Steg über das Wasser, schwarzweiß

Vertiefendes Lernen durch Visualisierung

Nicole Ondrusch|15.07.2022

Die Idee: Damit sich Student*innen mit einzelnen Inhalten tiefer auseinandersetzen, sollen sie diese bildlich darstellen – bei uns durch eine selbst erstellte Fotografie.

Im Herbst 2021 waren wir mit einigen Kolleg*innen unserer Hochschule und vielen weiteren Kolleg*innen aus ganz Deutschland auf einer Didaktik-Weiterbildung. Es ging um die Planung von Vorlesungseinheiten, das Formulieren von Lernzielen und eben Grundlegendes zur didaktischen Vorlesungsvorbereitung. In den Diskussionen stellte sich heraus, dass uns (gegeben unseres derzeitigen Hochschulsystems) vor allem zwei Fragen immer wieder beschäftigen:

  • Wie bringe ich meine Student*innen dazu, tief und umfassend zu denken, statt nur reproduzierte, schnell gefundene Lösungen zu präsentieren?
  • Wie führe ich meine Student*innen zu einer aktiven Lernhaltung – getragen von konstruktiver Zusammenarbeit und persönlicher Motivation?


Die angebotenen Lösungen der Didaktik-Expert*innen waren unbefriedigend und unzureichend und boten keine nachhaltigen oder ganzheitlichen Ideen außer minutiöser Kontrolle und punktgenauer Aufgabenbeschreibung. Mehr noch: wir selbst wurden – durch unsere Erziehung der Student*innen hin zum Fokus auf das, was Noten bringt, weg von offenem freien Denken – für die Haltung der Student*innen verantwortlich gemacht. Und dies mit einem Schulterzucken: „daran könne man nun nichts ändern.“

In unserem Lab:D-Team suchen wir derzeit nach anderen Antworten auf die erste Frage (siehe Projekthomepage zum u.lab2x 2022). Wir sind also auf der Suche nach Methoden, die dazu führen, dass unsere Student*innen über eine Fragestellung oder eine Fachlichkeit tiefgründig nachdenken und zu einem fundiertem Urteil oder Wissen kommen.

Vertiefendes Lernen durch Visualisierung

In Gesprächen mit (ehemaligen) Kolleg*innen haben wir in den letzten beiden Semestern eine Methode ausprobiert: vertiefendes Lernen durch Visualisierung. Die Methode ist ganz leicht erklärt – Student*innen beschäftigen sich zunächst mit bestimmten Inhalten oder Fragestellungen. Dies kann im Rahmen eines Selbststudiums von Lernmaterialien aber auch in ganz anderen Kontexten sein.

Bei uns steht hier ein interaktives Lernmodul bereit, das zugegebenermaßen noch recht textlastig ist, aber als theoretische Basis für die Lehrveranstaltung von den Student*innen durchgearbeitet werden sollte. Damit sich die Student*innen nun mit einzelnen Inhalten tiefer auseinandersetzen, sollen sie diese bildlich darstellen – bei uns durch eine selbst erstellte Fotografie. Die Idee dahinter ist, dass:

  • Die Student*innnen immer wieder an konkrete Inhalte im Lernmodul denken und diese Gedanken über eine längere Zeit mit sich herumtragen.
  • Durch die Verbildlichung des Inhalts dieser sich stärker festigt.
  • Die Student*innen durch den Austausch über ihre Bilder gemeinsam die Aussagen reflektieren und mehr darüber nachdenken.

Zusätzlich beschreiben die Student*innen in einem kurzen Begleittext, worum dieses Bild gewählt wurde und stellen dies ihren Kommiliton*innen vor. 

Hierzu haben wir einen fotografiebegeisterten Referenten (hier nochmal ein riesiges und ganz herzliches Dankeschön an Dr. Stephan Melzer) eingeladen, der kleine Einblicke in die Bildgestaltung gibt und selbst einige Beispiele zeigt. 

Ablauf und Feedback

Dann haben die Student*innen eine Woche Zeit, Lerneinheit und damit Theorie durchzuarbeiten und ein geeignetes Motiv und Beschreibung zu finden. Wir variieren hier zwischen Zweierteams und Einzelaufgaben. In der nächsten Präsenzveranstaltung diskutieren wir dann Theorie und Visualisierung. In unseren Fällen wird die Theorie zusätzlich durch Projektarbeiten vertieft, aber natürlich kann das auch unabhängig geschehen.

Die Methode begleiten wir durch Lehrevaluationen und zugegebenermaßen erhalten wir hier gemischte Rückmeldungen. Viele sind begeistert und sehen vollständig, dass sie sich mit der Methode viel intensiver mit dem Stoff befassen und ihn stärker reflektieren. Ein paar geben aber doch an, dass die Methode zwar ganz nett ist, sie diese aber eigentlich gar nicht brauchen, um Inhalte zu vertiefen. In jedem Fall hatten wir jedoch in beiden Semestern viele tolle Bilder, die wir zukünftig gern in eine Ausstellung verwandeln möchten.

Studierende arbeiten im Team

Lab:D-Blog

  • Im Lab:D der Hochschule Heilbronn probieren wir neue Ideen für die Lehre aus, erfinden alte Formate neu, betrachten Bestehendes in einem anderen Kontext und experimentieren mit Lehre.
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