Die beiden HHN-Professoren Hans Dieter Wagner und Jörg Wild

Danke, für knapp 50 Jahre!

Vanessa Offermann|20.07.2022

Zusammen haben sie 48 Jahre an der HHN gelehrt: Professor Hans Dieter Wagner (links) und Professor Jörg Wild (rechts). Nun gehen beide in den wohlverdienten Ruhestand – Im Interview sprechen sie über die Veränderungen an der Hochschule, ihr gemeinsames Hobby und über ihre ganz persönlichen Highlights.

Über 20 Jahre an der HHN – sind die rückblickend wie im Flug vergangen?

Professor Jörg Wild: 27 Jahre, 54 Semester… ich habe sie unter das Motto "von 36 bis 63 als Professor an der HHN" gestellt. Sie sind tatsächlich wie im Fluge vergangen.

Professor Hans Dieter Wagner: Dass die Zeit wie im Fluge vergangen ist, würde ich tatsächlich nicht unbedingt behaupten. Aber wenn ich an meine erste Vorlesung am 12. März 2001 denke, so meint man, es wäre gestern gewesen. In meinen 21 Jahren an der Hochschule Heilbronn hat sich dabei aber einiges verändert.

Was genau hat sich denn verändert?

Wagner: Ganz gravierend: Der Umstieg auf das Bachelor- und Master-System, wie es heute existiert. Das habe ich mitbegleitet. Früher hatte die HHN sogenannte Diplomstudiengänge. Also mussten mit dem Umstieg auch die ganzen SPO’s verändert werden. Die Digitalisierung veränderte dann auch die Vorlesungen. Früher gab es Tafelaufschriebe oder den Overhead-Projektor mit Folien… und der war schon echt ein komfortabler Fortschritt. Vor allem war natürlich auch alles kleiner und noch viel intimer als heute. Die Studierenden sind damals auch etwas lauter gewesen, haben mehr gestört. Sie diskutierten aber auch gut mit – heute konsumieren sie eher nur, was wir ihnen lehren.

Wild: Stimmt. Mit Farbkreide und Wischer gings damals noch in die Vorlesungen. Die Studierenden waren früher echt irgendwie wacher, heute herrscht eher eine leichte Anonymität. Was mir noch einfällt: Die Mensa hatte früher viel kürzere Öffnungszeiten. Um 14 Uhr war da Schluss. Sie und die Cafeteria waren einfach DER Treffpunkt für den täglichen Austausch – auch mit Kolleg*innen anderer Studiengänge. Aber eine Sache hat sich bei meinen Vorlesungen nie verändert: Bis heute, heute nutzen wir ja Powerpoint, hat es von mir noch nie Musterlösungen oder vollständige Aufschriebe gegeben. Mir ist es wichtig, dass die Leute selbst schreiben, denn vom Arm geht’s einfach direkt ins Hirn – das war mir immer ganz wichtig. Andere Story: Telefonate. Im Büro konnten wir früher nur nach Heilbronn telefonieren. Aber auswärts, also schon nach Neckarsulm beispielsweise, lief der Vorgang über die Telefonvermittlung der Hochschulverwaltung.

Ein früheres Foto von HHN-Professor Hans Dieter Wagner

Professor Hans Dieter Wagner, als er vor 21 Jahren an die Hochschule Heilbronn gekommen ist.

Erinnern Sie sich, wir Ihre erste Vorlesung lief?

Wagner: Ja, war schrecklich! (Lacht). Nein… Meine erste Vorlesung, Konstruktionslehre, vormittags am 12. Januar 2001, war einfach nur viel zu anspruchsvoll. Die Studierenden haben nur wenig verstanden, weil ihnen das Vorwissen fehlte. Am Nachmittag gab es dann aber eine offene Fragenrunde. Und meine erste Amtshandlung am 01.März 2001 ist es gewesen, die Unterschrift unter einen Verschrottungsauftrag meiner Laborausstattung zu setzen. Es ging dabei um alte Rechner, die in meinem Labor standen und dann musste ich auch noch das gesamte Labor abgeben, da der Studiengang Software Engineering den Raum für Vorlesungen benötigte. Das war einfach alles etwas unerwartet…aber in den folgenden Semestern bekam ich Mittel, die ich selbst durch Antragsstellungen einwerben musste, zur Neuausstattung meines Labors. Und den Raum, das war damals A306, bekam ich von Software Engineering auch zurück.

Wild: Also bei mir war der Einstieg ganz anders (lacht.) 1995 die erste Vorlesung gehabt… ich war 36 Jahre alt und damit der jüngste Professorenkollege. Mir wurde in einem Rundgang über die HHN alles gezeigt. Vom Büro bis zur Zahlstelle. Mein Vorgänger war übrigens schon zwei Jahre weg, ich hatte also keine Übergabe von ihm, was er so in Vorlesungen gelehrt hatte. Mir war aber vor allem eine Sache ganz wichtig, nämlich dass ich ein eigenes Labor habe und eine*n Mitarbeiter*in.

Sie sprachen zu Beginn von einer verstärkten Anonymität unter den Studierenden. Baut man dennoch zu manchen eine stärkere Bindung auf?

Wild: Natürlich, das auf jeden Fall. Irgendwann fällt ein Student oder eine Studentin einfach mehr auf. Ich wollte auch immer die Guten fördern, nicht nur die Schwächeren. Also ging es beispielsweise gemeinsam ins Labor, um bestimmte Dinge zu erforschen. Das machte den Studierenden und mir auch echt immer viel Spaß, das war immer super spannend.

Wagner: Ja, da stimme ich zu. Ich bin bis heute mit einigen Studierenden freundschaftlich verbunden. Neben der klassischen Vorlesung betreute ich einige zum Beispiel auch bei Ihren Abschlussarbeiten oder besuchte sie im Betrieb, während ihres Praxissemesters. Es gibt diese Studierenden, zu denen man einen engeren Draht aufbaut, ja.

Wir wachsen mit unseren Aufgaben – welche Skills haben sich spürbar bei Ihnen in den Jahren als Professor weiterentwickelt?

Wagner: Ganz besonders merkte ich, dass ich immer einfacher bei großen Veranstaltungen vor Publikum sprechen konnte. Zu Beginn hatte ich durchaus bestimmte Manschetten. Anfänglich war ich auch der Meinung, dass alle Studierenden meinen Stoff lernen „müssen“, weil ich ihn für wichtig halte…Daher habe ich alles daran gesetzt, man kann das auch als Verbissenheit bezeichnen, dass sich Studierende damit auseinandersetzten …mit Übungen, Hausaufgaben, Zwischenprüfungen etc. Heute akzeptiere ich, dass es auch Studierende gibt, die in erster Linie einen Abschluss anstreben und Wissen eher zweitrangig ist. Ich wurde also generell etwas gelassener.

Wild: Ging mir ähnlich. Ich war am Anfang schon auch dynamischer…also ich meine damit, dass ich immer sehr bemüht war, durchgehend etwas Spannendes meinen Studierenden zu erzählen. Dabei hatte ich auch den Anspruch, richtige Antworten auf die verschiedensten Fragen liefern zu können. Manchmal musste ich auch einfach sagen, ich kläre das bis zum nächsten Mal.

Ein früheres Foto von HHN-Professor Jörg Wild.

Professor Jörg Wild, als er 1995 mit 36 Jahren an der Hochschule Heilbronn angefangen hat.

Was waren Ihre persönlichen Highlights und Meilensteine in all den Jahren?

Wild: Highlights waren regelmäßig die Diplomierungsfeiern, jetzt Graduierungsfeiern, weil wir das Ergebnis unserer täglichen Arbeit mit erfolgreichen und stolzen Absolvent*innen sahen. Positive Meilensteine waren natürlich auch der Umbau der Feinwerktechnik zur modernen Mechatronik und Mikrosystemtechnik, jetzt Mechatronik und Robotik. Wissenschaftlich waren die zwei kooperativen Promotionen mit der TU München im Bereich der Haptik von Bedienelementen im Fahrzeug echte Highlights für mich.

Wagner: Sicher gehören die Graduierungsfeiern dazu. Ich war durch meine Tätigkeit als Studiengangleiter und später Dekan direkt beteiligt und habe viele Jahre auf der Bühne gestanden, um Zeugnisse zu überreichen. Aber auch außerhalb dieser Dienstpflicht habe ich an den Feiern teilgenommen. Für mich gehört es einfach dazu, die Studierenden, die man viele Jahre begleitet hat und in den Abschlussarbeiten betreut hat, gebührend zu verabschieden. Darüber hinaus: die damaligen Preisverleihungen des Dautel-Konstruktionspreises, später des Schunkpreises. Da mir die Lernfabrik sehr am Herzen liegt, gehört die Abschlussveranstaltung natürlich auch zu meinen Highlights sowie Firmenbesuche meiner Praxis-Student*innen.

Gegenfrage: Hat es auch einmal Momente gegeben, denen Sie den Stempel "Lowlights" geben würden?

Wild: Ein klares und nerviges Lowlight war und ist der immerwährende Vorwurf, ein Ingenieurstudium sei nicht attraktiv…vor allem nicht für Frauen. Ich habe mich wirklich immer bemüht, auch die Frauen anzusprechen und erzielte mit 18 Prozent Frauenquote doch einen ganz guten Erfolg. Das ist auch dem Projekt „Mechatronik für Mädchen“ geschuldet, das Kollege Wehl und ich 14 Jahre lang zusammen mit der BBQ (Bildung und Berufliche Qualifizierung) betrieben haben.

Wagner: Ein sehr einschneidendes Lowlight war für mich der Beginn der Corona-Pandemie im Sommersemester 2020 und die daraus resultierenden Folgen des Online-Semesters. Ich hatte noch vier Semester bis zum Ruhestand. Ich war wochenlang damit beschäftigt, Powerpoint-Präsentationen zu vertonen, Lehrvideos zu erstellen oder digitale Übungen zu entwickeln. In einer Präsenzvorlesung siehst du direkt, ob der Stoff verstanden wird, es entwickeln sich Diskussionen. Im Onlinebetrieb ist das ungleich schwieriger.

Sie beide vermitteln über Jahrzehnte wertvolles Wissen. Wissen Sie eigentlich, wie viele Studierende sie unterrichtet haben?

Wild: Erst kürzlich habe ich einmal versucht, das zu ermitteln. So ca. 2000 müssten es schon gewesen sein.

Professor Wagner, Sie schütteln mit dem Kopf…

Wagner: Ja, ich muss gestehen, dass ich das nicht ganz genau weiß… ich rechne nach… ich komme auf ca. 1.500 Studierende.

Ein aktuelles Foto von Professor Hans Dieter Wagner und Professor Jörg Wild.

Zusammen zählen sie knapp 50 Berufsjahre an der HHN: Professor Hans Dieter Wagner (links) und Professor Jörg Wild (rechts).

Sie beide verbindet auch das gleiche Hobby, nämlich die Konstruktion und das Fliegen von Modellflugzeugen.

Wagner: Ja, genau. Wir beide sitzen sogar im Vorstand. Kollege Wild ist der erste Vorsitzende im Flug- und Modellsportverein Eppingen, ich bin der zweite Vorsitzende des Modellflugclubs in Bretzfeld.

Aha… also in zwei unterschiedlichen Vereinen…kommen hier auch mal die Ellenbogen zum Einsatz?

(Lachen beide).

Wild: Auf keinen Fall! Im Gegenteil: Wir haben uns sogar schon gemeinsam auf dem Flugplatz getroffen und ein Freundschaftsfliegen organisiert. Wir sind eher eine große Gemeinschaft.

Wagner: Völlig richtig. Pferdesport ist übrigens mein zweites Hobby. Als damals allerdings meine Kinder im Dressursport besser wurden als ich es war, nahm ich die Rolle des Turniertrottels ein (lacht). Heißt, ich trainierte sie und fuhr sie dann nur noch auf die Wettkämpfe – samt Pferde.

Der damalige "HHN-Dienstausweis" von Professor Hand Dieter Wagner.

Der frühere HHN-Dienstausweis von Professor Wagner.
Es beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt für Sie – worauf freuen Sie sich denn am meisten?

Wild: Ich darf ja noch ein bisschen Lehrauftrag machen, momentan die Pflichtfächer, bis der Nachfolger vermutlich im März 2023 anfängt. Es ist schön, dass der Übergang nicht so hart wie in der Industrie ist, wo du nach dem Ausscheiden nur noch mit Besucherausweis in die Firma kommst. Aber natürlich freue mich, intensiver Zeit für Familie und Hobbies zu haben. Auch Mountainbiken oder Rennradeln stehen auf dem Plan, genauso wie die Pflege und Ausfahrten mit meinem Oldtimer, einen Mercedes 450 SLC von 1975.

Wagner: Der Schnitt ist bei uns tatsächlich nicht so hart. Das sieht in anderen Berufen durchaus anders aus, ich kenne das von meinem Vater. Wenn der jahrelang bestimmende Lebensinhalt von heute auf morgen fehlt, ist das nicht einfach. Es heißt zwar, es sei ein neuer Lebensabschnitt, aber ich persönlich empfinde das nicht so. Vieles geht weiter wie bisher. Ich habe 2008 mein eigenes Steinbeis-Transferzentrum gegründet. Industrieberatung und Transferdienstleistungen laufen weiter. Meiner Frau hatte ich zum 50. Geburtstag einen selbst restaurierten VW Käfer versprochen, im Oktober wird sie 60 und es gibt immer noch keinen Käfer… Es war mein erstes Auto und auch das meiner Frau. An meinem ersten Käfer habe ich viel selbst geschraubt, da kenne ich mich gut mit aus. Normalerweise halte ich meine Versprechen, da gibt es also noch etwas zu tun…

Vielen Dank, für das nette Gespräch. Die gesamte Hochschule wünscht Ihnen beiden alles Gute. Danke, für Ihren unermüdlichen Einsatz in all den Jahren, Professor Wild und Professor Wagner.
Studierende sitzen mit Getränken an einem Tisch und arbeiten gemeinsam an Laptops

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