Projekt beSt

Work-based Learning als didaktisches Konzept

Der Begriff Work-based Learning stammt aus dem angelsächsischen Raum und beinhaltet „[…] das im Arbeitsprozess begründete Lernen" (Sroka, 2004:4). Es umfasst im einfachsten Sinn das Element des Lernens und die Tatsache, dass dieses Lernen, im Gegensatz zum formal-schulischen Kontext, am Arbeitsplatz stattfindet.

Der Wissens- und Kompetenzerwerb beim Work-based Learning erfolgt in der Praxis.

Es entsteht folglich eine enge Beziehung zwischen Arbeitgeber, dem Lernenden und der Bildungseinrichtung:

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Diese engen Beziehungen bedürfen besonderer Aufmerksamkeit, da es zu Spannungen innerhalb der gesamten Dreieckskonstellation Bildungseinrichtung, Arbeitnehmer und Unternehmen kommen kann. Demnach ist Work-based Learning nur dann erfolgreich, wenn die Rahmenbedingungen hierfür sachlich und kompetent ausgehandelt werden, sodass alle drei Parteien von diesem Ansatz profitieren können. Nach Boud und Solomon (2001:5) ist insbesondere eine unterstützende Infrastruktur, die das Lernen in diesem besonderen Kontext ermöglicht, wichtig, sowie die Einbeziehung der spezifischen Bedürfnisse am Arbeitsplatz in die Lernprojekte.

Alle drei Stakeholdergruppen haben in der Regel unterschiedliche Vorstellungen und Erwartungshaltungen, was den Lernprozess angeht. Daher ist es von großer Bedeutung, dass zu Beginn der Projekte eine offene Kommunikation über die Ausgestaltung dieser Lernform stattfindet, einschließlich der Leistungs-Bewertung. Nach Brennan und Little (1996:5) kommt der Aushandlung zwischen dem Lernenden, dem Arbeitgeber und der Hochschule eine Schlüsselrolle für den Erfolg von Work-based Learning zu.

Bezüglich der berufsbegleitenden Studiengänge der Hochschule Heilbronn wird das Partnerschaftsmodell zwischen Hochschule, Studierendem und Unternehmen stark durch die Initiative der Studierenden geprägt. Obwohl die Unternehmen keinen Studienvertrag mit den Studierenden abschließen, funktioniert die Betreuung von Unternehmensseite in den meisten Fällen gut. Allerdings liegt bisher die Verantwortung bei den Studierenden, die eigeninitiativ einen engagierten Betreuer finden müssen. Einige Unternehmen haben Schwierigkeiten, den Mehrwert dieser Lernform zu erkennen und für sich zu nutzen. Seit dem Start der ersten Studienkohorten ist zu beobachten, dass mit größerem Bekanntheitsgrad des berufsbegleitenden Studiums in der Region auch die Akzeptanz und Unterstützung von Seiten der Unternehmen steigt.

Die Begleitforschung zu Work-based Learning hat ergeben, dass das überkommene akademische System an deutschen Hochschulen stark auf Standardisierung beruht, insbesondere was die Bewertung von Studienarbeiten und den hochschulspezifischen Kompetenzerwerb angeht. Der didaktische Ansatz von Work-based Learning zielt jedoch auf individualisiertes Lernen am Arbeitsplatz ab. Dies ist schwer mit den an Hochschulen üblichen standardisierten Bewertungskriterien zu vereinbaren. Dadurch kommt es zu einem Spannungsfeld zwischen Individualisierung und Standardisierung, ein Problemfeld, das bei der zukünftigen Gestaltung der On-the-Job Projekte berücksichtigt werden muss.

Die Begleitforschung und die Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass es sich bei berufsbegleitend Studierenden um eine heterogene Zielgruppe handelt. Diese Heterogenität trifft auch auf die Unternehmen zu. Die Forschungsergebnisse verdeutlichen, dass sich die Betreuung von Seiten der Unternehmen im Rahmen der On-the-Job Projekte sehr unterschiedlich gestaltet, allerdings für das Gelingen der Projektarbeit von höchster Relevanz ist. Die Hochschule muss sich demnach zukünftig mehr um die Betreuung der Unternehmen kümmern, um mehr Verständnis für diese Lernform und somit bessere Bedingungen zur Umsetzung der On-the-Job Projekte zu schaffen.

Die konkreten Empfehlungen für die Praxis, die sich aus den Forschungsergebnissen ableiten lassen, umfassen sowohl eine Flexibilisierung der Themenauswahl und eine Intensivierung der Unternehmensbetreuung seitens der Hochschule, als auch konkretere Vorgaben, was die Betreuung seitens der Unternehmen angeht, da sich diese als entscheidender Faktor für das Gelingen der Om-the-Job Projekte erwiesen hat.

Empfehlenswert für den Bachelor Maschinenbau wäre im Abrücken von der bisherigen Vorgehensweise ein Pool aus Hochschulbetreuern, die On-the-Job Projekte aus ihrem jeweiligen Fachbereich betreuen, und zwar semesterübergreifend für Studierende verschiedener Semester, deren Interesse in diesem Fachbereich liegt. Der Vorteil bestünde in kleineren zu betreuenden Gruppen im Gegensatz zu einer gesamten Kohorte (bisherige Vorgehensweise), und einer stärkeren Ausrichtung auf die im Unternehmen vorhandenen Fragestellungen.

Die Partnerschaft mit den Unternehmen und die konkrete Betreuung der Studierenden seitens der Unternehmen während der On-the-Job Projekte sollten zukünftig formal festgelegt werden. Dabei muss jedoch individuell auf die jeweiligen Unternehmensbesonderheiten eingegangen werden, wodurch ein Mehraufwand in der Programmplanung entsteht. Dem steht der Nutzen einer stärkeren Individualisierung des Studiums gegenüber, was einer heterogenen Zielgruppe entgegen kommt.

Eine intensivere Partnerschaft zwischen Hochschule und Unternehmen könnte in Form einer On-the-Job Projekt "Kick-Off Veranstaltung", die für die Unternehmensbetreuer und Studierenden verpflichtend sein sollte, realisiert werden. Eine solche Kick-Off Veranstaltung würde auch einer Vernetzung der Unternehmen untereinander sowie einem besseren Informationsfluss dienen. Ein insgesamt größeres Engagement seitens der Unternehmensbetreuer könnte dadurch erzielt werden, dass man diese in die formale Bewertung der On-the-Job Projekte mit einbezieht, auch um ein größeres Verantwortungsbewusstsein für die Weiterbildung der Mitarbeiter zu schaffen. Hierfür ist es jedoch notwendig, vorab zu konzeptualisieren, wie der persönliche Kompetenzerwerb im Unternehmen über die formalen Prüfelemente Projektbericht und Präsentation hinaus, in eine umfassendere Bewertung und Beurteilung einfließen kann.