Social-Media als häufigste Info-Kanäle in Corona-Pandemie 

|29.10.2020

Heilbronn, Oktober 2020. Drei Forscher*innen der Hochschule Heilbronn (HHN) analysierten von Februar bis April 2020 knapp 21,8 Millionen Tweets zum Thema Covid-19. Dabei waren zwei Fragen von besonderem Interesse: Die Quelle der geteilten Informationen sowie deren zeitliche und räumliche Verbreitung in den europäischen Ländern. Denn: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte am 02. Februar 2020 vor einer „Infodemie” u.a. auf Social Media. Heißt: eine Welle von Falschinformationen („Fake News”) auf Plattformen wie Facebook oder Twitter.

Spezialsoftware erfasst Tweets

Die Daten der Studie erfasste das Forscherteam mit einer Spezial-Software in Echtzeit. "Wichtig ist, dass ein Twitter-Post weitaus mehr Daten bereithält, als den reinen Text oder das angezeigte Bild“, sagt Martin Wiesner, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät für Informatik.
"Neben Zeit- und Ortsinformationen sind auch die Quellen, also die verlinkten Inhalte auf externe Webseiten von hohem Interesse. Sie lassen sich in verschiedene Kategorien einteilen”, erklärt Richard Zowalla, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Maschinelles Lernen. Hierbei handelt es sich beispielsweise um Verweise auf Zeitungen, öffentlich-rechtliche Nachrichten, andere Social-Media-Plattformen oder öffentliche Stellen wie z.B. dem Robert Koch-Institut. Die Forschergruppe erstellte auf Basis der erfassten Daten zur Herkunft eine Rangliste.

Social-Media vor Online-Kanälen von Mainstream- oder Lokalnachrichten

Die am häufigsten geteilten Ressourcen stammten von Social-Media-Plattformen (Ränge 1-7). Die am weitesten verbreitete Kategorie unter den Top 50 war „Mainstream- oder Lokalnachrichten“. Für die Kategorie „Regierung und öffentliche Gesundheitspflege“ fanden sich unter den Top 50 nur zwei Informationskanäle: Die Zentren für Krankheitskontrolle und -prävention (CDC) der USA auf Platz 25 und die WHO auf Platz 27. Das erste Vorkommen eines weit verbreiteten wissenschaftlichen Fachmagazins war „Nature“ auf Rang 116. "Interessant hieran ist, dass wissenschaftliche Originalquellen selten direkt geteilt werden. Dies unterstreicht die Bedeutung von Medien bei der Vermittlung von komplexen Sachverhalten in allgemeinverständlicher Sprache für die breite Öffentlichkeit“, sagt Monika Pobiruchin, Mitarbeiterin am GECKO Institut für Medizin, Informatik und Ökonomie an der HHN. Wichtig hierbei ist, dass fortlaufend neue wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen werden und dass die Herkunft und Seriosität von Informationen zum Thema COVID-19 beachtet werden muss.

Top 50 der durch Twitter-Nutzer*innen verbreiteten Informationskanäle 



1

twitter.com

18

fiverr.com

35

bloomberg.com

2

youtu.be

19

bbc.com

36

goo.gl

3

instagram.com

20

amzn.to

37

elpais.com

4

paper.li

21

ift.tt

38

ouest-france.fr

5

youtube.com

22

avaaz.org

39

joinzoe.com

6

facebook.com

23

wordpress.com

40

francetvinfo.fr

7

linkedin.com

24

trib.al

41

scmp.com

8

theguardian.com

25

cdc.gov

42

zazoom.it

9

google.com

26

arcgis.com

43

reut.rs

10

tinyurl.com

27

who.int

44

shoutcast.com

11

nytimes.com

28

nyti.ms

45

zazoom.info

12

chng.it

29

worldometers.info

46

forbes.com

13

cnn.com

30

reuters.com

47

topicza.com

14

bbc.co.uk

31

yahoo.com

48

15

washingtonpost.com

32

apple.news

49

nypost.com

16

pscp.tv

33

cnbc.com

50

dy.si

17

medium.com

34

openstream.co

Zeitliche und örtliche Verbreitung von Tweets 

Das Trio untersuchte außerdem, wann und wo Nutzer*innen von Twitter in verschiedenen europäischen Ländern Inhalte zum Thema COVID-19 teilten. “Wir haben hierfür die Zeitpunkte und Standorte von 21,8 Millionen Tweets untersucht; es lagen uns Standortinformationen von ca. 300.000 Tweets aus Europa vor. Aus den Ergebniskarten lässt sich die zunehmende Bedeutung des Themas in der Bevölkerung von Februar bis April erkennen”, erklärt Pobiruchin. „Interessant ist, dass sich dies mit der Ausbreitung von SARS-CoV-2 in den europäischen Ländern im Frühjahr 2020 deckt“, ergänzt Martin Wiesner und fährt fort: „Bemerkenswert ist, dass die Bevölkerung im Norden von Italien frühzeitig, bereits Ende Februar, Informationen zu COVID-19 verstärkt auf Twitter verbreitet hat. In den Wochen danach trat dieser Effekt auch in anderen europäischen Ländern deutlich erkennbar auf.”

Die Studie wurde im internationalen Journal of Medical Internet Research veröffentlicht und ist als kostenfreier Volltext unter https://www.jmir.org/2020/8/e19629/ abrufbar.

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