Betriebswirtschaft und Sozialmanagement (BS)

Alternde Gesellschaft und Pflegenotstand

Emotionale Intelligenz als Schlüssel zur Personalbindung

Die Alterung der Gesellschaft und der damit verbundene demographische Wandel sind allgegenwertig. Eine Branche, die gleich auf zwei Ebenen von dieser Entwicklung betroffen ist, ist der Pflegesektor. Allein der zunehmende Fachkräftemangel hat hier bereits beachtliche Auswirkungen. Gleichzeitig sorgt aber die immer stärkere Überalterung der Gesellschaft für einen erhöhten Pflegebedarf. Dies bedeutet zusammengefasst, dass das Angebot von hochqualifizierten Pflegekräften sinkt, während gleichzeitig die Nachfrage nach eben diesen Personen steigt.

Wer in der Pflege tätig ist, steht im Arbeitsalltag vielen Belastungen gegenüber. Geht es um den Umgang mit Pflegebedürftigen, braucht es weit mehr als nur medizinisch-pflegerische Kenntnisse. Hier sind soziale und emotionale Kompetenzen noch viel stärker gefordert als in anderen Branchen. An dieser Stelle sieht die Forschergruppe unter der Leitung von Prof. Dr. Tiebel von der Reinhold-Würth-Hochschule der Hochschule Heilbronn in Künzelsau eine Möglichkeit, der steigenden Fluktuation und dem Fachkräftemangel im Pflegesektor entgegenzuwirken. Denn emotionale und soziale Intelligenz kann erlernt werden. Studien der Harvard Medical School und der UTC London zeigen, dass emotionale Kompetenz trainierbar ist. Sozialneurologie ist das Stichwort: Die Hirnforschung zeigt uns inzwischen, welche wirksamen Trainingsmöglichkeiten es für das Gehirn gibt.

Im Rahmen eines Forschungsprojekts sind die Probleme rund um den Fachkräftemangel aus Sicht des Human Ressource Managements beleuchtet worden. Hierzu wurde ein Trainingskonzept entwickelt und evaluiert, welches die sozialen und emotionalen Kompetenzen der Fachkräfte verbessert und somit einen Beitrag zur Gesundheitsförderung leistet. Letztendlich geht es um die Stärkung der Resilienz. In diesem Training spielen Hunde eine besondere Rolle, da ihre sozial-kognitiven Fähigkeiten besonders stark ausgeprägt sind und sie unmittelbar auf die Signale von Menschen reagieren.

Durch Kooperationen und Kontrollgruppen, wie z.B. Industrie- und Kulturbetrieben, wird das Training kontinuierlich durchgeführt und ausgewertet. Es bestehen internationale Kontakte zu Ethnologen, Psychologen und Neurobiologen. Das Forschungsprojekt wurde von der Stiftung Würth gefördert.