werden.

Zaza Kbilashvili ist einer der letzten Quevri Hersteller in Georgien. Er und eine andere Familie sind in dieser Region die einzigen Quevri Hersteller. Zaza’s Familie produziert nun bereits in der vierten Generation. Er beliefert ganz Georgien. Zaza hat ursprünglich an der Fakultät in Tiflis promoviert aber sagte trotzdem „ good job and good income in the capitol city my family was calling me”

Die Quevri oder auch Kwewri ist ein Tongefäß, welches zur Herstellung von Wein benutzt wird. Oftmals werden Quevris auch als Amphore bezeichnet. Dieser Begriff ist jedoch nicht ganz zutreffend da Quevris im Gegensatz zu Amphoren keine Henkel haben. Es handelt sich hierbei um die älteste Form der Weinherstellung und wird bereits seit Jahrhunderten genutzt.

Um das Volumen des Weins zu halten und die Temperaturen von ca. 15 Grad zu halten, werden sie im Boden eingelassen. Dort wird der Wein zwischen 6 und 9 Monate reifen. Das eiförmige Gefäß wird aus Ton in den unterschiedlichsten Größen (zwischen 10 und 4000 Liter) hergestellt.

Die Herstellungszeit für 8 Quevris mit einem Fassungsvermögen von 1500 – 2000 Liter beträgt circa 2 bis 3 Monate und dabei ist jedes ein Unikat. Der Brennvorgang alleine dauert bis zu acht Tage. In dieser Zeit steigt die Temperatur kontinuierlich auf insgesamt 100 Grad. Danach wird der noch warme Ton von innen mit Bienenwachs beschichtet.

Diese riesigen Kreationen werden auch oft als Kunst bezeichnet, da es eine echte Zusammenarbeit zwischen Mutter Natur und dem Menschen ist. Unter anderem wurde aufgrund dessen die Produktion von Wein in Quevri seit 2013 zu einem Kulturgut der Menschheit ernannt.

Die Herstellung von Quevri bedarf viel Erfahrung, denn verschiedene Arten von Lehm ergeben das richtige Ergebnis. Zaza verwendet 3 Arten; er enthält Kalk, der wiederum antiseptisch (stark austrocknet) wirkt.

Samstag, 15.6. Kachetien – Tiflis

Am Samstag erfolgte die Rückfahrt von Kachetien nach Tiflis über den landschaftlich sehr schönen Gombori-Pass, der mit 70 km im Vergleich zu Strecke über Bakurstsike / Gurdschaani (=unsere Hinfahrt 140 km) deutlich kürzer ist , jedoch wegen der vielen Kurven kaum schneller.

Am Stadtrand von Tiflis besuchten wir dann noch die AskanelI winery

Die Firma "Askaneli Brothers" wurde 1998 von den Brüdern Chkhaidzes gegründet. Der Name "Askaneli" ist mit dem kleinen, magischen Dorf Askana verbunden, das in der Region Guria liegt, wo der alte, von ihrem Vorfahren - Antimoz Chkhaidze –im Jahre 1889 erbaute Keller auch heute noch zu besichtigen ist.

Das Unternehmen besitzt mehrere hundert Hektar Weinberge und drei Weinproduktionsstätten in Kachetien (Kindzmarauli), Guria und Tiflis.

Guria liegt im westlichen Georgien, in der Nähe des Schwarzen Meeres. Die Region weist ein einzigartiges feuchtes subtropisches Klima auf. Dort werden mehrerer autochtone Rebsorten angebaut.

Neben der Produktion von über 30 Weinsorten stellt das Unternehmen auch gereiften Branntwein, Cacha (Schnaps) und andere Produkte her.

Die von uns besichtigte Kellerei im Außenbezirk von Tiflis ist eine große Baustelle. Die zum Teil noch aus der kommunistischen Zeit stammenden Gebäude und Anlagen werden sukzessive umgebaut und modernisiert.

Zusätzlich zu ihren Kellereien und Weinbergen betreiben die Gebrüder Askaneli auch mehrere Restaurants und Geschäfte, in denen die Gäste und Kunden georgische Gastfreundschaft und Küche genießen können.

„Gebrüder Askaneli" ist eine der größten Firmen der Wein- und Spirituosenbranche in Georgien. Nach eigener Aussage gehört sie zu den drei größten Weinproduzenten im Land. Die Firma exportiert unter anderem nach Aserbaidschan, Belarus, Deutschland, Großbritannien, Estland, Indien, Lettland, Litauen, Polen, Ukraine, Finnland, Kasachstan, Tschechien und China. In Deutschland ist die Firma regelmäßig bei der PROWEIN in Düsseldorf vertreten.

Nachmittag und Abend

Der Nachmittag und Abend war in Tiflis zur freien Verfügung der Teilnehmer. Um 24h00 fuhren wir mit dem Bus zum Flughafen.

In den frühen Morgenstunden erfolgte der Rückflug nach Stuttgart über Istanbul.

Bild der Georgienexkursion

    Georgienexkkursion

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