Electronic Business Institut (EBI)

KonfIT-SSC

Entwicklung einer Konfigurationsumgebung für IT-Service-Supply-Chains kleiner Unternehmen der Kreativwirtschaft

Hintergrund

Kleine Unternehmen - über 97 Prozent aller Unternehmen in Baden-Württemberg - stehen heute oftmals vor dem Problem, IT-Services bedarfsgerecht für ihre Kernprozesse zu beschaffen. Dabei fällt es vielen Unternehmen schon schwer, die eigenen Anforderungen zu definieren und diese in einer IT-Strategie zu realisieren.


Projektidee

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Das Forschungsprojekt KONFIT-SSC greift dieses Thema auf und will kleine Unternehmen dabei unterstützen, ihre IT-Anforderungen zu definieren, um mit einem adäquaten IT-Einsatz nachhaltig konkurrenzfähig zu bleiben. Mit einer Studie des digitalen Ökosystems werden zunächst die Grundlagen gelegt und ein Verständnis über Akteure und deren Bedürfnisse geschaffen:

  • Ermittlung der IT-Bedarfe von Klein- und Kleinstunternehmen der Kreativbranche.

  • Aufnahme der Service Angebote regionaler Akteure der IT- und IT- Service Branche.

  • Untersuchung und Modellierung der Service-Supply-Chains, der gegebenen Beziehungen zwischen den Akteuren, sowie der Zusammenhänge zwischen Bedarf und Angebot.

Nach Erforschung des digitalen Ökosystems soll in einem zweiten Schritt eine domänenspezifische Konfigurationsumgebung den Unternehmen helfen, eine eigene IT-Strategie von ihrer Geschäftsstrategie abzuleiten. Basierend auf der IT-Strategie wird die passende Service-Supply- Chain empfohlen, um die bestehenden Akteure miteinander zu vernetzen. Die IT-Strategie bietet eine gemeinsame Terminologie für Konsument und Produzent von IT-Services.

Förderung

Mit demKarl-Steinbuch-Forschungsprogramm fördert die MFG Stiftung Baden-Württemberg seit 2011 besonders innovative Forschungsarbeiten in den Bereichen der Informations- und Telekommunikationstechnologie (ITK) sowie der Kreativwirtschaft. Philipp Küller wurde 2011 als einer der ersten drei Wissenschaftlern an Hochschulen in Baden- Württemberg im Rahmen des Karl-Steinbuch-Forschungsprogramms mit dem Projekt KonfIT-SSC beauftragt. Das Forschungsprojekt mit einer Laufzeit von 24 Monaten (Januar 2012 bis Dezember 2013) wird mit nahezu 60.000 Euro durch das KSF gefördert.

Aus dem Projekt

So finden Kreativunternehmen die richtige IT-Lösung

(Michaela Kürschner / MFG) Das wichtigste Rüstzeug für einen Architekten sind sein Wissen und seine Kreativität. Das war früher so und gilt auch heute noch. Doch für die Umsetzung einer kreativen Idee braucht es inzwischen mehr als nur Papier und Bleistift. Fast alle Kreativschaffenden verbringen den Großteil ihrer Arbeitszeit vor dem Bildschirm. Für jeden Bedarf gibt es eine entsprechende Softwarelösung.

Während jedoch der Einsatz von IT-Werkzeugen in der Produktion für die meisten Kreativen naheliegend ist, sieht es in den übrigen Geschäftsbereichen anders aus. Kein Grafiker würde auf die Idee kommen, auf Photoshop zu verzichten, kein Architekt kommt heute ohne CAD-Lösung aus. Kundenmanagementsysteme, eine kaufmännische Software oder ein Vertriebs-Tool sucht man bei den meisten dagegen vergebens.

Nur ein knappes Drittel der Kreativunternehmen verfügt über eine IT-Strategie

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Das verwundert nicht, denn IT ist für die meisten Kreativschaffenden in erster Linie Handwerkszeug, kein strategisches Instrument. „Viele Kreativunternehmen kaufen ihre IT nach akutem Bedarf“, erklärt Philipp Küller vom Electronic Business Institut an der Hochschule Heilbronn. „Eine langfristige IT-Strategie haben sie nicht.“ Das belegen die Zahlen, die der Wirtschaftsinformatiker im Rahmen einer Befragung erhoben hat: Nur 29 Prozent der kleinen und mittelständischen Kreativbetriebe geben an, über eine dezidierte IT-Strategie zu verfügen.

Die Gründe dafür sind vielfältig: „Viele Unternehmen haben keine IT-Abteilung und damit auch kein Know-how in Sachen IT“, erklärt Phillip Küller. „Sie kennen die einschlägigen Branchenlösungen, sind aber ansonsten relativ uninformiert.“ Hinzu kommt, dass auch die Prozesse in den Unternehmen häufig nicht eindeutig definiert sind und der Bedarf dadurch weniger sichtbar wird. Und selbst wenn sie ihren Bedarf kennen, können die Entscheider ihn oft nicht benennen. „IT Service Provider und Konsumenten – in unserem Fall die Kreativunternehmen – kommunizieren häufig auf unterschiedlichen Ebenen“, weiß Philipp Küller „das heißt: Der eine versteht nicht wirklich, was der andere will und braucht.“

Forschungsprojekt untersucht den IT-Bedarf von Kreativschaffenden

Er und seine Kollegen wollen diese beiden Pole näher zusammenbringen. Im Rahmen des Projektes KonfIT-SSC unterstützen sie kleine Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft dabei, „eine für sie passende IT-Strategie auf Basis existierender IT-Service-Angebote selbst zu definieren und mit Partnern zu reflektieren“. Das auf zwei Jahre angelegte und durch das Karl-Steinbuch-Forschungsprogramm der MFG Stiftung geförderte Projekt soll in drei Schritten umgesetzt werden. „Zunächst ermitteln wir den tatsächlichen Status und den aktuellen Bedarf der Unternehmen“, erklärt Philipp Küller. Dazu haben er und seine Kollegen eine Online-Befragung durchgeführt. „Wir wollten herausfinden, welche Prozesse die Unternehmen abbilden und welche IT-Lösungen sie dafür einsetzen“, so der Projektleiter.

Anhand der Studienergebnisse erarbeiten die Wissenschaftler ein Transaktionsmodell. „Das skizzierte Modell muss man sich vorstellen wie ein Netz, das alle Beziehungen zwischen Kreativschaffenden und den weiteren Akteuren innerhalb des Ökosystems Kreativwirtschaft abbildet“, erklärt Philipp Küller. Weitere Akteure können Steuerberater, Banken oder andere Dienstleister sein, mit denen das Unternehmen zusammenarbeitet. Am Ende der Konzeptionsphase steht ein detailgetreues Bild aller Liefer- und Wertschöpfungsbeziehungen der Branche.

Konfigurator hilft bei Auswahl der richtigen Softwarelösung

Klar-Steinbuch-ForschungsprogrammDas Transaktionsmodell bildet die Grundlage für den dritten und wichtigsten Schritt des Forschungsprojektes: die Ableitung von Regeln. „In der aktuellen Projektphase entwickeln wir Regeln, die später von einem Konfigurator automatisch umgesetzt werden“, erläutert Philipp Küller. „Wir definieren dafür die relevanten Prozesse, leiten daraus einen Bedarf ab und ordnen den Anforderungen eine entsprechende IT-Lösung zu.“ Die Regeln zu formulieren, ist der aufwendigste Teil des Projektes. „Wir gehen dabei nach Unternehmensfunktionen vor“, so Philipp Küller. Für jeden Geschäftsprozess – etwa Einkauf, Buchhaltung, Vertrieb – gibt es ein eigenes Modul. Auf diese Weise können die Unternehmen jeweils nur die Module auswählen, die für sie relevant sind.

Abschließend werden die Regeln in einem Konfigurator hinterlegt. „Am Ende haben wir einen Prototypen, der die Kreativunternehmen maßgeblich bei der Auswahl der richtigen IT-Lösung unterstützt“, freut sich Philipp Küller. Doch der Konfigurator leistet noch mehr: Er fungiert als Bindeglied zwischen Kunde und IT-Dienstleister, „übersetzt“ quasi die Bedürfnisse des Kreativunternehmens in eine IT-gerechte Sprache. „Durch den Konfigurator wissen Unternehmen genau, was sie brauchen, wie sie dorthin gelangen und wie sie es kommunizieren können“, so der Projektleiter.

Quelle: Beitrag der MFG Stiftung

Abschlussbericht

Der Abschlussbericht des Projektes KonfIT-SSC mit dem Titel "KonfIT-SSC: Entwicklung einer Konfigurationsumgebung für IT-Service-Supply-Chains kleiner Unternehmen der Kreativwirtschaft" ist als vierter Band in der Reihe "Berichte aus dem Karl-Steinbuch-Forschungsprogramm" der MFG Stiftung Baden-Württemberg erschienen und steht als PDF-Download kostenlos zur Verfügung.