Prof. Dr. Kathrin Köster

Lehrphilosophie: Bewusstseins-Basiertes Lernen BBL

Eine Welt, die sich im Umbruch befindet, braucht Menschen, die sich grundsätzlichen Veränderungen nicht entziehen wollen, sondern sie als Chance begreifen, um neue Strukturen zu erschaffen, die dazu angetan sind, die mannigfaltigen Herausforderungen, denen wir uns gegenübersehen, anzugehen und im Einklang mit sich selbst, der Gesellschaft und der Natur zu leben und zu arbeiten.

Um solche Menschen hervorzubringen, bedarf es meiner Meinung nach einer Erweiterung und Transformation des traditionellen akademischen Bildungssystems in Deutschland.

Warum? Die Studienprüfungsordnungen sind mit Fachwissen und Faktenwissen überfrachtet, das in der Regel auswendig gelernt wird, in der Praxis nicht immer von Relevanz und zum Teil rasch überholt ist. Das Wissen wird oft unhinterfragt gelehrt und gelernt, und durch die fehlende, kritische Auseinandersetzung mit den gelehrten Konzepten wird die Bereitschaft zur Erlangung gänzlich neuer Erkenntnisse sowie fundierter persönlicher Ansichten erschwert. Mit ihren vorgegebenen Strukturen einschließlich der Leistungsnachweise sind die Studienprüfungsordnungen sehr unflexibel und nur mühsam veränderbar. Das Betreuungsverhältnis zwischen Studierenden und Lehrenden ist insbesondere an Universitäten sehr ungünstig, so dass die Lehrenden sich nicht im Sinne von integrativer Bildung mit den einzelnen Studierenden in ausreichendem Maße befassen können. Darüber hinaus fehlt es an Räumlichkeiten, um Arbeiten in kleinen Gruppen oder persönliche Gespräche zu ermöglichen. Die Anreizstrukturen für die Lehrenden sind nicht dazu angetan, Experimentierfreudigkeit und somit das Schaffen von neuen Ideen, insbesondere Lehrkonzepten und Lehrinhalten, zu begünstigen.

Wir benötigen neue Ansätze, die über das bisherige System hinausgehen (vgl. meine „Vision“, die eine Möglichkeit aufzeigt, wie integratives Lernen in kleineren, gesonderten Umgebungen für eine Erprobung dieser neuen Ideen umgesetzt werden könnte). Im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten konzipiere ich bereit jetzt Inhalt und Methodik meiner Fächer so, dass ein erweiterter, integrativer Lernprozess möglich ist, ein Lernen, das ich „Bewusstseins-Basiertes Lernen“ (BBL) nenne. Es geht über die traditionelle Wissensvermittlung hinaus hin zur Wissensanwendung und zielt im Sinne einer Symbiose von klassischem westlichen Denken und traditionellem ostasiatischen Denken auf das Heranbilden von ‚Weisheit‘, was mentale Aspekte mit emotionalen Aspekten verknüpft, sowohl auf der abstrakten als auch auf der Handlungsebene. Basierend auf der Einheit von Körper, Geist und Seele soll die lernende Person dazu befähigt werden, auf allen ihr zur Verfügung stehenden Kanälen im Sinne eines kontinuierlichen Erfahrungs- und Selbstreflexionsprozesses ihre Potenziale zu erkennen und auszubauen. Dabei gilt die Prämisse, dass nicht die Grenzen des Bekannten erlernt und erforscht werden, sondern dass die Grenzen überwunden werden und das Unbekannte als Teil unserer Realität begriffen wird.

Hintergrund: Lern- und Lehrumfeld

An den Hochschulen bilden wir Menschen aus, die in einem von Volatilität, Unsicherheit, Komplexität, Ambiguität, Diversität und Dynamik (kurz VUKAD2) geprägten globalen Umfeld lernen und arbeiten:





Bewusstseins-Basiertes Lernen bildet Menschen mit den geeigneten Inhalten, Lehr- und Lernmethoden dergestalt heran, dass sie in einem solchen Umfeld kreativ wirken können.