Prof. Dr.-Ing. Peter Ott

Prof. Ott, Studiendekan an der HHN ist unteranderem ein Experte, wenn es sich um den Bereich der technischen Optik dreht. Mit seiner Neugier und dem Willen, technische Konzepte zu hinterfragen, behält er nicht nur eine klare Sicht an der HHN, sondern auch beim Skifahren abseits der Piste. Offenheit und der vertrauensvolle Umgang mit Studierenden oder den Kolleg*innen an der HHN gehören zu seinen Stärken. Seine Motivation schöpft er aus technischen oder organisatorischen Herausforderungen, wie beispielsweise der Gründung des englischsprachigen Grundstudium an der HHN. 

Was unterrichten Sie an der HHN?

Vor circa vier Jahren war ich maßgeblich bei der Gründung des Studienganges Mechatronik und Robotik (MR) beteiligt. Überwiegend bin ich momentan für einige Vorlesungen des Bachelor- und Masterstudienganges MR verantwortlich. Dazu gehören beispielsweise der Kurs Digitale Signalverarbeitung oder das Messtechniklabor. Übrigens entstehen hierzu immer wieder interessante Projekte in Zusammenarbeit mit den Studierenden und der Industrie. Unteranderem bin ich Studiendekan für den Masterstudiengang MR und das englischsprachige Grundstudium in unserer Fakultät.

In welchem Bereich und wo waren Sie vor Ihrer Professur tätig? Wie war Ihr beruflicher Weg bis zu Hochschule Heilbronn?

Mein Werdegang beginnt mit dem Studium Elektrotechnik Schwerpunkt Nachrichtentechnik an der Universität Stuttgart. Diesbezüglich verbrachte ich etwa ein Jahr in Paris und absolvierte mein praktisches Semester in den USA. Nach einem kurzen Aufenthalt bei einer Unternehmensberatung entschied ich mich zur Technik zurückzukehren. Anfang der Neunziger startete ich also mit meiner Promotion im Bereich der optoelektronischen Realisierung neuronaler Netzwerke. Die künstliche Intelligenz ist momentan ein brandaktuelles Thema, eine Vielzahl der damaligen Forschungsansätze lassen sich heute ebenfalls wiederfinden. Im Rahmen meiner mehrjährigen sehr vielseitigen Beschäftigung bei Carl Zeiss reiste ich mehrmals zum Projektpartner nach Japan, hier konnte ich das berühmte Karolinska Institut zur Zusammenarbeit im Bereich der Einzelmolekülsequenzierung besuchen und durfte Prototypen für Halbleiterinspektionsaufgaben für die Sandia Labs und das Intel Lab konzipieren und im Silicon Valley installieren. Ich lernte viele tolle Zeissianer mit abenteuerlichen Familienlebensläufen kennen, zu denen ich noch heute Kontakt habe. Ich entschloss mich dann schließlich doch für die Forschung und Lehre an der HHN.

Seit wann sind Sie an der Hochschule Heilbronn tätig?

Im Jahre 1999 habe ich den Bereich der technischen Optik von meinem Vorgänger an der HHN übernommen. Zu dieser Zeit entstand aus dem Studiengang Feinwerktechnik der neue Studiengang Mechatronik und Mikrosystemtechnik. Die technische Optik war damals stark vertreten, ist aber heute vom Inhalt etwas zurückgegangen. Dafür hat das Thema Sensordatenverarbeitung stark zugenommen, ob cloudbasiert mittels KI oder anderen raffinierten Algorithmen.

Woher kommt die Begeisterung für Ihre jetzige Arbeit?

Schon im Grundschulalter baute ich mit meinen Schulfreunden mit fischertechnik um die Wette. Und dann kamen später die ersten Computer auf, die mich in den Bann zogen. Der Ursprung kam dabei nicht aus dem Elternhaus sondern über das Spielerische mit den Freunden. Im Zuge eines Schulversuches konnte ich dann in Stuttgart parallel zu meinem allgemeinen Abitur in der Oberstufe eine technische Berufsausbildung zum elektrotechnischen Assistent absolvieren. Mich interessieret bis heute dabei nicht nur, dass eine technische Lösung funktioniert sondern gleichermaßen das Verständnis der zugrunde liegenden Prinzipien – wir sagen dazu der Modellbildung.

Das ist auch heute noch meine Motivation: Elegante Lösungen durch die Anwendung neuer oder die neue Kombination von Prinzipien selbst zu entwickeln oder zu erfinden. Der Weg bis zum erfolgreichen Abschluss eines Projektes ist oft mühsam und geprägt von Rückschlägen. Wenn die Lösung dann gefunden und verstanden ist und auch noch funktioniert, ist das ein besonderer ästhetischer Glücksmoment.

Was tun Sie in Ihrer Freizeit?

In meiner Freizeit beschäftige ich mich gerne mit Musik. Im Studium spielte ich im akademischen Orchester der Universität Horn, es war eine tolle Zeit mit vielen Reisen, die ich auch mit organisiert habe. Ich treffe mich noch heute regelmäßig mit den damaligen Blechbläsern aus dem Orchester, unser Ensemble nennt sich dB120.

Eine andere Leidenschaft ist der Bergsport. Im Winter gehe ich mit Bergkameraden und meinen Söhnen auf Skitouren abseits der Skipiste. Ein Höhepunkt war die Besteigung des Mont Blanc mit meinem Freund Stefano und Lutz, der auch Bergführer ist. Auf dem Gipfel haben wir dann die Ski angeschnallt, die Abfahrt durch die wilden Gletscherbrüche bleibt unvergesslich. Im Sommer unternehme ich mehrtägige Bergtouren auch über unbewirtete Hütten. Abseits der Berge segele ich ab und an auf dem Bodensee und koche gerne groß a la Bocuse, Witzigmann oder Vilgis für Familie und Freunde.

Übrigens besitze ich kein Auto, denn das Fahrrad ist das ganze Jahr über mein bevorzugtes Verkehrsmittel. Mit meiner Familie lebe ich in einem Vielfamilienhaus und bei meiner Frau und unseren Kindern ist auch mein innerliches Zentrum. 

Was steht auf Ihrer Lebens-To-Do-Liste?

Aus meiner Perspektive als Professor an der HHN möchte ich das englischsprachige Grundstudium in der Fakultät Mechanik und Elektronik weiterentwickeln. Mir liegt am Herzen, die Zusammenarbeit im Studiengang, der Fakultät und der Hochschule weiter auszubauen und nutzbar zu machen.

Zudem möchte ich noch viele Austauschstudierende in meinem Labor und bei mir zu Hause begrüßen. Ich möchte noch vielen Studierenden als Reibungsfläche und Orientierung für ihre berufliche und persönliche Entwicklung dienen. Und weiterhin will ich wieder jedes Jahr alle ehemaligen und aktuellen Studierenden im Labor zum Käsefondue im einladen. Deshalb zählen mittlerweile auch drei Käsefondues zum erweiterten Inventar der Laborausstattung ;).

An erster Stelle steht jedoch die gemeinsame Zeit mit meiner Frau und unseren drei Kindern. Und natürlich noch ein paar spannende Skitouren mit steilen Abfahrten.

Was ist Ihr Leibgericht?

Gutes Essen ist mir wichtig und selber Kochen ist mir ein Bedürfnis. Schon während meines einjährigen Studienaufenthalts in Paris lernte ich die exzellente französische Küche kennen und schätzen. Zu Hause bin ich für die Küche verantwortlich und stelle mich regelmäßig neuen Herausforderungen. Meine beide Söhne ernähren sich vegan und meine Tochter vegetarisch. Hier gilt es daher momentan meine Bandbreite an Gerichten zu erweitern. Ich liebe die Variation. Meine Vorlieben reichen vom Zwiebelkuchen über Bodenseefelchen, Reh mit Quitte, Kalbsbries bis zu Zwetschgenknödel. Was mir wichtig ist, sind frische regionale Produkte. Aus meinen vielen Reisen zu den beiden Partnerhochschulen in China habe ich viele Anregungen der phantastischen chinesischen Küche bekommen.

Was schätzen Sie an den Studierenden, die Sie unterrichten?

An den Studierenden schätze ich die Neugier, deren kreative Ideen und die unkonventionelle Herangehensweise an Probleme. Davon kann ich immer wieder lernen. Oftmals ergibt sich auch hierdurch die Anregung für ein neues Projekt. Insbesondere die Vielfalt der Student*Innen mit ganz verschiedenen kulturellen Hintergründen und Erfahrungen bringen mir ganz neue Impulse für Forschung, Lehre und weit darüber hinaus. Der langjährige Studierendenaustausch mit China hat mich zum Beispiel enorm bereichert und mir einen neuen Blick auf mir bisher Selbstverständliches geschenkt.

Welche Anekdote aus Ihrer Zeit an der Hochschule Heilbronn beschert Ihnen heute noch ein Schmunzeln?

Vor einiger Zeit habe ich im Rahmen der Vorlesung Konstruktionsmethodik des ersten Semesters zusammen mit dem inzwischen emeritierten Kollegen Patrick Fleischmann einen Konstruktionswettbewerb ausgerichtet, bei dem ein rohes Ei aus 3 m Höhe frei fallengelassen wurde, das erste Mal in 1 m Höhe aufgefangen werden durfte und dann möglichst weit horizontal ohne Zuführung weiterer Energie befördert werden sollte. Wir hatten als Austragungsort das Foyer der Hochschule gewählt, weil ich maximal eine Distanz von 10 m erwartet. Ich staunte nicht schlecht, als das Siegerteam eine Distanz von 50 m anvisierte und das Ei mit einer raffinierten Konstruktion weit außerhalb des Hochschulgebäudes beförderte. Darüber wurde dann auch in Presse, Funk und Fernsehen berichtet.

Was würden Sie als „Herzensprojekt“ während Ihrer bisherigen Zeit an der HHN bezeichnen?

Stolz bin ich auf die Gründung des Studienganges MR, welche mit einem großen Wandel einherging. Durch den Generationenwechsel kam es zur Berufung von fünf Professor*innen im Studiengang. Das war nur durch gute professionelle Teamarbeit möglich. Es macht mich glücklich zu sehen, wie gut wir ebenfalls im Team zusammenarbeiten. Stolz bin ich auf das englischsprachige technische Grundstudium in der Fakultät für Mechanik und Elektronik und den langjährigen Austausch mit China.

Welches Projektergebnis ist Ihnen auch heute noch gut in Erinnerung?

Besondere Highlights war die Begleitung von drei Mitarbeiter und ehemalige Studierende unseres Studiengangs zur Promotion. Jedes dieser Projekte hatte seinen eigenen Höhepunkt. Im Projekt von Herr Dr. Johannes Eckstein entstand ein neuartiger optischer Sensor zur robusten Abstandsmessung, den wir der Industrie lizensieren konnten. Hr. Dr. Philipp Heidingsfelder konnte zeigen, dass eine Verletzung des „Heiligen Grals" der Signalverarbeitung, des „Nyquist-Shannon-Abtasttheorem“, bei der subpixelgenauen optischen Vermessung mit einem 3D-Mikroskop von Vorteil ist. Dafür haben wir den IHK-Forschungstransferpreis bekommen. Zuletzt konnte Marco Altmann, der kurz vor der Promotionsprüfung steht, zeigen, dass mittels eines Radarsensor in der Dunstabzugshaube und KI erkannt werden kann, wo ein Topf auf dem Herd steht, ob der gerade beginnt überzukochen und welche Handgesten zur Steuerung des Herdes ausgeführt werden.

Diese Höhenflüge und auch diejenigen aller im Labor arbeitenden Studenten sind nicht nur mit einem Blick nach oben möglich sondern bedürfen auch ein solides Basislager. Ein toller Mitarbeiter unserer Hochschule, mein Labormeister Andreas Müller, sorgt seit vielen Jahren dafür. Ob es rohe Eier, überkochende Milch, gefährliche Laser, künstliche Intelligenz oder Radarsensorik sind, er hat für alles ein offenes Ohr, bringt uns auf den Boden zurück, findet für alles einen Platz, sorgt für gute Stimmung und Arbeitsbedingungen im Labor und hält Ordnung und ist immer da, wenn wir ihn brauchen.

Warum ist ein Studium bei T1 genau die richtige Entscheidung?

Die Fakultät Mechanik und Elektronik überzeugt mit tollen Kolleg*innen, einer engen Zusammenarbeit nicht nur hochschulintern, sondern auch mit regionalen Hightech-Unternehmen und internationalen Universitäten. Darüber hinaus zählt die sehr gute Laborausstattung zu unseren Stärken. Jede Absolventin und jeder Absolvent hat in Form einer hochaktuellen Ausbildung bestes Rüstzeug für den Arbeitsmarkt, hat ein vielseitiges Netzwerk und verfügt über einen dauerhaft wertvollen Studienabschluss.

Top3-Highlights Ihrer Zeit an der HHN.

1. Das Dauerexponat „Virtual Orchestra“ auf der BUGA 2019 (Bundesgartenschau Heilbronn) war für mich ein persönliches Highlight. Meine beiden Mitarbeiter Herr Marco Altmann und Herr Dmitrii Kozlov haben es geschafft, dass das Exponat mit hochmoderner Radarsensorik und neu entstandener, sehr komplexer Datenverarbeitung ohne Probleme den ganzen Sommer über durchlief, sodass 10.000 Besucher mit viel Freude das Württembergische Kammerorchester auf der Leinwand dirigieren konnten. Am Ende der BUGA kam es bei voll besetztem Publikum zur Preisverleihung für den besten Dirigenten.

2. Die Exkursionen mit Studierenden und den Kolleg*Innen Susanne Wilpers und Ralf Dillerup von der Wirtschaftsfakultät und Ansgar Meroth, unserem Auslandsbeauftragten, sind alle bei mir eingebrannt, ob auf das Staufner-Haus am Hochgrat und ans Grenobler Synchrotron oder nach Brasilien, Südafrika, Kanada oder China. Inzwischen existiert eine kleine Liedsammlung, denn es gibt kaum etwas geeigneteres, als zum Dank und Abschluss nach einem gemeinsamen Essen mit den Gastgebern ein Lied anzustimmen.

3. Die Ernennung zum Visiting Professor an der Hefei University of Technology (China) in einer feierlichen Zeremonie im Jahr 2008 und die Ernennung zum Adjunct Professor an der University of British Columbia (Kanada) 2015, an der ich zweimal mit meiner Familie zu einem halbjährigen Forschungssemester war, sind ebenfalls unvergesslich.

Tipps für die angehenden Ingenieur*innen der HHN.

Den angehenden Ingenieur*innen an den HHN lege ich ans Herz, ihre Neugier und Bereitschaft zur Veränderung zu erhalten. Durchhaltevermögen bei Höhen und Tiefen zahlt sich aus und schafft nachhaltige Erfolgserlebnisse. Für die Orientierung ist es wichtig sich ein erreichbares Ziel gesetzt zu haben. Und es gilt, ständig das eigene Leben zu bedenken. Dann schaffen wir es auch gemeinsam einen Beitrag zur Begrenzung des Klimawandels und seiner Folgen zu leisten und eine nachhaltige und weiterhin friedvolle Lebensweise zu gestalten. 

Logo des Audits familiengerechte Hochschule. Die HHN ist seit 2005 zertifiziert.
Logo der weltoffenen Hochschulen gegen Fremdenfeindlichkeit
Logo der Charta der Vielfalt mit Stempel unterzeichnet
Logo der Hochschulföderation Süd-West (HfSW)