Projekt beSt - berufsbegleitendes Studium nach dem Heilbronner Modell

Was ist die Idee des Heilbronner Modells?

Das Heilbronner Modell unterscheidet sich in seiner Ausrichtung von bisherigen Angeboten in der wissenschaftlichen Weiterbildung durch die Einbeziehung von berufspraktischen Fähigkeiten in das Studium von Beginn an und ist in seiner Ausrichtung insbesondere auf die Bedürfnisse von Unternehmen ausgerichtet. Es besteht aus drei Säulen: der Theoretisch-fachliche Säule, der Intermediäre/Methoden Säule und der On-the-Job Säule (siehe Abbildung 1).

 

Abbildung 1: Das Heilbronner Modell

Das Besondere am Heilbronner Modell ist die On-the-Job Säule. In dieser wird ein direkter Wissenstransfer des Erlernten im Sinne des „work-based-learning“ ins Unternehmen geschaffen. In sog. On-the-Job Modulen wird das vermittelte theoretische Wissen aus der Hochschule (Theoretisch-fachliche Säule), z.B. im Rahmen von  Studien- oder Projektarbeiten auf aktuelle Problemstellungen aus dem Unternehmen übertragen und Gelerntes direkt in der Praxis umgesetzt. Dies geschieht parallel zur Vermittlung des theoretisch-fachlichen Wissens, so dass der oder die Studierende schrittweise das Erlernte umsetzen und wieder in die Theorie zurückspiegeln kann. In der Gruppe der Studierenden wird der Wissenstransfer am Ende jedes Semesters reflektiert und so neue Sichtweisen auf praktische Problemstellungen ermöglicht. Der Wissenstransferprozess, der Reflektionsprozess und die Präsentationen werden durch Kompetenzen, die in der Methodensäule vermittelt werden, unterstützt.  

Die sich daraus ergebenden Vorteile liegen auf der Hand:

  • Das Studium ist stark anwendungsbezogen.

  • Die Inhalte  des Studiums sind an die beruflichen Erfordernisse angepasst.

  • Studierende können bereits während des Studiums ihre Handlungs- und Methodenkompetenz an konkreten Aufgabenstellungen aus dem Arbeitsalltag unter Beweis stellen, was die Motivation stärkt.

  • Die Studierenden vergegenwärtigen sich durch den ständigen Transfer kontinuierlich die Studieninhalte, was zu nachhaltigem Lernerfolg im Sinne des Kompetenzerwerbs führt.

  • Die intensive fachliche Betreuung durch Professoren und Professorinnen der Hochschule Heilbronn insbesondere im Rahmen der On-the-Job Projekte ermöglicht die starke Individualisierung des Lernprozesses, was wiederum zu effektiverem Lernerfolg führt.

  • Flexible Studienstrukturen und offene Prüfungsgestaltung lassen Raum für die persönliche Work‐Life‐Learning‐Balance der Studierenden.

Zielgruppen des Projektes

Der Schwerpunkt des im Rahmen des Bund-Länder-Wettbewerb "Aufstieg durch Bildung: Offene Hochschulen" des Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektes „beSt-berufsbegleitendes Studium nach dem Heilbronner Modell“ liegt in der Konzeption eines Programmentwicklungsrahmens für die Weiterbildung an der Hochschule Heilbronn, deren neu zu gewinnenden Zielgruppen durch starke Heterogenität geprägt sind. So möchte die Hochschule  Heilbronn mit ihrem neuen Modell ihre Weiterbildungsangebote spezifisch auf die Bedürfnisse der bisher noch unterrepräsentierten Gruppe der beruflich Qualifizierten (auch ohne formale Hochschulzugangsberechtigung) ausrichten. Darüber hinaus sollen insbesondere den Ansprüchen von Frauen und Männern während und nach der Familienzeit Rechnung getragen werden. Das Projekt soll auch die Anforderungen der Eingliederung von Personen nach einer Arbeitslosigkeit berücksichtigen.

Zielsetzungen des Projektes

Um die Idee des Modells hinsichtlich seiner Zielgruppentauglichkeit und der sich im Laufe der Zeit wandelnden Umweltanforderungen stetig zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen, werden die Entwicklung und Durchführung berufsbegleitender Angebote an der Hochschule Heilbronn durch qualitative Forschungstätigkeiten im Rahmen des Projektes beSt begleitet. Dabei stehen folgende Schwerpunkte im Zentrum der Betrachtungen:

  1. Entwicklung und stetige Verbesserung des konzeptionellen Programmentwicklungsprozesses (Heilbronner Modell) durch die Einbeziehung aller relevanten Stakeholder in die Konzeptionierung und spätere Weiterentwicklung von Studienprogrammen; verbesserte Anpassung an die Bedürfnisse der Zielgruppen

  2. Etablierung eines Instruments zur kontinuierlichen Weiterentwicklung der Studienangebote im   Sinne der RADAR[1] Logik auf allen Ebenen (Modell-, Studiengangs-, Modul- bis zur Lehrveranstaltungsebene), um eine kontinuierliche Anpassung an veränderte äußere und innere Rahmenbedingungen zu ermöglichen

  3. Erprobung und Nutzung des Konzepts in den Fachbereichen und/oder Studiengängen, um eine schnellere Konzeption neuer Studienprogramme sowie eine kontinuierliche Qualitätssicherung vorhandener Programme zu ermöglichen.

  4. Einsatz neuer didaktischer Konzeptewie dem „work-based-learning“, die bereits während des Studiums einen direkten Wissenstransfer in die Organisation  ermöglichen

 

Nach Abschluss des Projekts soll das Heilbronner Modell als Konzeptionsrahmen für alle zukünftigen Weiterbildungsangebote dienen. Dazu muss das Konzept so gestaltet sein, dass eine Adaption hinsichtlich der spezifischen fachlichen Anforderungen problemlos möglich ist. So wird die Entwicklung weiterer berufsbegleitender Studiengänge deutlich erleichtert und zeitlich beschleunigt. Dies bedeutet, dass die Hochschule schneller auf den aktuellen Bedarf aus Wirtschaft und Gesellschaft reagieren kann und die Innovationskraft in den Organisationen durch gut ausgebildete Fachkräfte fördert.

Das Projekt beSt - berufsbegleitendes Studium nach dem Heilbronner Modell wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Wettbewerbs: Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen. Die Maßnahme wird kofinanziert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union.


[1] Zink, Klaus J. (2004): TQM als integratives Managementkonzept. Das EFQM Excellence Modell und seine Umsetzung.

RADAR (R = Results, A = Approach, D = Deployment, A + R = Assessment and Review)