Kurs auf Nachhaltigkeit? 

Studierende der Hochschule Heilbronn nehmen den Tourismus auf der Insel Sylt unter die Lupe


Während einer sechstägigen Exkursion auf die Nordseeinsel Sylt gewannen die Studierenden des Master-Studienganges „Nachhaltige Tourismusentwicklung“ vielfältige neue Einblicke. In Gesprächen mit Tourismusexperten und Einheimischen gingen sie verschiedenen Fragestellungen nach, um Ideen für einen nachhaltigen Sylt-Tourismus der Zukunft zu sammeln. 

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Luxushotellerie in Kombination mit Nachhaltigkeit?


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Ortstermin in der Hotelbibliothek – NTE-Studierende im Hotel Budersand

Dieser Frage gingen die Studierenden bei der Besichtigung des Hotel- und Golfresort Budersand in Hörnum nach. Hoteldirektor Rolf Brönnimann erläuterte das bauliche Konzept des an die Landschaft angepassten Resorts auf einem ehemaligen Kasernengelände, das unter Beteiligung der verschiedenen Akteure und Interessensgruppen entwickelt und umgesetzt wurde.

Aktiv bemüht sich das Hotel um ein ressourcenschonendes und effizientes Energieversorgungskonzept, das u.a. auf Klimaanlagen verzichtet. Das Hotel fördert zudem die Elektromobilität seiner Gäste, setzt auf biologische Reinigungsmittel und bietet seinen Gästen mit Öko-Textilien ausgestattete „Green Rooms“, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Auch mögliche Lösungsansätze für den Fachkräftemangel, der für den Sylter Hospitality-Sektor ein Problem darstellt, kamen zur Sprache.

Wie können Naturschutz und Tourismus in einem fragilen Naturraum in Einklang gebracht werden?

Dass die fragilen Ökosysteme wie Strand, Dünen, Heide und Wattenmeer das größte Kapital für den Sylt-Tourismus darstellen, steht außer Frage. Wie jedoch dieses Kapital zu schützen und mit einer wirtschaftlichen Nutzung in Einklang gebracht werden kann, darüber gibt es verschiedene Vorstellungen. Derzeit sagen die Inselgemeinden Mikroplastik und Plastikmüll den Kampf an. In Kooperation mit der örtlichen Gastronomie setzen sie u.a. auf Mehrwegbechersysteme; Plastiktüten sollen von der Insel komplett verbannt werden. Gäste wie Einheimische beteiligen sich an Strandsäuberungsaktionen, und Strandmüllsammelboxen wurden an einigen Orten aufgestellt.

Wie schwierig es ist, den natürlichen Reichtum der Insel und die Biodiversität zu bewahren, darüber redeten die Studierenden mit engagierten Bewohnern und Naturschützern an verschiedenen Orten der Insel. 

Tiefere Einblicke in die fragile Ökologie der sich ständig dynamisch verändernden Naturlandschaft boten sich unter der fachkundigen Führung des Sylter Naturschutzexperten Werner Mansen in Kampen. Obgleich ein Großteil der Insel sowie der sie umgebende Meeresraum unter Naturschutz gestellt wurden, finden Maßnahmen zur Besucherlenkung und Begrenzung touristischer Aktivitäten nicht überall Anklang. Auch muss der Naturschutz sich mit dem Küstenschutz arrangieren. Denn insbesondere die den Naturgewalten besonders ausgesetzte Westküste der Insel ist permanent von Sturmfluten und Landverlusten bedroht und muss durch kostspielige Sandvor- bzw. –aufspülungen stabilisiert werden.


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Naturkundliche Führung am Roten Kliff in Kampen

Moritz Luft, Geschäftsführer der Sylt Marketing GmbH, betont mit der Kampagne „Natürlich Sylt“, wohin aus seiner Sicht der Inseltourismus der Zukunft gehen soll. Dies unterstreicht auch der Bürgermeister der Gemeinde Sylt, Nikolas Häckel. Die Stromversorgung der Insel erfolgt inzwischen komplett aus Ökostrom, und die eMobilität soll weiter vorangebracht werden. Bürgermeister Häckel ist stolz darauf, dass seine Insel bundesweit die größte Dichte an Elektroautos und eLadesäulen aufweist. 


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Gesprächsrunde mit Bürgermeister Nikolas Häckel im Rathaus der Gemeinde Sylt

Wie kann Sylt mobil bleiben?

Offen bleibt dennoch, wie eine nachhaltige Erreichbarkeit der Insel und die Mobilität von Einheimischen, Berufspendlern und Touristen dauerhaft sichergestellt werden kann. Der Personen- und Kfz-Transport über die Bahnverbindung vom Festland hat schon jetzt die Kapazitätsgrenzen erreicht. Nicht nur der motorisierte Verkehr, sondern sogar die Zunahme des tourismusbedingten Fahrradverkehrs auf Sylt werden von manchen Gesprächspartnern als Probleme mit Handlungsbedarf betrachtet. Aufgrund der Engpässe bei der Bahn wird der Sylter Flughafen für die Erreichbarkeit der Insel auch zukünftig unverzichtbar sein.