Wirtschaftsinformatik (WIN)

Praktikum in Ecuador, Quito

Ein praktisches Auslandssemester liefert wertvolle Erkenntnisse über das Arbeiten in anderen Kulturkreisen und bietet die Möglichkeit, profitable Kontakte zu internationalen Firmen zu knüpfen.

Ecuador ist ein Land im Westen Südamerikas mit knapp 14 Millionen Einwohnern. Die Amtssprache Spanisch bietet die Möglichkeit, die Sprachkenntnisse auf diesem Gebiet  weiter auszubauen. Die Hauptstadt Quito liegt ca. 2850 Meter hoch und ist somit die zweithöchste Landeshauptstadt der Erde.

In Ecuador gibt es neben Niederlassungen vieler internationaler Konzerne auch Ableger deutscher Firmen, insbesondere aus dem Pharmazie-Bereich. Interessierten Studenten ist bei der Suche nach einem geeigneten Praktikumsplatz eine Kontaktaufnahme mit der deutsch-ecuadorianischen Handelskammer zu empfehlen. Unterkunft kann bei einer der vielen Gastfamilien (Informationen hierüber sind ebenfalls über die Handelskammer zu beziehen) oder in günstigen Pensionen bezogen werden.

Früh mit den Vorbereitungen beginnen

Der Kontakt zu meinem späteren Praktikumsunternehmen – der SIGNUM Ltd. – kam ebenfalls über die Auslandshandelskammer zu Stande. Die Arbeitsweise in Ecuador kann als „typisch südamerikanisch“ beschrieben werden – die Leute sehen die meisten Dinge etwas entspannter und lassen sich von der Arbeit nicht aus der Ruhe bringen. Dies sollte man bei der Planung eines Praktikums berücksichtigen und mit der Vorbereitung mindestens fünf Monate vorher beginnen. An dieser Stelle sei erwähnt, dass es äußerst aufwändig ist, ein Visum für Ecuador zu bekommen – letztendlich hatte mein Visumsantrag 18 (!) Anlagen (ärtzl. Atteste, pol. Führungszeugnisse, finanzielle Bescheinigungen u.ä.) und kostete rund 150 Euro. Der finanzielle Aspekt ist ebenfalls gleich zu Beginn der Planungen zu berücksichtigen – Praktikanten erhalten in Ecuador aber auch in fast allen anderen Ländern Südamerikas) keine Vergütung. Dies liegt nicht an der ausbeuterischen Absicht der Unternehmen, sondern ein Entgelt ist einfach nicht üblich. Eventuell besteht aber bei deutschen Unternehmen vor Ort die Möglichkeit, zumindest Wohnzuschüsse zu erhalten.

Arbeiten in Südamerika - "Das Land der Vielfalt"

Die Arbeit in Ecuador bei SIGNUM Ltd. – meinem Praktikumsunternehmen – machte mir sehr viel Spaß und war von großer Eigenverantwortlichkeit gekennzeichnet. Meetings wurden zu Beginn auf Englisch, mit zunehmender Praktikumsdauer und Verbesserung meiner Sprachkenntnisse auch auf Spanisch abgehalten. Besonders das Arbeiten in einem anderen Kulturkreis erweitert den eigenen Erfahrungsschatz erheblich. Die südamerikanische Arbeitseinstellung ist von einer großen Gelassenheit geprägt. Die Leute lassen sich nicht schnell aus der Ruhe bringen und sehen alles sehr entspannt – auch bei sehr kritischen Phasen, wie sich bei der Zusammenarbeit mit Kunden schnell zeigte. Die deutsche Gründlichkeit und Pflichtbewusstheit wird von den Einheimischen sehr schnell zu schätzen gelernt, was das eigene Arbeiten nach einer Einarbeitungszeit sehr angenehm macht und zu hoher Eigenverantwortung führt. Meine Kollegen waren sehr freundlich und hilfsbereit und ich wurde schnell integriert. Das südamerikanische Temperament („himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt") lernt man schnell kennen, es wirkt sich aber auf die Arbeit nicht nachteilig aus. Speziell während meiner Projekte konnte ich viele bereits im Studium gewonnenen Erkenntnisse einsetzen und erweitern. Meine Chefs waren sehr entgegenkommend und dankbar für meinen Einsatz. Wie bereits angeklungen, bekam ich für die Arbeit keine Vergütung. Bei Projektabschluss spendierte mir mein Chef allerdings einen mehrtägigen Erholungsurlaub in einem Thermal-Bad, den ich nach dem Praktikum auch gut gebrauchen konnte.

Fazit

Abschließend kann ich auf eine sehr erlebnisreiche, lehrreiche Zeit zurückblicken. Sicher ist ein Praktikum in einem außereuropäischen, relativ unstabilen Land wie Ecuador gut zu überlegen, aber für Studenten, die neben der Arbeit auch ein kleines Abenteuer nicht scheuen, durchaus zu empfehlen.

positiv negativ
internationales Umfeld / internationale Erfahrung Kosten (Visum, Wohnung, Lebensunterhalt)
Kennenlernen eines neuen Landes / einer neuen Kultur Bürokratie
Ausbau von Softskills Kriminalität
Wertvolle Kontakte fremder Kulturkreis
Sprachkenntnisse (Englisch/Spanisch) Risiko (Unterkunft, Unternehmen u.ä.)
Vielfältige Reisemöglichkeiten
USP im Lebenslauf

Markus Matschi