Software Engineering (SEB)

Individuelles Lerntempo in der Programmierung

Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst hat seit 2011 einen dreijährigen Innovations- und Qualitätsfonds (IQF) angelegt und schreibt regelmäßig Lehrprojekt-Förderungen aus (http://mwk.baden-wuerttemberg.de/service/aktuelle_ausschreibungen/)

Prof. Dr. Ulrike Jaeger (Studiengang SE) bekam für ihren Antrag "Wertschätzende Begleitung im individuellen Lerntempo für Erstsemester und Wiederholer in der Programmierung" knapp 10.000 Euro Fördergelder bewilligt.

Programmieren Lernen erweist sich weltweit als problematisch, vergleichbar mit den Erfahrungen in der Mathematik. Seit Jahren erleben wir relativ große Klassen (50-60 Personen) in der Erstsemesterveranstaltung, die fast zur Hälfte aus Wiederholern besteht, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten aus der Veranstaltung im vergangenen Semester ausgestiegen sind und nun einen Neuanfang wagen. Da wir Lehrende in dieser Veranstaltung alternieren, wechselt auch der Unterrichtsstil, was für Wiederholer eine neue Chance bedeutet, den Stoff auf ganz andere Weise noch einmal anzugehen.

Heterogenität entsteht deshalb allein schon durch sehr unterschiedliche Lernerfahrung von absoluten Anfängern der echten Erstsemester bis zu "fast" bestandenen Zweitsemestern, zusätzlich zu ihren individuellen fachlichen Vorkenntnissen und Vorerfahrungen in Schule und Hobby. Hinzu kommen deutliche Unterschiede im soziokulturellen Hintergrund und Gender. Diese sehr heterogene Gruppe kann man nicht sinnvoll im Frontalunterricht zusammenfassen.

Wir arbeiten deshalb seit einigen Jahren mit individuellem Lerntempo, das die individuellen fachlichen Stärken und Schwächen beachtet, was allerdings nicht ohne aufwendige Betreuung geht. Der Unterricht macht die Praxisphase zum Zentrum, in der aktives Arbeiten mit Aufgaben Pflicht ist. Es gibt kaum Zentral-Unterricht, sondern kleine fachliche Mini- Lektionen für Gruppen von Interessierten. Die Studierenden brauchen besonders in diesem Fach viel Feedback und Anregung, sonst fallen sie in eine passive rezeptive Rolle zurück, die beim Erlernen einer Programmiersprache kontraproduktiv ist. Um sie aktiv zu halten, werden viele ausgearbeitete Übungen und Beispiele herangezogen. Eine gute Basis ist der Ansatz von BlueJ, das von einem guten Buch unterstützt wird (Barnes und Kölling (2009): Java lernen mit BlueJ, Pearson Studium, übersetzt von Axel Schmolitzky).

Details zu diesem Unterrichtsprojekt finden sich in (Benz, Jaeger (2011) We are All in the Same Boat: Changes Phases Towards PBL. In Proceedings of International Conference on Education, Research and Innovation ICERI, Madrid, Spain, November 2011) und wurden im Sommer 2013 auf dem Internationalen Summer Workshop in Hagenberg, Österrreich vorgestellt.