Wirtschaftsinformatik (WIN)

Studiensemester mit Doppelabschluss in Dundalk, Irland

Dundalk IT: Doppelabschluss in 2 Semestern

Internationale Kompetenzen und Auslandserfahrung sind heute sowohl für die Wirtschaft als auch für jeden Einzelnen von zunehmend großer Bedeutung. Die Wirtschaft braucht qualifizierte Fachkräfte, die über internationale Erfahrungen, Fremdsprachenkenntnisse und Schlüsselqualifikationen wie z.B. Teamfähigkeit, interkulturelles Verständnis und Belastbarkeit verfügen.

Auslandsaufenthalte während des Studiums stellen eine ideale Möglichkeit dar, solche internationale Expertisen zu erlangen. Dies war einer meiner Hauptbeweggründe, mich auf das Abenteuer Irland einzulassen.

Ich habe zwei Semester am Dundalk Institute of Technology im Rahmen des Doppelabschlussprogramms der Hochschule Heilbronn studiert, um somit neben meinem deutschen Bachelor of Science zusätzlich den Bachelor of Business in Irland zu erlangen.

Neben den Vorteilen aus akademischer Sicht entwickelte ich internationale Kompetenzen und ein interkulturelles Verständnis. Diese Soft Skills erhöhen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt - national wie international. Ich kann jedem Studenten nur empfehlen, innere Hemmnisse zu überwinden und mindestens einen Auslandsaufenthalt, ob Semester oder Praktikum, in das Studium zu integrieren um sich so für den zunehmend globalen Arbeitsmarkt zu rüsten.

Die Anreise - Mit dem Flugzeug oder doch lieber das Auto?

Im ersten Semester habe ich mich für das Flugzeug entschieden. Irland (Dublin) wird von diversen Flughäfen in Süddeutschland direkt angeflogen (Memmingen, Karlsruhe, Frankfurt). Von Dublin aus ging es dann mit dem Bus direkt nach Dundalk.

Nach einmonatigen Semesterferien über Weihnachten habe ich mich im zweiten Semester für die Anreise mit dem Auto entschieden. Insgesamt benötigt man ca. 2 Tage für diese Strecke. Die Fähre fährt über Nacht, so dass sich das Buchen einer Kabine in jedem Fall empfiehlt. Die Fahrt ist relativ stressfrei, da sowohl französische, als auch irische Autobahnen in der Regel nicht stark frequentiert sind. Zu kalkulieren sind Kosten für Benzin, Maut, Fähre und Verpflegung. Es empfiehlt sich, gemeinsam mit 2 bis 3 Personen zu fahren, um so die Kosten verteilen zu können.

Die Unterkunft

Es gibt drei Studentenwohnheime in Dundalk. Ich habe mich für “Mourne View Hall” entschieden. Meiner Meinung nach ist das Wohnheim mit 80 Euro pro Woche zuzüglich Stromkosten absolut überteuert. Die Stromkosten können je nach Außentemperatur sehr hoch sein, da die Heizung elektrisch betrieben wird. Ich würde ca. 400 Euro pro Monat allein für die Unterkunft einkalkulieren. Das angepriesene Internet ist im Monat vor den Prüfungen wegen Überlastung quasi unbenutzbar. Die einzige Alternative ist, zusammen mit anderen Studenten eine private Unterkunft anzumieten (Haus oder Wohnung). Die Ausstattung des Studentenwohnheims ist recht spartanisch, reicht allerdings für eine begrenzte Aufenthaltsdauer aus. Bettdecke usw. sind meist nicht vorhanden, können allerdings sehr preisgünstig im naheliegenden Dunnes Store bezogen werden (30 bis 40 Euro).

Sprache und Kulturelles

Das Englisch in den Vorlesungen ist sehr gut zu verstehen. Mit dem Englisch im Alltagsleben ist es dagegen um einiges schwieriger. Insbesondere Taxifahrer konnte ich auch am letzten Tag meines Aufenthalts kaum verstehen, was diese natürlich trotzdem nicht daran gehindert hat, permanent Geschichten zum Besten zu geben.

Im Nachhinein würde ich sagen, dass sich mein Englisch enorm verbessert hat. Den begleitenden Englischunterricht empfand ich als sehr angenehm und hilfreich. Es herrscht eine ungezwungene Atmosphäre und alle Studenten werden aktiv in den Unterricht eingebunden. Ein Problem ist definitiv der hohe Anteil an deutschen Studenten, der viele Kommilitonen dazu verleitet hat, mehr deutsch als englisch zu sprechen. Ich habe versucht, mich hauptsächlich mit irischen oder Erasmus-Studenten anderer Nationalität zu umgeben und konnte so meine Kenntnisse in der englischen Sprache verbessern und verfeinern.

Ich kann allen Studenten nur empfehlen, das gleiche zu tun. Es ist deshalb auch von Vorteil, wenn man darum bittet, nicht mit Studenten der gleichen Nationalität untergebracht zu werden.

Die Iren gelten generell als sehr gesellig und sind daher sehr oft in Pubs anzutreffen. Es ist anfänglich recht schwer, in Kontakt mit irischen Studenten zu gelangen. Durch diverse Projektstudien und Seminararbeiten wird man jedoch zwangsweise in Gruppen durchmischter Nationalität eingeteilt und kann hauptsächlich hier engere Kontakte knüpfen. Wenn die erste Kontaktbarriere gefallen ist, erweisen sich die irischen Studenten als äußerst interessiert, offen, gesellig und vor allem trinkfest. An den Wochenenden und der Study week haben wir so oft wie möglich das wunderschöne Land erkundet. Es war sehr interessant, wie unterschiedlich die Mentalität in den verschiedenen Regionen des Landes ist. Leider hat man in der zweiten Hälfte des Semesters aufgrund umfassender Semesterarbeiten und Prüfungsvorbereitung kaum Zeit für längere Ausflüge.

Dundalk IT - Campus & Vorlesungen

Das DKIT besteht aus mehreren sehr modernen Gebäuden, die sich auf einen übersichtlich gestalteten Campus verteilen. Alle wichtigen Einrichtungen sind vorhanden. Die Bibliothek ist sehr gut ausgestattet und mit ausreichend Arbeitsplätzen bestückt. Die Vorlesungsräume sind mit Beamer, Whiteboard und sonstigen Hilfsmitteln ausgestattet und weitgehend mit den deutschen Räumlichkeiten zu vergleichen. Das Campus Restaurant wurde 2007 neu errichtet. Es ist sehr ansprechend und modern gestaltet. Allerdings bewerte ich das Preis-Leistungsverhältnis mit mangelhaft. Über den gesamten Campus verteilt, befinden sich zahlreiche Snack- und Kaffeeecken, in denen man sich gerne zwischen Vorlesungen trifft.

Das DKIT bietet bereits fertig gebündelte Lehrveranstaltungspakete (sogenannte Options) für Erasmus-Studenten an. Die Lehrveranstaltungen gehen nicht ganz so tief in die Thematik ein, wie man es von einer deutschen Vorlesung kennt. Der Fokus wird auf die wichtigen Kernthemen gerichtet und diese werden vertieft. Der Vorlesungsinhalt ist umfangreich, aber mit gewissem Maß an Einsatz und Motivation gut zu bewerkstelligen. In Irland setzt sich die Endnote aus mehreren Noten zusammen, nämlich den CA’s (Continuous Assessment) und der Klausur am Ende des Semesters. In vielen Vorlesungen werden zusätzlich noch Tests geschrieben, Präsentationen gehalten und die Gruppenarbeit bewertet. Der Aufwand während des Semesters ist somit um einiges größer als in Deutschland. Ich fand das allerdings sehr hilfreich, da man so das schriftliche Englisch trainiert, bevor am Ende die Klausur geschrieben wird. Eine Klausur dauert in der Regel zwei Stunden und wird zentral im MPC (Sporthalle) absolviert.

Darüber hinaus bietet die DKIT Student Union ein vielseitiges Sport- und Freizeitangebot (Tennis, Fußball, Fechten, Wandern, Kickboxing, Golf...) an, welches für Studenten größtenteils kostenlos ist und das man deshalb auf alle Fälle wahrnehmen sollte.

Betreuung

Die Betreuung an der DKIT ist sehr gut. Das International Office, welches für die Erasmus-Studenten zuständig ist, hilft bei allen Fragen - auch wenn sie nicht das eigentliche Studium betreffen. Ebenso von den Professoren werden jederzeit alle Fragen freundlich beantwortet.

Anerkennung der Studienleistung

Durch die Erstellung des Learning Agreements wurde im Vorfeld bereits abgeklärt, welche Leistungen für welche Kurse angerechnet werden. Änderungen, die sich dann vor Ort ergaben, wurden ohne Probleme bestätigt und anerkannt. Somit war gewährleistet, dass man bezüglich der Studiendauer keine Zeit verliert. Auch nach Rückkehr an die Hochschule Heilbronn wurden die Noten nach Vorgabe des Learning Agreement problemlos ins Notensystem übertragen.

Fazit

Zusammengefasst kann ich einen Auslandsaufenthalt am Dundalk Institute of Technology sowohl aus akademischer als auch aus kultureller Sicht uneingeschränkt weiterempfehlen. Hinzu kommt die gewonnene Lebenserfahrung.

Was ist der Reiz dieser Insel? Sind es die Landschaften, die sanft geschwungenen Hügel, deren Grün intensiver zu leuchten scheint als irgendwo anders? Vielleicht sucht man den Grund auch in der Herzlichkeit der Iren, in ihrem unkomplizierten und einnehmenden Wesen, das jedem Besucher nicht nur in den irischen Pubs ein herzliches céad míle fáilte ein hunderttausendfaches Willkommen entgegenbringt.Ich bin zu dem Schluss gekommen: Es ist alles zusammen und noch viel mehr!

Andreas Kleiner