Tiger und Katze

#coil Was hat das mit Informatik zu tun?

Claudia Sperrfechter|14.06.2022

Am Anfang dieses Sommersemesters erzählte ich begeistert meiner Kollegin, dass wir mit den Studierenden des Studiengangs Software Engineering im ersten Semester einen virtuellen Austausch mit Studierenden des Studiengangs "Interactive Multimedia Design" der Thomas More University of Applied Sciences in Mechelen, Belgien, geplant hatten. - Ein COIL Projekt zur interkulturellen Kommunikation

In einem Zeitraum von fünf Wochen sollten sie in gemischten Kleingruppen an unterschiedlichen Aufgabenstellungen gemeinsam arbeiten - zunächst, 

  • um sich kennenzulernen und zu erfahren, was es heißt, in Mechelen bzw. Heilbronn zu studieren und dann, 
  • um ein Verständnis für interkulturelle Aspekte zu entwickeln.


„Interkulturelle Aspekte? Was hat das mit Informatik und Software Engineering zu tun?“ 

Ich sah meine Kollegin verwundert an. Die gleiche Frage würde ich von unseren Studierenden auch immer wieder hören. In meinem Beruf war es für mich so selbstverständlich geworden, mir über die Zusammenarbeit mit Kollegen, Kunden oder Kooperationspartner aus unterschiedlichen Kulturkreisen Gedanken zu machen, und ich war schon so oft in kulturelle Fallen als Beraterin, Projekt- oder Teammanagerin getappt (und hoffentlich daraus gelernt), dass mich die Frage immer wieder erstaunte. 

In einer zunehmend globalisierten und virtuellen Welt und gerade in der IT, einer Branche, in der die Arbeit in internationalen, interdisziplinären Teams Voraussetzung für viele Projekte ist, können wir nur dann erfolgreich sein, wenn wir kulturelle Unterschiede nicht nur überwinden, sondern von dieser Vielfalt auch profitieren können. Wir wollen, dass unsere Studierende begreifen, dass wir die Welt oft durch eine kulturelle Brille sehen, die uns in unserer Arbeit einschränkt. Sie sollen die Grenzen einer ethnozentrischen Sichtweise erkennen und schon sehr früh üben, sich zu öffnen und zu kommunizieren. 

Wir erhoffen uns von einem solchen Austausch, dass Studierende von Anfang ihres Studiums an erleben, wie bereichernd die Arbeit in interkulturellen Teams ist und dass sie vielleicht auch einen Impuls erhalten, einige Zeit im Ausland zu verbringen.

Worum ging es?

Wir (Prof. Dr. Nicole Ondrusch und ich) hatten uns die Monate davor intensiv mit dem Thema COIL ("Collaborative Online International Learning") beschäftigt und bereits einige vorsichtige Versuche - zum Teil noch während des Lockdowns - unternommen, um Studierende aus unterschiedlichen Ländern in Lehrveranstaltungen zusammenzuführen.

Unser Austausch mit Belgien war eingebettet in die Lehrveranstaltung „Arbeitstechniken“. Diese befasst sich mit Teamarbeit, Präsentationstechniken, Kommunikation, Arbeitsorganisation und wissenschaftlichem Arbeiten. Sie beinhaltete folgende Einheiten:

Ein gemeinsamer virtueller Workshop 

In diesem Workshop stellten Prof. Burgelman (Thomas More University), Prof. Ondrusch und ich unser Projekt und unsere Ziele vor. Zudem konnten sich die Studierenden in gemeinsamen Challenges (z.B. in Form eines „Obstacle Run“ Mural-Boards) kennenlernen.

Screenshot

Bilder: Kick-off Workshop „Intercultural communication” und ein Screenshot der Obstacle Run Challenge

Wöchentlicher Austausch zwischen zwei oder drei Studierenden mit folgenden Aufgaben: 

  • Kennenlernen anhand von konkreten Fragen;
  • Herausarbeiten der Unterschiede und Gemeinsamkeiten ihrer Kulturen anhand der Kulturdimensionen nach Geert Hofstede;
  • In einem Quiz herausfinden, welcher Kulturkreis welche Präsentationsstile bevorzugt;
  • Peer Review des Projektes, das die Studierenden aus Mechelen im Rahmen ihrer Lehrveranstaltung entwickelt hatten und Erstellen eines Moodboards, das die Ergebnisse verdeutlicht;
  • Gestaltung eines virtuellen Geschenkes für den/die jeweilige*n Austauschpartner*in, das darstellt, was die Studierenden gemeinsam erlebt haben und mit dem sie etwas von ihrer Kultur/ ihrem persönlichen Leben teilen.

„First of all, it was a lot of fun. I learned that I do not have to be shy talking to someone I do not know and that every student faces the same things in life. I learned that out there are more people who I can relate to and that working together that far apart can also work if the communication works great.”

Es klingt alles so einfach…

COIL Projekte sind immer eine kleine Herausforderung.

Durch die räumliche Nähe beider Länder, Belgien und Deutschland, mussten die Studierenden keinen Zeitunterschied überwinden. Dadurch konnten Sie ihre individuellen Termine leichter planen. Jedoch hatten wir keine gemeinsame Plattform, auf die alle Studierende hätten zugreifen können. Die Studierenden aus Mechelen arbeiteten mit Canvas und die aus der Hochschule Heilbronn mit Ilias. Die Folge war ein erhöhter Mehraufwand für alle Dozierenden, sowie die Notwendigkeit, auf verschiedene, externe Tools zurückzugreifen. (Einerseits eine Chance für Studierende, neue Tools kennenzulernen, andererseits ist es oft verwirrend). Für den nächsten Austausch sind wir einer Lösung bereits nähergekommen.

Die Administration der Studierenden:

  • wer mit wem in einem Team ist;
  • was tun, wenn sich Studierende nicht melden;
  • Lösung von Konflikten und Problemen.

Tristan Nußbaum, ein Student aus dem 2. Semester, unterstützte uns tatkräftig bei dieser komplexen und zeitaufwändigen Aufgabe.

Die zeitliche Planung: 

Wir mussten ein Zeitfenster finden, in dem alle Studierenden Vorlesungszeit hatten. Manche Hochschulen haben 3 Semester im Jahr, manche nur 2 und meist überlappen sich die Vorlesungszeiten nur teilweise. Die Tatsache, dass die Studierenden – außer für den Workshop – ihre Termine selbst planen mussten, hat die Planung etwas vereinfacht.

Die Bewertung: 

Wir bewerteten die Abgaben völlig unabhängig voneinander und mit einem unterschiedlichen Schwerpunkt für die jeweilige Lehrveranstaltung. Dennoch hatten alle dieselbe Aufgabe, die sie im Team erledigen sollten.

“I think it helped me a lot to become more confident about my work and sharing it with people I do not really know.”

Fazit

Einige Studierende betonten, wie wichtig es war, dass die Kooperation nicht nur international, sondern auch interdisziplinär war. Durch die Erfahrung der Studierenden aus Mechelen im Multimedia-Bereich konnten Studierende aus Heilbronn wertvolle Tipps bekommen, als diese im Rahmen einer anderen Lehrveranstaltung einen Prototypen (mit Schwerpunkt User Interface) entwerfen mussten.

Wir haben gelernt, dass Studierende mehr Freiraum brauchen, um sich im Vorfeld kennenzulernen und damit vielleicht der Austausch nachhaltig wirkt. Wir haben uns aber auch gefreut, dass die meisten Studierenden am Ende der fünf Wochen die „Was hat das mit Informatik zu tun“-Frage vergessen hatten.

Viele Studierende haben sich gewünscht, einen Austausch mit einem Land zu machen, in dem die kulturellen Unterschiede noch ausgeprägter sind. Dies werden wir im nächsten Semester mit einer Hochschule in Mexiko versuchen, jedoch ohne die interdisziplinäre Komponente. Dafür müssen wir die Aufgaben anpassen, aber das Modell wird ähnlich sein. Die Organisation wird allerdings - schon allein wegen des großen Zeitunterschieds - eine große Herausforderung sein.

“In the beginning, it might be better to be a little more factual and careful about what you say, because some jokes can be understood quite differently in other cultures. Moreover it's also very important to be open-minded and non-judgmental. When communicating it's totally okay to ask something when you don't understand it.“

“It was a lot of fun. I almost wish for it to be longer over the course of the semester.”

Studierende arbeiten im Team

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