Austausch zwischen Politik und Hochschule

Vertreter der FDP und der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften Baden-Württemberg (HAW) besuchten die Hochschule Heilbronn

Am 02. Mai 2016 besuchten der Landtagsabgeordnete Dr. Friedrich Bullinger (FDP) und Prof. Dr. Bastian Kaiser, Vorsitzender der Rektorenkonferenz der HAW, die Hochschule Heilbronn, um über die zukünftige Ausrichtung der Hochschule zu diskutieren.

Der Besuch startete am Campus Schwäbisch Hall der Hochschule Heilbronn. Im Oktober 2009 begann die Fakultät Management und Vertrieb mit drei Professoren und 151 Studierenden den Lehrbetrieb. Heute, sieben Jahre später, hat die Fakultät über 1000 Studierende und hat 16 Professuren besetzt. Ihre sechs Studiengänge bilden die zentralen Funktionen von Unternehmen ab. Seit diesem Jahr ist auch der erste berufsbegleitende Masterstudiengang „Systemisches Personalmanagement“ des Heilbronner Instituts für lebenslanges Lernen (HILL) in Schwäbisch Hall gestartet. Ein zweiter konsekutiver Masterstudiengang „Consulting & Controlling“ wird in der Fakultät Management und Vertrieb ab dem Sommersemester 2017 beginnen.

Haller Perspektiven

Mit dem derzeitigen Hauptgebäude im Ziegeleiweg 4 und der Erweiterung in den Bürogebäuden den Herrenäcker, wenige Meter von der Verwaltung entfernt, hat der Campus seine räumlichen Grenzen erreicht. Das Hauptgebäude wurde ehemals für lediglich rund 750 Studierende konzipiert. Daher ist ein dringender Ausbau der Herrenäcker nötig, in denen sich derzeit Büroräume und drei Vorlesungsräume befinden. Des Weiteren ist geplant, einige Halbzüge in Vollzüge umzuwandeln, um noch mehr Studierende für den Standort zu gewinnen. Auch weitere Masterstudiengänge sollen noch ausgebaut werden.

Internationalisierung per Videokonferenz

Auch in Sachen Internationalisierung macht der Campus große Fortschritte. Die Fakultät Management und Vertrieb ist Mitglied in der „Global Academic Initiative“ der East Carolina University in North Carolina (USA). In der Initiative befinden sich 50 Hochschulen aus 30 Ländern, darunter ist die Hochschule Heilbronn – Campus Schwäbisch Hall die einzige aus Deutschland. In der Veranstaltung „Global Understanding“ lernen die Studierenden via Videokonferenz Kommilitonen von unterschiedlichen Hochschulen weltweit kennen. So können sie erste internationale Erfahrungen sammeln, in internationalen Teams arbeiten und ihre Englischkenntnisse vertiefen.

Entwicklungspotenziale

Bullinger kritisierte, dass der Hochschule Ludwigsburg die geplante Außenstelle für den Bereich Gesundheit in Schwäbisch Hall verwehrt wurde. Hochschulratsvorsitzender Steffen dazu: „Das wäre für unsere Region ein Sechser im Lotto gewesen.“ Er wolle sich weiter dafür einsetzen, versprach Bullinger. Auf seine Frage, ob die Hochschule Heilbronn den Standortvorteil eines Goethe-Instituts nutzen wolle, sagte Prof. Dr. Ekkehard Kleine, Dekan am Campus Schwäbisch-Hall, die Hochschule sei mit dem Institut im Gespräch. Bei der Vermittlung der deutschen Sprache und Kultur besitze das Goethe-Institut eine unschätzbare Expertise, die man insbesondere für eine bessere Integration von Geflüchteten an der Hochschule gerne nutzen würde. Rainald Kasprik fügte hinzu: „Optimal wäre ein Studienkolleg für ausländische Studierende wie an der Hochschule Konstanz. Das würde helfen, an einem Studium interessierte Flüchtlinge zügig, unbürokratisch und erfolgreich in unsere Hochschule zu integrieren.“

Hochschulfinanzierung

Nachdem der Prorektor für Studium und Lehre, Prof. Dr. Rainald Kasprik, das Vorhaben einer gemeinsamen neuen Bibliothek der Hochschule, der Dualen Hochschule und der privaten German Graduate School in Heilbronn vorgestellt hatte, machte der Vorsitzende des Hochschulrats, Erhard Steffen, am Beispiel der Digitalisierung eine grundlegende Problematik deutlich: „Die Hochschule hat angesichts der überragenden Bedeutung der Digitalisierung zweifellos eine Bringschuld und müsste beispielsweise noch mehr virtuelle Studienangebote entwickeln. Hierfür fehlen aber die finanziellen Mittel. Heilbronn ist eine der Hochschulen, die in weit überdurchnittlichem Maße in den letzten Jahren neue Studienplätze eingerichtet haben. Der Hochschulfinanzierungsvertrag des Landes mit den Hochschulen bestraft dieses Engagement geradezu. Für die Hochschulen, die stark gewachsen sind, sollte deshalb nachverhandelt werden.“ Der HAW-Vorsitzender, Prof. Dr. Kaiser konkretisierte die Darstellung des Hochschulratsvorsitzenden: „Es wurden zwar bisher befristete Mittel für die Hochschulen in unbefristete umgewandelt, wodurch sich rein rechnerisch die Grundfinanzierung einer Hochschule erhöht, die bisher viel auf Programmbasis gearbeitet hat. Frisches Geld kommt davon aber nicht in ihr Budget. Im Gegenteil, die Hochschulen sehen sich nun mit der allgemeinen Erwartung konfrontiert, bisher befristete Stellen in unbefristete umzuwandeln. Da unbefristete Stellen eine Hochschule aber teurer kommen als befristete, müssen sich die Hochschulen in der Folge des Hochschulfinanzierungsvertrags von guten Leuten trennen.“ Der Abgeorndete Dr. Bullinger sagte zu, dass sich die FDP-Landtagsfraktion auch weiterhin dafür einsetzen werde, diese Unwucht des Hochschulfinanzierungsvertrags auszugleichen. „Gerade aufgrund ihrer Wirtschaftsnähe sind die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften die Innovationsmotoren schlechthin. Leistungsträger dürfen nicht ausgebremst werden. Ein Ausgleich für die im Hochschulfinanzierungsvertrag schlechter gestellten HAW ist deshalb eigentlich selbstverständlich – und eine Vermeidung künftiger Nachteile das Mindeste, was eine zukünftige Landesregierung tun muss.“

Heilbronner Perspektiven

Beim anschließenden Besuch des Neubaus am Europaplatz in Heilbronn empfingen Prof. Dr.-Ing. Oliver Lenzen, Geschäftsführer Prorektorat Forschung und Lehre, und Prof. Dr. Mathias Moersch, Dekan der Fakultät für International Business, neben den bisherigen Delegationsteilnehmern auch den neu gewählten Heilbronner FDP-Abgeordneten Nico Weinmann. Weinmann, der im neuen Landtag auch Mitglied des Wissenschaftsausschusses sein wird, machte noch einmal deutlich, welch großer Zugewinn der Neubau am Europaplatz nicht nur für die Hochschule, sondern auch für Heilbronn und die gesamte Region bedeute: „Das Aufstreben Heilbronns als Hochschulstandort und das wirtschaftliche Wachstum unserer Region gehen Hand in Hand. Der Technologietransfer von den Hochschulen in die Wirtschaft sichert Wohlstand und Beschäftigung. Ich werde mich im Wissenschaftsausschuss dafür einsetzen, dass die Hochschulpolitik des Landes die Belange der Wirtschaftsbetriebe im Blick behält.“

Angewandte Forschung

Beim Rundgang durch die Labore und die Lernfabrik der technischen Fakultäten am Standort Heilbronn-Sontheim konnte sich die Delegation ein Bild von der vielfältigen und hochspezialisierten Tätigkeit der Hochschule Heilbronn im Bereich der angewandten Forschung machen. Dennoch mangele es bei der Forschung an den HAW und so auch in Heilbronn nicht nur an finanziellen Mitteln, sondern auch an Flächen, erläuterte Prof. Lenzen. „Wir haben ein Forschungsbudget von gerade einmal 1,8 Millionen Euro. Eine weitere Expansion ist nicht möglich. Selbst wenn es gelänge, sie zu finanzieren, könnten größere Maschinen bei uns nicht mehr aufgestellt werden“, so Lenzen. Prof. Dr. Bastian Kaiser von den HAW fügte hinzu, dass die Forschung in der Grundfinanzierung der HAW nicht berücksichtigt werde. „Die HAW haben einen Auftrag zur Angewandten Forschung. Auch im Interesse unserer Partner in der mittelständischen Wirtschaft reicht ein Programm von acht Millionen Euro pro Jahr für alle HAW in Baden-Württemberg bei Weitem nicht mehr aus.“ Der FDP-Abgeordnete Bullinger mahnte hierzu an, Versäumtes nachzuholen: „Investitionen in die Angewandte Forschung ermöglichen gerade kleineren und mittleren Betrieben in der Fläche des Landes, an der Forschung mitzuwirken. Das kommt nicht nur der jeweiligen Raumschaft zugute, sondern der Wirtschaft und unserem Wohlstand insgesamt. Dringend erforderlich wäre deshalb eine Forschungsförderung, die beispielsweise das Einwerben von Forschungsmitteln aus der Wirtschaft belohnt.“