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Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Sport

|29.03.2021

Den Sport hat es durch die Corona-Pandemie besonders hart und vollkommen unvorbereitet getroffen. Dies trifft auf den vereinsgebundenen Amateursport genauso zu wie auf den medial bedeutsamen und auf Zuschauer angewiesenen Profisport. „Es gibt keinen unserer 90.000 Vereine in Deutschland, der nicht in irgendeiner Form betroffen ist“, formulierte kürzlich der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Alfons Hörmann.

Die mittel- bis langfristigen Auswirkungen, dieser in der Geschichte des modernen Sports beispiellosen Krise, können aktuell noch nicht abschließend prognostiziert werden. Viele Forschungsprojekte sind initiiert worden, erste Ergebnisse liegen bereits vor. Klar ist, dass mit erheblichen finanziellen Umsatz- und Gewinneinbußen sowie mit einem Verlust an Mitgliedern und ehrenamtlichem Engagement gerechnet wird, was bereits durch mehrere Studien belegt wird.

Einbruch der Einnahmen und gestiegene Kosten für Hygienekonzepte

Kurzfristig sind vor allem die Profisportarten am stärksten negativ getroffen, deren Etats stark von den Spielertragseinnahmen abhängen, wie das in den Ligen im Basketball, Eishockey und Handball der Fall ist. Hier machen die Einnahmen aus Ticketing, Catering, Merchandising und Sponsoring, die direkt am Spieltag erzielt werden, teilweise bis zu 80% des Umsatzes aus, was die extreme Abhängigkeit vom Zuschaueraufkommen verdeutlicht. Erschwerend kommen vorab nicht einkalkulierte Ausgaben für Hygienekonzepte hinzu, die die Etats zusätzlich belasten. Je länger der pandemiebedingte Ausschluss von Zuschauern anhält, desto prekärer wird die Lage für die betroffenen Vereine. Von staatlicher Seite gibt es für die betroffenen Vereine den 200 Millionen Euro umfassenden Hilfsfond „Corona-Hilfe Profisport“ für durch Verbot größerer Zuschauerveranstaltungen unverschuldet entgangene Einnahmen aus Ticketverkäufen. Etwas positiver stellt sich die Situation im Profifußball dar. Zwar vermeldet die European Club Association (ECA) bei den europäischen Proficlubs einen Umsatzrückgang von 3,6 Mrd. € in den nächsten fünf Jahren. Jedoch ist der Profifußball durch die mittelfristig ausgelegten TV-Verträge, die ca. 40% im Einnahmemix der Clubs betragen, in einer ungleich besseren Ausgangssituation als alle anderen Sportarten. Hier wird ein Wachstumsrückgang von durchschnittlich 8% der letzten fünf Jahre auf 3,3% in den kommenden fünf Jahren prognostiziert.

Pandemie zwingt zu agilem Risikomanagement

Sowohl bei den Verbänden als auch bei den Vereinen im Profisport ging durch die Krise der jahrzehntelang erfolgsverwöhnten Sportbranche der Konjunkturoptimismus verloren. Die Pandemie hat die Schwachstellen des Event getriebenen Geschäftsmodells Profisport offengelegt und nötigt der Branche ein neues Bewusstsein für agiles Risikomanagement und nachhaltiges Wirtschaften ab. Neu eingerichtete Task Forces in allen Profiligen sind gerade dabei, Lösungsansätze zu entwickeln, welche konzeptionellen und strukturellen Konsequenzen aus der Erfahrung mit den Auswirkungen der Pandemie zu ziehen sind. Die Erschließung neuer Geschäftsmodelle, die die Möglichkeiten der digitalen Transformation von Vermarktungsrechten in den Mittelpunkt stellen, sowie die Abkehr von einer ruinösen und systemseitig disfunktionalen Transfer- und Vergütungspolitik, insbesondere im internationalen Profifußball, sollten hier im Mittelpunkt stehen.

Im vereinsgebundenen Amateursport ist durch die verschiedenen Lockdown-Maßnahmen der komplette Trainings- und Wettkampfbetrieb außer Vollzug gesetzt worden. Viele Ligen kommen zudem in akute Terminnot, um die Saison 2020/21 ordnungsgemäß abzuschließen. Erschwerend kommt in wirtschaftlicher Hinsicht hinzu, dass sich die traditionell regional sowie kleinbetrieblich und mittelständisch organisierten Sponsoren der Amateurvereine aufgrund eigener wirtschaftlicher Probleme mit ihrem Engagement im Jahr 2021 eher zurückhalten werden.

Äußerst negativ macht sich auch der nahezu komplette Ausfall von Gesundheitssport orientierten Kursangeboten bemerkbar. Neben den wirtschaftlichen Schäden für die Vereine sind hier auch negative Auswirkungen auf den allgemeinen Fitness- und Gesundheitszustand der Bevölkerung zu erwarten. Mittlerweile haben viele Landessportbünde und die kommunale Sportförderung auf die Krisensituation reagiert und länderspezifische Hilfeprogramme auf den Weg gebracht.

Besonders hart hat es innerhalb der deutschen Sportlandschaft die kommerziellen Sportanbieter getroffenen, die mit dem zweiten Lockdown im Jahr 2020 insgesamt fünf Umsatzmonate verloren haben. Der Deutsche Sportstudio Verband (DSSV) beziffert den wirtschaftlichen Schaden auf rund 1 Mrd. Euro bei einem jährlichen Gesamtumsatz der Fitness-Branche von 5,5 Mrd. Euro (2020). Viele der 10.000 Fitness- und Gesundheitsstudios sehen sich in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht. Staatliche Unterstützungsprogramme stehen mit der November-/Dezember-Hilfe sowie den Überbrückungshilfen zwar zur Verfügung, allerdings werden das bürokratisch aufwendige Antragsverfahren und die späten Auszahlungstermine kritisiert, die sich negativ auf die Liquidität der Betriebe auswirken.

Der reiseintensive Sporttourismus ist nahezu komplett zum Erliegen gekommen. Dies betrifft zum einen den Event bezogenen Sporttourismus zu internationalen Sport-Großveranstaltungen und zum anderen den Individual-Sporttourismus zum aktiven Sporttreiben im Sommer- oder Skiurlaub, der aufgrund der Reisebeschränkungen aktuell nicht stattfinden kann.

Outdoor und eSport als Krisengewinner

In der Sportbranche gibt es aber auch „Krisen-Gewinner“. Der selbst organisierte Freizeit- und Breitensport, insbesondere im Outdoor-Bereich, hat zu einem Nachfrageboom bei Fahrrädern und eBikes geführt. Wandern beschränkt sich nunmehr nicht nur auf ältere Zielgruppen, sondern wird zunehmend auch von jüngeren Aktiven als Freizeitsport angenommen.

Auch die großen Sportartikelhersteller verzeichnen trotz Krise noch moderate Wachstumsraten, weil viele sportlich Aktive ihre Sporttextilien und Ausrüstung auf den neuesten Stand gebracht haben, was zu einem unerwarteten Nachfrageschub geführt hat. Darüber hinaus boomen Sportarten, die sich besonders gut digitalisieren lassen. Dies trifft besonders auf Schach zu. Täglich spielen bis zu 150.000 Personen auf den einschlägigen Online-Portalen gegeneinander. Die mit über 80 Millionen streamings erfolgreichste Netflix-Serie „Queen´s Gambit“ hat der altehrwürdigen Sportart einen unverhofften Popularitätsschub beschert. Der schon seit Jahren im Wachstum befindliche eSport-Markt hat durch die Pandemie eine zusätzliche Beschleunigung erfahren.

Insgesamt zeichnet sich ein sehr heterogenes Bild innerhalb der Sportbranche ab. Die Auswirkungen der Pandemie werden systemische Anpassungen erfordern und diesen Prozess in Verbindung mit der digitalen Transformation noch beschleunigen. Der vereinsgebundene Breiten- und Wettkampfsport ist auf eine coronabedingte Anpassung der öffentlichen Sportförderung angewiesen.

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