Der Schwimmer Henning Mühlleitner am Beckenrand.

Von der letzten Online-Prüfung direkt nach Tokio zu den Olympischen Spielen

Torsten Robert|26.07.2021

Auf den 24-jährigen Studenten der Hochschule Heilbronn - Henning Mühlleitner - warten seine ersten Olympischen Spiele. Hier spricht er über Tokio und Olympia und wie er Leistungssport mit seinem Studium vereinbart.

Hennig Mühlleitner, HHN-Student und Olympia-Teilnehmer 2021

"Glücklicherweise liefen die Klausuren gut für mich und mir fiel eine Last von den Schultern. Danach konnte ich befreit aufatmen und mit freiem Kopf das olympische Dorf beziehen."

Hennig Mühlleitner, HHN-Student und Olympia-Teilnehmer 2021

Henning Mühlleitner studiert aktuell im 7. Semester im Bachelor-Studiengang Wirtschaftsinformatik (WIN) an der Hochschule Heilbronn. Die Verschiebung der olympischen Spiele hatte seinen Zeitplan, auch für das Studium, etwas umgeworfen: Eigentlich hatte er vergangenes Semester vor Olympia ein Urlaubssemester zur Vorbereitung eingeplant. Nichtsdestotrotz konnte er auch während der Pandemiezeit und während der Olympia-Vorbereitung sein Studium regulär wie seine Kommiliton*innen durchführen. 

Mühlleitner hatte bereits zum Studienstart Olympia als Ziel vor Augen. So fieberte die Hochschul-Community seit Anbeginn bei seinen sportlichen Leistungen mit und unterstütze ihn bei der Vereinbarung beider Bereiche, wann immer dies möglich und nötig war. Dabei ist beachtlich, wie anscheinend problemlos er sein Studium und den Hochleistungssport vereint. So konnte er auch seine Trainingszeiten und Trainingslager der vergangenen Jahre mühelos selbst mit dem Studium in Einklang bringen. 

Die Hochschule und der Studiengang Wirtschaftsinformatik haben Henning Mühlleiter ausdrücklich dabei unterstützt, seinen Traum von Olympia zu verwirklichen und trotzdem dem angestrebten Studienabschluss näher zu kommen. So konnte Mühlleitner noch unmittelbar vor seinen Auftritten bei Olympia in Tokio online erfolgreich an seinen Prüfungen teilnehmen. 

Kurzes Update – Henning hat am vergangenen Sonntag 25. Juli 2021 einen genialen 4. Platz in seinem Finale erreicht. Glückwunsch!

„Wir beglückwünschen ihn ganz herzlich bei seiner tollen ersten Leistung bei Olympia, freuen uns auf weitere Erfolge", so Studiengangleiter Professor Dr. Carsten Lanquillon. "Und wir unterstützen ihn natürlich auch weiterhin bei seinem baldigen Studienabschluss“, ergänzt Studiengangmanagerin Claudia Pittel.

Bist du gut und sicher in Tokio angekommen?

Wir sind am 21. Juli nach unserer Vorbereitung in Kumamoto ins olympische Dorf eingezogen. Das Dorf ist wie zu erwarten überwältigend und das ganze Akkreditierungsprozedere verlief für uns sehr reibungslos. Nach Einzug ins Dorf waren wir Mittagessen und ich habe das erste Mal das olympische Feeling voll erlebt in der Mensa. So viele Menschen, die alle mit dem Sport im Zusammenhang stehen, an einem Ort, das ist Wahnsinn!

Wie geht es einem Olympia-Athleten, so kurz vor Startschuss? Und was geht dir durch den Kopf?

Ich versuche in Maßen das ganze Olympia-Event aufzusaugen, um mich nicht davon überwältigen zu lassen. Ansonsten ist für mich der Plan klar und die Arbeit bis hier hin erledigt. Am Samstag habe ich meinen ersten Start über 400m Freistil, gefolgt von der 4x200m Freistil-Staffel der Herren am 27. Juli.

Wie sieht gerade dein Alltag in Tokio aus?

Noch gehen wir regelmäßig in der Schwimmhalle zum Training und werden über die 2 Tage, die wir hier früher angereist sind, mit Informationen versorgt, die wichtig für das Verhalten im Dorf oder Wettkampf sind. Ansonsten genieße ich die Zeit in der Dining Hall mit Team-Kameraden oder anderen Sportlern aus aller Welt, die ich in der Vergangenheit kennengelernt habe.

Hast du irgendwelche Wettkampf-Rituale, kurz vor deinen Wettbewerben?

Ich verfolge keine bestimmten Rituale vor dem Wettkampf. Ich versuche lediglich 1,5 bis 2 Stunden vor meinem Start in der Schwimmhalle zu sein, um mich entsprechend vorbereiten zu können: Einschwimmen, runterkommen, Wettkampfanzug anziehen und dann „Fokus“!

Jeder große Sportler hat einmal ganz klein angefangen Seit wann schwimmst du denn? Und wann war klar, dass dieser Junge ein Ausnahmetalent ist?

Ich habe mit 8 Jahren (2005) angefangen mit Schwimmen. 2013 habe ich mich entschieden, nach Saarbrücken von Schwäbisch Gmünd an das Sportinternat zu ziehen und dort meine Oberstufenjahre und das Abitur zu absolvieren. Nach einem holprigen Start bei meinem Wirtschaftsinformatik-Studium 2016 an der Uni Saarbrücken bin ich 2017 nach Neckarsulm gezogen und habe dort meine Schwimmkarriere fortgesetzt und mein WIN-Studium angegriffen.

Neben deiner Sport-Karriere studierst du ja auch noch. Wie schaffst du diese Balance zwischen Profisport und Studium? 

Ich bin seit 2017 Student und Werkstudent bei einem jungen Unternehmen in Stuttgart. Die Arbeit kommt mir gut entgegen und toleriert den Sport in dem Umfang, wie ich ihn ausübe. In Monaten, in denen ich mehr Zeit habe, kann ich mehr arbeiten. In wichtigen Monaten für das Studium, kann ich meine Arbeitsstunden flexibel gestalten.

Bis zu diesem Semester habe ich keine Kooperation mit der Hochschule gehabt, da ich bisher meinen Stundenplan immer an das Schwimmen angepasst habe. Dieses Semester war die erste Ausnahme, da durch Corona der gesamte Prüfungszeitraum verschoben war. Ich war allerdings sehr positiv überrascht und super dankbar, dass die Studiengangsleitung, Professor Dr. Carsten Lanquillon und meine Prüfer Stefani Poßner und Thomas Schäffer so verständnisvoll und entgegenkommend waren. Damit konnte ich 2 individuelle Prüfungstermine im Vorbereitungstrainingslager arrangieren. 

Du hattest am Montag und Dienstag noch Klausuren … meinen tiefsten Respekt … aber Hand aufs Herz - hast du dafür im Moment überhaupt noch Kopf?    

Ich muss zugeben, es war ein zusätzlicher Stressfaktor. Ab und zu fiel es mir auch schwer, das Studium und die Lernerei nicht mit ins Training zu nehmen. Aber im Vorbereitungstrainingslager vergangene Woche, war es eine sehr gute Ablenkung und eine gute Challenge. Somit war ich für mehrere Stunden daran gehindert, mir zu viele Gedanken über die olympischen Spiele zu machen. Hinzu kommt, dass wir sowieso keine Freizeitaktivitäten außerhalb des Hotels unternehmen durften. Ich muss ehrlich sagen, dass ich die 3 bis 4 Wochen vor den Klausuren rückblickend immer sehr cool finde und mir das Lernen mit Kommilitonen in der Bibliothek einen guten Ausgleich zum Schwimmeralltag gibt.

Glücklicherweise liefen die Klausuren gut für mich und mir fiel eine Last von den Schultern. Danach konnte ich befreit aufatmen und mit freiem Kopf das olympische Dorf beziehen.

Wir wünschen dir nun ganz viel Spaß und Erfolg in Tokio!
Studierende sitzen mit Getränken an einem Tisch und arbeiten gemeinsam an Laptops

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