Projekt beSt

Rückblick 6 Jahre Projekt beSt

Auf- und Ausbau der wissenschaftlichen Weiterbildung an der Hochschule Heilbronn - ein Rückblick

An den Hochschulen in Deutschland ist das Thema lebenslanges Lernen in den vergangenen Jahrzehnten mehr und mehr in den Fokus der strategischen Ausrichtungen gerückt. Insbesondere durch den Bund-Länder-Wettbewerb „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“ konnten Entwicklungsprozesse unterstützt sowie der Auf- und Ausbau von Studienangeboten in unterschiedlichen Formaten und Organisationsstrukturen für verschiedene Zielgruppen an den Hochschulen gefördert werden (Wolter/Banscherus/Kamm, C (Hrsg.) (2016); Hanft/Brinkmann/Kretschmer/Maschwitz/Stöter (2016); Cendon/Mörth/Pellert (Hrsg.) (2016))

Mit der strategischen Entscheidung, wissenschaftliche Weiterbildung neben der grundständigen Lehre und Forschung aufzubauen, betrat die Hochschule Heilbronn im Jahr 2011 Neuland. Für die Etablierung der wissenschaftlichen Weiterbildung war es daher wichtig, sich der besonderen Rahmenbedingungen und anspruchsvollen Herausforderungen an einer Hochschule bewusst zu sein, bzw. sich diejenigen bewusst zu machen, die mit einer solchen strategischen Entscheidung verbunden sind. Solche Rahmenbedingungen bestehen zum einen darin, dass sich berufsbegleitende Studienprogramme an neue Zielgruppen von Studierenden richten. Diese sind berufstätig und bringen damit vielfältige Lebens- und Berufserfahrungen sowie Kenntnisse aus dem beruflichen Alltag mit. Sie stellen neue und andere Anforderungen an die Planungs- und Entwicklungsprozesse von Studienprogrammen. Dies galt es sowohl bei der inhaltlichen als auch bei der didaktischen und organisatorischen Ausgestaltung der Programme zu beachten. Zum anderen sind diese Programme durch Studienentgelte kostendeckend zu finanzieren. Eine öffentlich-rechtliche Organisation wie die Hochschule, die kostenpflichtige Angebote entwickelt und diese für eine neue Gruppe an Studierenden anbietet, sieht sich damit den Marktkräften ausgesetzt und muss diese entsprechend in ihre Planungs- und Entwicklungsprozesse einbeziehen. In einem politischen und rechtlichen Umfeld, das durch starke Interventionen und Einschränkungen geprägt ist, muss eine Hochschule im Gegensatz zu privatwirtschaftlichen Organisationen anders handeln. Mit der Einführung kostenpflichtiger Weiterbildungsangebote gewinnt damit das makroökonomische Umfeld an Bedeutung, das von zahlreichen, konkurrierenden Weiterbildungsangebote verschiedener Hochschulen gekennzeichnet ist. Hinzu kommt ein sich ständig änderndes technologisches und gesellschaftliches Umfeld, in dem es im Sinne von wissenschaftlichen Weiterbildungsprogrammen angemessen zu operieren gilt. 

Um den o.g. Herausforderungen gerecht zu werden und den gestellten Ansprüchen zu genügen, setzte sich die Hochschule Heilbronn mit dem Projekt beSt - berufsbegleitendes Studium nach dem Heilbronner Modell im Rahmen des Wettbewerbs "Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen" in beiden Förderphase (10/2011 bis 09/2017) das Ziel, Weiterbildungsangebote so zu entwickeln und anzubieten, dass diese Angebote passgenau, nachfrageorientiert und praxisnah entwickelt und ausgerichtet werden.

Für die Erreichung dieser Zielsetzung bestand für das Projekt beSt einerseits die Aufgabe darin, einen Programmkonzeptionierungsrahmen für berufsbegleitende Studienangebote zu entwerfen und zu erproben. Grundlegend für die Entwicklung des Programmkonzeptionierungsrahmens war dabei eine systematische Umweltanalyse. Weiterbildungsangebote der Hochschule Heilbronn sollen zum Umfeld passen, d.h. von Studieninteressierten und der Wirtschaft nachgefragt werden, sowie den Anforderungen aller anderen internen und externen Stakeholder Genüge leisten. Diese Aufgabe ist eine komplexe Herausforderung für eine Hochschule, die im Gegensatz zu privatwirtschaftlichen Unternehmen in der Regel aufgrund ihrer institutionellen Historie über wenig stark ausgeprägte Kompetenzen im strategischen Management verfügt.

Bei der Entwicklung des Programmkonzeptionierungsrahmens wurden deshalb gezielt Herangehensweisen und Instrumente (z.B. Stakeholderanalyse, Empathy Map) aus dem Managementbereich mit bildungswissenschaftlichen Ansätzen verknüpft. Im Sinne der Effektivität wurde auf bestehenden Studien und Erkenntnissen aufgebaut (vgl. Köster et al. 2014a). Damit setzt der entwickelte Programmkonzeptionierungsrahmen ein grundlegendes Wissen über die gängige Vorgehensweise der Konzeptionierung und Etablierung grundständiger und berufsbegleitender Studiengänge voraus und nutzt diese.

Neben der Entwicklung und Erprobung des Programmkonzeptionierungsrahmens bestand für das Projekt beSt die Aufgabe darin, didaktische Konzepte zu entwickeln, die dem Anspruch von wissenschaftlicher Weiterbildung an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften gerecht werden. Im Kontext des Projekts wurde daher der didaktische Ansatz des Heilbronner Modells erarbeitet. Die Besonderheit des Modells besteht darin, dass der Wissenstransfer durch Work-based-learning in Form von sogenannten „On-the-Job-Projekten“ im Studium umgesetzt werden. On-the-Job-Projekte sind gemäß des Heilbronner Modells eine Modulform, bei der die Bearbeitung unternehmensspezifischer Themenstellungen in das Studium integriert wird. Dabei wird die Problemlösung akademisch reflektiert und begleitet. Die Herausforderung für die Hochschule Heilbronn bestand darin, die On-the-Job Projekte so als Modulform auszugestalten, dass individuelles Lernen der Studierenden fokussiert und gleichzeitig das Arbeitsumfeld der Studierenden individuell berücksichtigt wird.

Des Weiteren wurde im Rahmen des Heilbronner Modells das Praxisportfolio entwickelt, welches die selbstständige Identifizierung von Problemen und deren Lösungsansätzen im beruflichen Kontext der Studierenden fördert. Durch die selbstständige Identifizierung von Problemen und deren Lösungsansätzen im beruflichen Kontext soll die Reflexionsfähigkeit der Studierenden gesteigert und die Auseinandersetzung mit der eigenen und zukünftigen Profession gestärkt werden. Das Praxisportfolio setzt sich aus den Elementen „Lerntagebuch“, „Coachings“ und der „modulgebundenen Reflexion“ zusammen.

Die Entwicklung und Ausgestaltung solcher anspruchsvollen neuen berufsbegleitenden Weiterbildungsangeboten stellt besondere Anforderungen an die Konzeption, Organisation und Durchführung der Studienprogramme. Es erfordert einen engen Austausch mit allen Beteiligten, um den gestellten Anforderungen eines passgenauen, nachfrageorientierten und praxisnahen Studiums gerecht zu werden. Deshalb sind enge und kurzzyklische Austauschprozesse mit allen Anspruchsgruppen die Grundlage, um die Bedürfnisse und Perspektiven aller Beteiligten zu berücksichtigen, so dass diese Angebote nachhaltig in den Hochschulstrukturen und am Markt etabliert werden können. Die stetige Anpassung und Verbesserung der Angebote ist dabei essenziell.

Um den oben genannten Zielsetzungen gerecht zu werden, wurde während der Begleitforschung des Projektes beSt ein Methoden-Mix aus der qualitativen und quantitativen Sozialforschung erprobt und weiterentwickelt. Ausgangspunkt hierfür sind die Besonderheiten der Dreieckskonstellation zwischen Studierenden, Unternehmen und Hochschule, die für die Ausgestaltung des berufsbegleitenden Studiums nach dem Heilbronner Modell von besonderer Bedeutung sind. Durch den Einsatz von qualitativen und quantitativen Methoden der empirischen Sozialforschung konnten im gesamten Projektverlauf grundlegende Informationen für die weitere Ausgestaltung der berufsbegleitenden Studienprogramme gewonnen werden, die sowohl die Organisation und bedarfsorientierte Ausgestaltung berufsbegleitender Weiterbildungsangebote betreffen als auch die Ausgestaltung des didaktischen Ansatzes im Heilbronner Modell vorantreiben.

Mit dem Ziel der kontinuierlichen Verbesserung wurden im Rahmen des Plan-Do-Check-Act-Zyklus Anpassungs- und Verbesserungspotentiale eruiert und Verbesserungsmaßnahmen angestoßen und umgesetzt. So wurden zunächst in der ersten Förderphase mittels Fokusgruppendiskussionen und unterschiedlicher Interviewformate wesentliche Informationen für die Ausgestaltung und Anpassungen der berufsbegleitenden Studienprogramme gewonnen. Mit den jeweiligen Verantwortlichen in der Hochschule wurden Handlungsmaßnahmen diskutiert und Unterstützungsinstrumente, wie z.B. die Leitfäden für On-the-Job-Projekte für Studierende oder Unternehmen entwickelt.

Während dieser Zeit zeichnete sich schnell ab, dass eine wesentliche Herausforderung bei der Implementierung von qualitätssichernden Maßnahmen darin bestand, diese Instrumente im Übergang von der Pilotphase zum Regelbetrieb adäquat und rechtzeitig anzupassen. Nur so kann der Erkenntnisgewinn im Sinne der kontinuierlichen Verbesserung stetig aufrechterhalten werden. Daher wurden in der zweiten Förderphase wesentliche Schritte unternommen, das qualitative Erhebungsinstrumentarium in ein primär quantitativ ausgerichtetes Instrumentenportfolio zu überführen. Davon unabhängig gilt es jedoch die Stärken der einzelnen Instrumente dabei mit dem Aufwand und dem Output in Relation gesetzt werden und der Erkenntnisgewinn abgewogen werden. Daher wurden beispielsweise Instrumente, wie die Fokusgruppendiskussion weiterhin eingesetzt. Die sehr guten Erfahrungen mit diesem Instrument rechtfertigen aus Projektsicht den erhöhten Aufwand und ermöglichten es, Fokusgruppendiskussionen erfolgreich in die grundständige Lehre zu übertragen. Damit konnten die Erkenntnisse aus dem Projekt beSt auch in den Regelbetrieb der Hochschule transferiert werden.

Zum Abschluss des Projektes wurde in einer Interviewstudie mit Absolventen und Verantwortlichen der Hochschule die Entwicklung der Weiterbildung und insbesondere der entwickelten Studienprogramme nach dem Heilbronner Modell reflektiert und die zukünftigen Herausforderungen für die nachhaltige Implementierung der wissenschaftlichen Weiterbildung nach der Förderung durch den Bund-Länder-Wettbewerb „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“ herausgearbeitet. 

Die aus der Begleitforschung des Projektes beSt eruierten Erkenntnisse und Ergebnisse zur Ausgestaltung von Studienprogrammen in der wissenschaftlichen Weiterbildung gaben im Kontext der Hochschule Heilbronn wichtige Informationen und Impulse zur Entwicklung, Anpassung und kontinuierlichen Verbesserung der bisher angebotenen Studienprogramme nach dem Heilbronner Modell. Diese Erkenntnisse und Ergebnisse sind insgesamt auch für andere Hochschuleinrichtungen eine wichtige Erfahrungsbasis, die einen spezifischen Bezug zur beruflichen Praxis der Studierenden schaffen möchten.

Es ist insgesamt festzuhalten, dass der Auf- und Ausbau von wissenschaftlicher Weiterbildung eine sehr spezifische Aufgabe ist, die je nach Hochschule in ihrer Durchführung variiert und auf unterschiedliche Rahmenbedingungen und Zielsetzungen trifft. Es gibt vielfältige Lösungsansätze, um die Mission „Weiterbildung“ zum Erfolg zu führen. Durch den Bund-Länder-Wettbewerb „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“ wurde es ermöglicht, hier sehr unterschiedliche didaktische sowie organisatorische Ansätze zu erproben und vielfältige Lösungen, Modelle und Umsetzungsvarianten von wissenschaftlicher Weiterbildung auszuloten. Für die Hochschule Heilbronn stand hier das Heilbronner Modell im Zentrum. Es konnten sehr hochschulspezifische, aber auch hochschulübergreifende Ergebnisse gesammelt werden, die insgesamt durch das Erfahrungslernen an den Hochschulen einen Wissenstransfer über die eigene Organisation hinaus ermöglichen. Wissenschaftliche Weiterbildung stellt dabei sowohl aufgrund der normativen Vorgaben, aber auch der gesellschaftlich determinierten Entwicklungen ein klar definiertes Ziel für die Hochschulen dar. Dennoch gibt es auf dem Weg zur Einführung und Etablierung nicht den „Kardinalsweg“ oder ein alleiniges Rezept, sondern es ist ein Ziel, welches über viele (Um-)Wege erreicht werden kann. Die Idee des Heilbronner Modell mit seinen Elementen hat sich als umsetzbare, attraktive und ausbaufähige Form der Ausgestaltung von wissenschaftlicher Weiterbildung erwiesen und wird bei der Entwicklung von zukünftigen Weiterbildungsangebote das Fundament an der Hochschule Heilbronn darstellen. Wissenschaftliche Weiterbildung bleibt dabei weiterhin eine dauerhafte, komplexe sowie anspruchsvolle Steuerungsaufgabe der Hochschule. 


Ausgangslage für die Etablierung von wissenschaftlicher Weiterbildung an der Hochschule Heilbronn

An den Hochschulen in Deutschland ist das Thema lebenslanges Lernen in den vergangenen Jahrzehnten mehr und mehr in den Fokus der strategischen Ausrichtungen gerückt. Insbesondere durch den Bund-Länder-Wettbewerb „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“ konnten Entwicklungsprozesse unterstützt sowie der Auf- und Ausbau von Studienangeboten in unterschiedlichen Formaten und Organisationsstrukturen für verschiedene Zielgruppen an den Hochschulen gefördert werden (Wolter/Banscherus/Kamm, C (Hrsg.) (2016); Hanft/Brinkmann/Kretschmer/Maschwitz/Stöter (2016); Cendon/Mörth/Pellert (Hrsg.) (2016))

Mit der strategischen Entscheidung, wissenschaftliche Weiterbildung neben der grundständigen Lehre und Forschung aufzubauen, betrat die Hochschule Heilbronn im Jahr 2011 Neuland. Für die Etablierung der wissenschaftlichen Weiterbildung war es daher wichtig, sich der besonderen Rahmenbedingungen und anspruchsvollen Herausforderungen an einer Hochschule bewusst zu sein, bzw. sich diejenigen bewusst zu machen, die mit einer solchen strategischen Entscheidung verbunden sind. Solche Rahmenbedingungen bestehen zum einen darin, dass sich berufsbegleitende Studienprogramme an neue Zielgruppen von Studierenden richten. Diese sind berufstätig und bringen damit vielfältige Lebens- und Berufserfahrungen sowie Kenntnisse aus dem beruflichen Alltag mit. Sie stellen neue und andere Anforderungen an die Planungs- und Entwicklungsprozesse von Studienprogrammen. Dies galt es sowohl bei der inhaltlichen als auch bei der didaktischen und organisatorischen Ausgestaltung der Programme zu beachten. Zum anderen sind diese Programme durch Studienentgelte kostendeckend zu finanzieren. Eine öffentlich-rechtliche Organisation wie die Hochschule, die kostenpflichtige Angebote entwickelt und diese für eine neue Gruppe an Studierenden anbietet, sieht sich damit den Marktkräften ausgesetzt und muss diese entsprechend in ihre Planungs- und Entwicklungsprozesse einbeziehen. In einem politischen und rechtlichen Umfeld, das durch starke Interventionen und Einschränkungen geprägt ist, muss eine Hochschule im Gegensatz zu privatwirtschaftlichen Organisationen anders handeln. Mit der Einführung kostenpflichtiger Weiterbildungsangebote gewinnt damit das makroökonomische Umfeld an Bedeutung, das von zahlreichen, konkurrierenden Weiterbildungsangebote verschiedener Hochschulen gekennzeichnet ist. Hinzu kommt ein sich ständig änderndes technologisches und gesellschaftliches Umfeld, in dem es im Sinne von wissenschaftlichen Weiterbildungsprogrammen angemessen zu operieren gilt. 

Das Projekt beSt-berufsbegleitendes Studium nach dem Heilbronner Modell

Um den o.g. Herausforderungen gerecht zu werden und den gestellten Ansprüchen zu genügen, setzte sich die Hochschule Heilbronn mit dem Projekt beSt - berufsbegleitendes Studium nach dem Heilbronner Modell im Rahmen des Wettbewerbs "Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen" in beiden Förderphase (10/2011 bis 09/2017) das Ziel, Weiterbildungsangebote so zu entwickeln und anzubieten, dass diese Angebote passgenau, nachfrageorientiert und praxisnah entwickelt und ausgerichtet werden.

Für die Erreichung dieser Zielsetzung bestand für das Projekt beSt einerseits die Aufgabe darin, einen Programmkonzeptionierungsrahmen für berufsbegleitende Studienangebote zu entwerfen und zu erproben. Grundlegend für die Entwicklung des Programmkonzeptionierungsrahmens war dabei eine systematische Umweltanalyse. Weiterbildungsangebote der Hochschule Heilbronn sollen zum Umfeld passen, d.h. von Studieninteressierten und der Wirtschaft nachgefragt werden, sowie den Anforderungen aller anderen internen und externen Stakeholder Genüge leisten. Diese Aufgabe ist eine komplexe Herausforderung für eine Hochschule, die im Gegensatz zu privatwirtschaftlichen Unternehmen in der Regel aufgrund ihrer institutionellen Historie über wenig stark ausgeprägte Kompetenzen im strategischen Management verfügt.

Bei der Entwicklung des Programmkonzeptionierungsrahmens wurden deshalb gezielt Herangehensweisen und Instrumente (z.B. Stakeholderanalyse, Empathy Map) aus dem Managementbereich mit bildungswissenschaftlichen Ansätzen verknüpft. Im Sinne der Effektivität wurde auf bestehenden Studien und Erkenntnissen aufgebaut (vgl. Köster et al. 2014a). Damit setzt der entwickelte Programmkonzeptionierungsrahmen ein grundlegendes Wissen über die gängige Vorgehensweise der Konzeptionierung und Etablierung grundständiger und berufsbegleitender Studiengänge voraus und nutzt diese.

Neben der Entwicklung und Erprobung des Programmkonzeptionierungsrahmens bestand für das Projekt beSt die Aufgabe darin, didaktische Konzepte zu entwickeln, die dem Anspruch von wissenschaftlicher Weiterbildung an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften gerecht werden. Im Kontext des Projekts wurde daher der didaktische Ansatz des Heilbronner Modells erarbeitet. Die Besonderheit des Modells besteht darin, dass der Wissenstransfer durch Work-based-learning in Form von sogenannten „On-the-Job-Projekten“ im Studium umgesetzt werden. On-the-Job-Projekte sind gemäß des Heilbronner Modells eine Modulform, bei der die Bearbeitung unternehmensspezifischer Themenstellungen in das Studium integriert wird. Dabei wird die Problemlösung akademisch reflektiert und begleitet. Die Herausforderung für die Hochschule Heilbronn bestand darin, die On-the-Job Projekte so als Modulform auszugestalten, dass individuelles Lernen der Studierenden fokussiert und gleichzeitig das Arbeitsumfeld der Studierenden individuell berücksichtigt wird.

Des Weiteren wurde im Rahmen des Heilbronner Modells das Praxisportfolio entwickelt, welches die selbstständige Identifizierung von Problemen und deren Lösungsansätzen im beruflichen Kontext der Studierenden fördert. Durch die selbstständige Identifizierung von Problemen und deren Lösungsansätzen im beruflichen Kontext soll die Reflexionsfähigkeit der Studierenden gesteigert und die Auseinandersetzung mit der eigenen und zukünftigen Profession gestärkt werden. Das Praxisportfolio setzt sich aus den Elementen „Lerntagebuch“, „Coachings“ und der „modulgebundenen Reflexion“ zusammen.

Die Entwicklung und Ausgestaltung solcher anspruchsvollen neuen berufsbegleitenden Weiterbildungsangeboten stellt besondere Anforderungen an die Konzeption, Organisation und Durchführung der Studienprogramme. Es erfordert einen engen Austausch mit allen Beteiligten, um den gestellten Anforderungen eines passgenauen, nachfrageorientierten und praxisnahen Studiums gerecht zu werden. Deshalb sind enge und kurzzyklische Austauschprozesse mit allen Anspruchsgruppen die Grundlage, um die Bedürfnisse und Perspektiven aller Beteiligten zu berücksichtigen, so dass diese Angebote nachhaltig in den Hochschulstrukturen und am Markt etabliert werden können. Die stetige Anpassung und Verbesserung der Angebote ist dabei essenziell. 

Der PDCA-Zyklus als Instrument der kontinuierlichen Verbesserung von berufsbegleitenden Weiterbildungsangeboten

Um den oben genannten Zielsetzungen gerecht zu werden, wurde während der Begleitforschung des Projektes beSt ein Methoden-Mix aus der qualitativen und quantitativen Sozialforschung erprobt und weiterentwickelt. Ausgangspunkt hierfür sind die Besonderheiten der Dreieckskonstellation zwischen Studierenden, Unternehmen und Hochschule, die für die Ausgestaltung des berufsbegleitenden Studiums nach dem Heilbronner Modell von besonderer Bedeutung sind. Durch den Einsatz von qualitativen und quantitativen Methoden der empirischen Sozialforschung konnten im gesamten Projektverlauf grundlegende Informationen für die weitere Ausgestaltung der berufsbegleitenden Studienprogramme gewonnen werden, die sowohl die Organisation und bedarfsorientierte Ausgestaltung berufsbegleitender Weiterbildungsangebote betreffen als auch die Ausgestaltung des didaktischen Ansatzes im Heilbronner Modell vorantreiben.

Mit dem Ziel der kontinuierlichen Verbesserung wurden im Rahmen des Plan-Do-Check-Act-Zyklus Anpassungs- und Verbesserungspotentiale eruiert und Verbesserungsmaßnahmen angestoßen und umgesetzt. So wurden zunächst in der ersten Förderphase mittels Fokusgruppendiskussionen und unterschiedlicher Interviewformate wesentliche Informationen für die Ausgestaltung und Anpassungen der berufsbegleitenden Studienprogramme gewonnen. Mit den jeweiligen Verantwortlichen in der Hochschule wurden Handlungsmaßnahmen diskutiert und Unterstützungsinstrumente, wie z.B. die Leitfäden für On-the-Job-Projekte für Studierende oder Unternehmen entwickelt. 

Während dieser Zeit zeichnete sich schnell ab, dass eine wesentliche Herausforderung bei der Implementierung von qualitätssichernden Maßnahmen darin bestand, diese Instrumente im Übergang von der Pilotphase zum Regelbetrieb adäquat und rechtzeitig anzupassen. Nur so kann der Erkenntnisgewinn im Sinne der kontinuierlichen Verbesserung stetig aufrechterhalten werden. Daher wurden in der zweiten Förderphase wesentliche Schritte unternommen, das qualitative Erhebungsinstrumentarium in ein primär quantitativ ausgerichtetes Instrumentenportfolio zu überführen. Davon unabhängig gilt es jedoch die Stärken der einzelnen Instrumente dabei mit dem Aufwand und dem Output in Relation gesetzt werden und der Erkenntnisgewinn abgewogen werden. Daher wurden beispielsweise Instrumente, wie die Fokusgruppendiskussion weiterhin eingesetzt. Die sehr guten Erfahrungen mit diesem Instrument rechtfertigen aus Projektsicht den erhöhten Aufwand und ermöglichten es, Fokusgruppendiskussionen erfolgreich in die grundständige Lehre zu übertragen. Damit konnten die Erkenntnisse aus dem Projekt beSt auch in den Regelbetrieb der Hochschule transferiert werden.

Zum Abschluss des Projektes wurde in einer Interviewstudie mit Absolventen und Verantwortlichen der Hochschule die Entwicklung der Weiterbildung und insbesondere der entwickelten Studienprogramme nach dem Heilbronner Modell reflektiert und die zukünftigen Herausforderungen für die nachhaltige Implementierung der wissenschaftlichen Weiterbildung nach der Förderung durch den Bund-Länder-Wettbewerb „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“ herausgearbeitet. 

Schlussbemerkungen

Die aus der Begleitforschung des Projektes beSt eruierten Erkenntnisse und Ergebnisse zur Ausgestaltung von Studienprogrammen in der wissenschaftlichen Weiterbildung gaben im Kontext der Hochschule Heilbronn wichtige Informationen und Impulse zur Entwicklung, Anpassung und kontinuierlichen Verbesserung der bisher angebotenen Studienprogramme nach dem Heilbronner Modell. Diese Erkenntnisse und Ergebnisse sind insgesamt auch für andere Hochschuleinrichtungen eine wichtige Erfahrungsbasis, die einen spezifischen Bezug zur beruflichen Praxis der Studierenden schaffen möchten.

Es ist insgesamt festzuhalten, dass der Auf- und Ausbau von wissenschaftlicher Weiterbildung eine sehr spezifische Aufgabe ist, die je nach Hochschule in ihrer Durchführung variiert und auf unterschiedliche Rahmenbedingungen und Zielsetzungen trifft. Es gibt vielfältige Lösungsansätze, um die Mission „Weiterbildung“ zum Erfolg zu führen. Durch den Bund-Länder-Wettbewerb „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“ wurde es ermöglicht, hier sehr unterschiedliche didaktische sowie organisatorische Ansätze zu erproben und vielfältige Lösungen, Modelle und Umsetzungsvarianten von wissenschaftlicher Weiterbildung auszuloten. Für die Hochschule Heilbronn stand hier das Heilbronner Modell im Zentrum. Es konnten sehr hochschulspezifische, aber auch hochschulübergreifende Ergebnisse gesammelt werden, die insgesamt durch das Erfahrungslernen an den Hochschulen einen Wissenstransfer über die eigene Organisation hinaus ermöglichen. Wissenschaftliche Weiterbildung stellt dabei sowohl aufgrund der normativen Vorgaben, aber auch der gesellschaftlich determinierten Entwicklungen ein klar definiertes Ziel für die Hochschulen dar. Dennoch gibt es auf dem Weg zur Einführung und Etablierung nicht den „Kardinalsweg“ oder ein alleiniges Rezept, sondern es ist ein Ziel, welches über viele (Um-)Wege erreicht werden kann. Die Idee des Heilbronner Modell mit seinen Elementen hat sich als umsetzbare, attraktive und ausbaufähige Form der Ausgestaltung von wissenschaftlicher Weiterbildung erwiesen und wird bei der Entwicklung von zukünftigen Weiterbildungsangebote das Fundament an der Hochschule Heilbronn darstellen. Wissenschaftliche Weiterbildung bleibt dabei weiterhin eine dauerhafte, komplexe sowie anspruchsvolle Steuerungsaufgabe der Hochschule. 

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